2022-01-05T09:42:59+0000

BVdP: „Transformation fordert aktives Handeln und Umdenken“

Digitalisierung, Kostendruck, Nachhaltigkeit sowie die Weiterentwicklung der Fahrzeugtechnik sind aus Sicht von Reinhard Beyer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Partnerwerkstätten (BVdP), die größten Herausforderungen für K&L-Betriebe. In seinem Ausblick für das neue Jahr spricht er die tiefgreifenden Veränderungen für Partnerwerkstätten an. __Wo sieht der BVdP die größten Herausforderungen für K&L-Betriebe im neuen Jahr?__ Viele der aktuellen Baustellen und akuten Herausforderungen diskutieren wir bereits seit einiger Zeit, sie wurden in der Pandemie noch einmal verschärft und treten heute deutlicher denn je zu Tage. Allein die nachgelagerten Effekte der Pandemie wie Rückzahlung von Steuerstundungen oder Überbrückungskredite stellen einen Teil der Schadensteuerungsbetriebe vor schwer lösbare Aufgaben, kommen dann noch weitere Kosten hinzu, wird die Lage kritisch. Wenn wir die Herausforderungen für K&L beurteilen wollen, müssen wir als BVdP natürlich das komplette Schadenbusiness, also insbesondere auch die FLIs im Blick behalten. Gerade letztere haben zum Teil einen enormen Digitalisierungsdruck ausgelöst, der aktuell nicht immer Vorteile für die Werkstatt bringt. Hier muss der administrative Aufwand für die Partnerwerkstätten reduziert werden und die digitalen Lösungen müssen in die Werkstattwelt passen. __Wie schätzen Sie die Zunahme von Kosten- und Renditedruck in der Zukunft ein?__ Generell müssen sich die Auftraggeber der Werkstätten Gedanken machen, wie sie auf den multiplen Kostendruck für die Partnerbetriebe (Teilemargen, Lack, Rechnungskürzungen usw.) reagieren, um weiterhin mit leistungsfähigen, technisch hoch qualifizierten Reparaturpartnern zusammenarbeiten zu können. Der Wettbewerb unter den Marktteilnehmern in unserer Branche darf keinesfalls auf dem Rücken der Werkstätten ausgetragen werden. __Sind die Werkstätten ausreichend auf Transformationsentwicklungen wie etwa zunehmende Fahrassistenzsysteme und Elektromobilität vorbereitet?__ Die Transformation fordert aktives Handeln und Umdenken aller Markteilnehmer, für K&L-Fachbetriebe heißt das, mit Unternehmergeist zum einen auf die technischen Veränderungen zu reagieren, aber zum anderen auch den Wandel bei Automobilindustrie und Mobilität im Auge zu behalten. Ganz wichtig ist dabei der Ausbau von Reparaturkompetenz und die stetige Qualifizierung, um mit der Entwicklung bei Diagnose, E-Mobilität und weiteren Entwicklungen Schritt halten zu können. Da sind nicht alle Werkstätten gleich weit, es gibt durchaus Betriebe, die noch Hausaufgaben zu erledigen haben. Und last but not least, dürfen wir das Thema Umweltschutz/Nachhaltigkeit nicht unter den Tisch fallen lassen, denn in unseren Augen lassen sich im Reparaturgeschäft ökologisch und ökonomisch sinnvolles Handeln miteinander verbinden. Das aber fordert eine gemeinsame Kraftanstrengung wirklich aller Markteilnehmer, um das noch
schlummernde Potential voll auszuschöpfen. Wir sind da gerne zum Dialog mit allen Seiten bereit und werden unsere Ideen dazu auf den Tisch legen. __Wie beurteilen Sie die derzeitige Marktlage im Unfallreparaturgeschäft generell und mit Blick auf die Schadensteuerung? Rechnen Sie im Jahr 2022 mit vermehrten Insolvenzen und Betriebsaufgaben in unserer Branche?__ Das Geschäft zieht wieder an und wir sehen Silberstreifen am Horizont, auch wenn der Markt enger werden wird. Es wird allerdings allein schon als Folge des Insolvenzaussetzungsgesetzes 2019/20 in diesem Jahr zu mehr Insolvenzen kommen. Und wir werden leider auch weitere Betriebsaufgaben, aus verschiedensten Gründen, beobachten müssen. Das hat dann auch Folgen für die Schadensteuerer, denen weniger Reparaturkapazitäten zur Verfügung stehen. __Worauf kommt es jetzt an, wenn sich Unternehmen besser aufstellen wollen? Und wie unterstützt der BVdP die K&L-Betriebe konkret?__ Unternehmerisches Handeln, Weiterqualifikation, keine Scheuklappen bei „neuen“ Themen bzw. Ansätzen wie Nachhaltigkeit und alternative Antriebsformen sind gefragt. Als Verband fahren wir die Strategie, unsere Mitglieder für all diese Themen zu sensibilisieren, Lösungsansätze in der Branche aufzuzeigen und den Dialog zwischen den Parteien anzukurbeln. Für die Verbandsmitglieder gibt es konkret die Best Practice Zirkel, Infoveranstaltungen, Sprechstunden und nicht zuletzt die Leistungsmarke m.o.r.e. Und als Interessenvertreter der Betriebe in der Schadensteuerung sind wir ohnehin im ständigen Dialog mit FLIs, um dem Markt im Sinne unserer Verbandsmitglieder aktiv mitzugestalten. Dabei setzen wir seit Anfang an auf das kooperativen Schadenmanagement, also auf gemeinsame Lösungen und nicht auf ineffiziente Lautstärke.
Gastbeitrag
Lesens Wert

Mehr zum Thema