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2026-07-01T08:57:26+0000

EU-Kampagne: „Wir müssen das Wegwerfauto verhindern“

_Mit der Kampagne „We Drive EU“ will die Automotive Coalition for Europe den automobilen Aftermarket in Brüssel stärken. Dazu fand kürzlich die Auftaktveranstaltung der Interessenvertretung im EU-Parlament statt. Als Redner mit dabei war ZKF-Hauptgeschäftsführer und AIRC-Generalsekretär Thomas Aukamm. Im schaden.news-Interview erklärt er, was die Kampagne konkret bewegen soll und warum Reparierbarkeit, Datenzugriff und fairer Wettbewerb entscheidend für die Zukunft der K&L-Betriebe sind._ __Herr Aukamm, Sie waren am 9. Juni beim Start der europaweiten Kampagne „We Drive EU“ als Vertreter des Weltverbands der Karosserie- und Fahrzeugbauer „AIRC“ dabei. Was beinhaltet die Kampagne konkret?__ __Thomas Aukamm: __Ziel der Kampagne ist es, die Entscheidungsträger in EU-Kommission und Parlament dafür zu sensibilisieren, wie wichtig der automobile Aftermarket mit 280 Mio. Fahrzeugen für die individuelle Mobilität in Europa ist. Gleichzeitig wollen wir deutlich machen, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit Fahrzeuge auch künftig wirtschaftlich repariert werden können. Während die Fahrzeughersteller auch auf EU-Ebene eine starke Lobby haben, werden die Interessen der Freien Werkstätten und des Independent Aftermarkets in Brüssel bislang oft zu wenig seitens der EU-Kommission vertreten. __Ein Punkt der Kampagne ist das Recht auf Reparatur für K&L-Betriebe. Worauf soll sie die Politik konkret hinweisen?__ __Thomas Aukamm: __Entscheidend war zunächst, konkrete Probleme sichtbar zu machen. Heute erleben wir zunehmend ein „Wegwerfauto“: Fahrzeuge werden wegen kleiner Schäden schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden. Wenn etwa bei einem Plug-in-Hybrid wegen eines beschädigten Grills das komplette Ladesystem für mehrere tausend Euro ersetzt werden muss oder ein Laser-Matrix-Scheinwerfer pro Stück 7.000 Euro kostet, stimmt das Verhältnis nicht mehr. Fahrzeuge müssen so konstruiert werden, dass sie reparierbar bleiben. __Welche Rolle spielt der Faktor des geforderten Daten- und Systemzugriffs für Betriebe an dieser Stelle?__ __Thomas Aukamm:__ Der Zugang zu Fahrzeugdaten wird immer wichtiger. Heute reicht es oft nicht mehr, ein Bauteil einfach auszutauschen. Viele Komponenten müssen softwareseitig registriert oder freigeschaltet werden. Ohne Zugriff auf Herstellerplattformen können freie Werkstätten viele Reparaturen künftig nicht mehr durchführen. Deshalb war die neue EU-Regelung zum Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten ein wichtiger Fortschritt für den Independent Aftermarket. __Welche Bedeutung hat die Kampagne hinsichtlich der Nachhaltigkeit bei der Fahrzeugreparatur?__ __Thomas Aukamm: __Reparierbarkeit ist eine Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Europa liegt inzwischen bei über zwölf Jahren. Es ist
deutlich nachhaltiger, bestehende Fahrzeuge instand zu halten, als ständig neue Fahrzeuge zu produzieren. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit hängen dabei unmittelbar zusammen: Wenn Reparaturen unbezahlbar werden, verschwinden Fahrzeuge unnötig früh vom Markt. __Wie schätzen Sie die Forderung nach einem sogenannten „Repair Clause“ ein, der bestehende Regelungen auch auf den KFZ-Bereich ausweiten soll?__ __Thomas Aukamm:__ Das ist ein wichtiger nächster Schritt. Wir sehen derzeit, dass Fahrzeughersteller den gelockerten Designschutz teilweise über Markenrechte umgehen. Dadurch entstehen Monopole bei Ersatzteilen und die Hersteller können Preise diktieren. Reparaturrelevante Bauteile müssen frei verfügbar bleiben, damit Fahrzeuge wirtschaftlich repariert werden können. __Mit was für einem Gefühl sind Sie aus der Auftaktveranstaltung in Brüssel gegangen?__ __Thomas Aukamm: __Mit einem positiven Gefühl. Besonders wichtig war, dass wir praxisnahe Beispiele liefern konnten, die auch Nicht-Techniker sofort verstanden haben. Genau dadurch wurde deutlich, wo die Probleme liegen und welche Folgen Fehlentwicklungen für Verbraucher und Werkstätten haben. __Welche weiteren Ziele verfolgt die Kampagne?__ __Thomas Aukamm:__ Die Kampagne soll dauerhaft Aufmerksamkeit schaffen und die Interessen des Independent Aftermarkets in Brüssel stärken. Weitere Veranstaltungen sind bereits geplant, unter anderem im Rahmen der Automechanika. Dort wird das Thema „Right to Repair“ weiter vertieft. __Wie halten Sie und die Interessenvertreter nach, ob die Forderungen der Kampagne umgesetzt werden?__ __Thomas Aukamm: __Das geschieht durch kontinuierliche Gespräche mit den zuständigen Stellen in Brüssel, insbesondere mit der Generaldirektion DG-GROW der EU-Kommission. Der direkte Austausch mit Politik und Entscheidungsträgern ist entscheidend, damit die Themen dauerhaft präsent bleiben. __Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten der Kampagne ein?__ __Thomas Aukamm: __Ich bin optimistisch. Die Resonanz auf die Veranstaltung war sehr positiv. Viele Teilnehmer haben verstanden, welche Bedeutung Reparierbarkeit, Datenzugang und fairer Wettbewerb für die individuelle Mobilität in Europa haben. Genau dieses Verständnis brauchen wir, damit zukünftig auf europäischer Ebene die richtigen Entscheidungen getroffen werden. __Vielen Dank für das Gespräch! __