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2026-07-15T09:43:56+0000

BWL-Tipp: „Der AZT-Lackmaterial-Index entscheidet über Ihre Marge“

Der Lackmaterial-Index nach AZT ist kein trockenes Detail im Kalkulationsprogramm, sondern entscheidet bei jedem Lackierauftrag direkt über die Marge. Darauf wies letztens auch eine Technische Mitteilung (TeMi) der Interessengemeinschaft für Fahrzeugtechnik und Lackierung IFL e.V. „Trotzdem nutzen die wenigsten Betriebe ihn bewusst“, weiß auch Marina Markanian von der bpr Mittelstandsberatung in Dortmund und fügt hinzu: „Dabei ist er neben dem Stundenverrechnungssatz die zweite große Stellschraube in der Kalkulation. Wer hier blind die Standardeinstellung übernimmt, verschenkt bares Geld.“ ## Was der Index wirklich bedeutet Die Unternehmensberaterin erklärt, was der AZT-Index wirklich ist: ein Durchschnitts- und Referenzwert für einen gedachten Normalbetrieb. Er spiegele jedoch nicht automatisch die Realität des eigenen Betriebes wider. „Viele Werkstätten wissen gar nicht, dass der voreingestellte Wert 100 nur eine statistische Basis ist“, erklärt Marina Markanian. „Ihre tatsächlichen Materialkosten hängen von den eigenen Einkaufspreisen, den Materialgemeinkosten und Ihrer individuellen Betriebsstruktur ab. Durch die enorme Preisdynamik bei Lacken, Energie und der Entsorgung verändern sich diese Kosten laufend.“ Eine kleine Abweichung falle meist kaum auf, summiere sich über das Jahr gesehen jedoch zu erheblichen Verlusten. ## So rechnen Betriebe ihren echten Wert aus Um zu prüfen, ob der Standardwert die Kosten im eigenen Betrieb überhaupt deckt, müssen Werkstätten nachrechnen. Die Formel ist laut Marina Markanian, die sich auf das Merkblatt 012 des Bundesverbandes Fahrzeuglackierer (BFL) bezieht, recht simpel: Im Zähler stehen die tatsächlichen Ausgaben des Betriebs für Einkauf und Materialgemeinkosten. Im Nenner steht das, was das Kalkulationsprogramm bei der Voreinstellung 100 ausweist. Wichtig ist laut Marina Markanian: „Beide Werte müssen zwingend aus denselben Aufträgen stammen, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Kommt ein Wert über 100 heraus, liegen die realen Kosten über dem Standard.“ Als Grundregel gilt laut der Expertin: Einmal sauber ermitteln und danach regelmäßig überprüfen, anstatt den Wert einmal einzustellen und wieder zu vergessen. ## Typische Fehler bei der Ermittlung vermeiden Voraussetzung für eine exakte Berechnung ist Marina Markanian zufolge eine lückenlose Datenerfassung. „Ohne auftragsbezogene Daten zu Verbrauch und Entsorgung fehlt Werkstätten oftmals die Grundlage. Es gilt zudem, zwei klassische Fehler zu vermeiden“, warnt Marina Markanian: „Wer die Materialgemeinkosten vergisst, kalkuliert einen zu niedrigen Index. Wer wiederum Kosten, die bereits im Stundensatz stecken – wie die Energie- oder Raumkosten des Mischbereichs – zusätzlich in den Index packt, riskiert eine Doppelberechnung. Das fällt in jeder Prüfung sofort auf. Materialindex und Stundensatz gehören immer zusammen gedacht.“ ## Belastbare Zahlen statt Bauchgefühl bei Kostenträgern Wer seinen realen Index kenne, kalkuliere kostendeckend statt aus dem Bauch heraus. „In Gesprächen mit Kostenträgern liefert der Lackindex belastbare Zahlen statt bloßer Vermutungen. Der eigene Index ist dabei zuerst eine Diagnose für den Betrieb und keine reine Verhandlungswaffe.“ Besonders bei gesteuerten Aufträgen, bei denen der Index oft vertraglich gesperrt ist, müssten Werkstätten genau hinsehen. Sind die Materialgemeinkosten dort nicht gedeckt, müssen sie konsequent in den Stundenverrechnungssatz eingepreist werden. „Die fixe Vorgabe der Versicherer ist kein Grund, nicht zu rechnen – sondern der Grund, es besonders genau zu tun“, betont Marina Markanian. Nur so sehen Betriebe, ob ein gesteuerter Auftrag echte Leerkapazitäten deckt oder ob sie den Schadensteuerer am Ende mit ihrer eigenen Marge subventionieren. „Zudem sollten Positionen neben dem Index – wie Spezial-Lack-Zuschläge oder Sonderprozesse – konsequent separat abgerechnet werden“, rät die Unternehmensberaterin abschließend. Detailliert hat kürzlich auch die Interessengemeinschaft für Fahrzeugtechnik und Lackierung (IFL) in einer Technischen Mitteilung kürzlich auf den Betriebsspezifischen Lackmaterial-Index nach AZT hingewiesen. [Die TeMi können Sie sich hier ansehen. ](https://ifl-ev.de/download/05-2026-betriebsspezifischer-lackmaterial-index-nach-azt/)