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2026-07-15T09:41:50+0000

Inklusion im Full-Service-Betrieb: „Wir wollen Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt geben“

Christian Wörtz hat sich einen Traum erfüllt. Der ehemalige Identica-Berater hat vor etwas mehr als einem Jahr mit Wörtz-Car-Works einen Full-Service-Betrieb in Troisdorf in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Doch vor allem in einer Sache unterscheidet sich der Betrieb von anderen. „Inklusion gehört zu unserer DNA“, erklärt Christian Wörtz, was gleichzeitig auch das Firmenmotto ist. Die Idee dahinter: Auch Personen mit Behinderung eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu geben. ## Raus aus der Isolation Den Anstoß dazu gab es aus den eigenen Reihen. Das Ehepaar Wörtz hat einen Sohn mit einer geistigen Behinderung. Und Christian Wörtz' Ehefrau Sandra arbeitet bereits seit 20 Jahren in der Behindertenbetreuung und studiert derzeit neben dem Job soziale Arbeit. Sie weiß: „Viele Menschen mit Behinderung arbeiten in speziellen Behindertenwerkstätten und befinden sich damit in der Isolation.“ Dabei sei gerade die Affinität für Autos auch bei einer Vielzahl von Behinderten gegeben. Diese Inselbegabung könne man nutzen. „Unser Ziel ist es, Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu geben“, betont Sandra Wörtz im schaden.news-Gespräch. „Das muss jedoch engmaschig begleitet werden“, fügt Christian Wörtz hinzu. ## Hartnäckigkeit bei der Bank bewiesen So kombinierte das Ehepaar Wörtz seine beruflichen Fähigkeiten, schrieb gemeinsam einen Businessplan, setzte sich mit dem Inklusionsamt sowie der Handwerkskammer zusammen. Besondere Hartnäckigkeit musste Christian Wörtz bei der Kreditvergabe beweisen: „Erst bei der dritten Bank meinte die Sachbearbeiterin zu mir: Ich helfe Ihnen, wir kriegen das zusammen hin“, erinnert sich Betriebsinhaber Christian Wörtz. Seine Frau ist seit der Firmengründung ebenfalls fest im Unternehmen an Bord und stemmt als Assistentin der Geschäftsführung das Organisatorische und die Personalplanung. ## Zwei Standorte auf modernstem Stand Den K&L-Betrieb baute das Ehepaar sprichwörtlich aus dem Nichts auf und ging im März 2025 in Betrieb. Zuerst arbeitete ein dreiköpfiges Team am ersten Standort in der Belgischen Allee. Doch die Geschäfte liefen so gut, dass Wörtz-Car-Works bereits im November einen zweiten Standort, vier Kilometer Luftlinie entfernt, in der Kasinostraße eröffnen könnten. Dort sind seitdem die Karosserie- und Lackierabteilungen untergebracht. Die Werkstatt ist EUROGARANT- sowie E-Mobilitäts-Fachbetrieb und seit wenigen Tagen auch Nachhaltigkeits-zertifiziert. ## Mitarbeitende leben den Inklusionsgedanken Die Geschäfte bei Wörtz-Car-Works liefen von Anfang an gut, das notwendige Auftragsvolumen für Karosserie, Lack und Mechanik war und ist vorhanden. Heute arbeiten 15 Personen in dem Betrieb, davon fünf mit Behinderung. „Für uns steht an erster Stelle, dass alle Mitarbeitenden mit unserem inklusiven Gedanken mitgehen und ihn leben. Das sagen wir neuen Bewerbern auch bereits im ersten Vorstellungsgespräch.
Wenn sie damit hadern, ist das Gespräch leider auch schon beendet“, berichtet Christian Wörtz. ## Barrierefreiheit im Betrieb: Getestet mit dem Rolli Dass bei der Einrichtung der beiden Betriebsstandorte besonderes Augenmerk auf der Barrierefreiheit lag, stand außer Frage. Mitarbeiterin Melanie Fischer sitzt im Rollstuhl und so habe man ausgehend von ihr auch die Räumlichkeiten geplant – Testfahrten inklusive. „Alle Hallentore und Türen sind breit genug, die Toiletten ebenerdig und im Büro, wo Melanie arbeitet, ist genug Platz. Unser Credo: Wir passen den Arbeitsplatz an, nicht den Menschen“, führt Christian Wörtz aus. ## Erster Ausbildungsbetrieb für Fahrzeugpflege Als erstes K&L-Unternehmen im ganzen Regierungsbezirk Köln ist Wörtz-Car-Works Ausbildungsbetrieb für Fahrzeugpflege. Dabei handelt es sich um eine theoriereduzierte Ausbildung, in der die Lehrlinge viele unterschiedliche Aspekte der Fahrzeugpflege erlernen. In dem Troisdorfer Betrieb ist Niko der erste Azubi, der in diesem Beruf ausgebildet wird. Er ist gehörlos, besucht eine Regelberufsschule und wird dort von Gebärdendolmetschenden begleitet. Nikos Tipp: „Nicht aufgeben! Immer weiter versuchen, bis man es geschafft hat.“ Und wie läuft es im Betrieb? „Auch hier funktioniert die Verständigung über Mimik und Gestik, zusätzlich schreiben wir viel auf. Und ein bisschen können wir uns auch in Gebärdensprache ausdrücken, beispielsweise, was Farben betrifft.“ ## Betrieb wirbt auf Inklusionsmesse für Fachkräfte Über die Ausbildungsmöglichkeiten und das Konzept hat der Betrieb bereits auf der Reha-Care, einer großen Messe für Rehabilitation, Inklusion und selbstbestimmtes Leben, informiert. Zudem gibt es laut Christian Wörtz Kooperationen mit einer Gesamtschule und einer Förderschule in der Region. Dadurch soll es weiteren Menschen mit Behinderung ermöglicht werden, in die Handwerksberufe hineinzuschnuppern. Es gebe bereits Interessenten für das kommende Ausbildungsjahr. ## „Nicht mit Geld aufzuwiegen“ Christian und Sandra Wörtz wissen: „Unser Konzept passt vielleicht nicht auf jeden Betrieb. Aber gerade für kleine und mittelständische Unternehmen bietet es Chancen für beide Seiten, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Obwohl viele anderen Betriebe sich scheuen, diesen Weg zu gehen, haben wir festgestellt: Es gibt für so ziemlich jede Herausforderung eine Lösung, man muss es nur wollen.“ Christian Wörtz fügt hinzu: „Klar kommt es im Werkstattalltag vor, dass man mehr Zeit investieren muss, um beispielsweise Dinge zu erklären oder gemeinsam mit dem Arbeitnehmer Hürden zu meistern. Aber was man dafür zurück bekommt, ist nicht mit Geld aufzuwiegen.“ Vor allem Mut müsse ein Betrieb mitbringen, um so ein Konzept wie bei Wörtz-Car-Works realisieren zu können. „Unser Betrieb ist das beste Beispiel, dass berufliche Teilhabe auch in Handwerksbetrieben möglich ist.“