2026-01-14T10:25:33+0000

Mehr E-Autos, weniger Verbrenner: Pkw-Markt 2025 im strukturellen Wandel

Der deutsche Automobilmarkt hat das Jahr 2025 mit einem moderaten Plus abgeschlossen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in seiner Jahresbilanz berichtet, wurden im vergangenen Jahr rund 2,86 Millionen Pkw neu zugelassen (+1,4 Prozent). Damit habe sich der Markt nach den Verwerfungen der Vorjahre insgesamt stabil gezeigt – allerdings bei deutlich veränderten Rahmenbedingungen. ## Dezember als Taktgeber für die Jahresbilanz Einen wesentlichen Anteil an dem positiven Jahresabschluss hatte der starke Jahresendspurt. Allein im Dezember 2025 kamen 246.439 Pkw-Neuzulassungen hinzu und damit 9,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Dataforce haben vor allem der zusätzliche Arbeitstag sowie ein ausgeprägter Endjahreseffekt in nahezu allen Zulassungskanälen zu diesem Ergebnis beigetragen. Demnach haben sowohl der relevante Flottenmarkt als auch private Käufer und Hersteller-Eigenzulassungen deutlich zugelegt. Autovermieter hätten ihre Zulassungen im Dezember sogar um 17 Prozent gesteigert. Über das Gesamtjahr hinweg sei das Marktwachstum laut Dataforce vor allem durch eine Erholung der privaten Nachfrage (+5 Prozent) sowie einen deutlichen Anstieg taktischer Zulassungen im Fahrzeugbau (+23 Prozent) getragen worden. ## Elektromobilität gewinnt weiter an Boden Die deutlichsten Veränderungen zeigten sich 2025 erneut bei den Antriebsarten. Wie das KBA ausführt, stieg die Zahl der vollelektrischen Pkw (BEV) um 43,2 Prozent auf 545.142 Neuzulassungen, was einem Marktanteil von 19,1 Prozent entspricht. Im Dezember erreichten BEV sogar einen Zulassungsanteil von 22,2 Prozent und lagen damit den dritten Monat in Folge über der 20-Prozent-Marke. Auch Plug-in-Hybride legten im Gesamtjahr deutlich zu (+62,3 Prozent) und kamen auf einen Marktanteil von 10,9 Prozent. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht darin ein klares Signal für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität. „Wenn dieser Trend sich auch im Jahr 2026 fortsetzt, kann der Hochlauf der Elektromobilität dieses Jahr wirklich Fuß fassen, wenn die Weichen richtiggestellt werden“, so ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Gleichzeitig weist der ZDK darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Wachstums auf gewerbliche Zulassungen sowie Eigenzulassungen von Herstellern und Handel entfalle. Rechne man diese Effekte heraus, habe der private Markt 2025 im Wesentlichen erst wieder das Niveau von vor zwei Jahren erreicht. ## Neue E-Auto-Förderung ab 2026 als möglicher Impuls Auch deshalb fordert der Zentralverband, so wie andere Branchenverbände, die schnelle konkrete Ausgestaltung der im letzten Jahr angekündigten E-Autoprämie durch die
Bundesregierung. „Seit dem Förderstopp der alten Bundesregierung sind faktisch zwei Jahre verloren gegangen. Umso dringender braucht es jetzt eine klare Ankündigung der Bundesregierung, dass die E-Autoprämie für private Neuzulassungen ab sofort gilt, um einen echten und nachhaltigen Aufbruch der Elektromobilität in Deutschland sicherzustellen“, so der ZDK-Präsident. Geplant ist eine reformierte Kaufprämie mit einer Basisförderung von 3.000 Euro, die je Kind um 500 Euro – maximal jedoch um 1.000 Euro – steigen könne. Für einkommensschwächere Haushalte sei zudem eine zusätzliche Aufstockung vorgesehen. Allerdings befindet sich die Ausgestaltung des Förderprogramms noch in der finalen Phase. ## Verbrenner weiter rückläufig Der – wenn auch gemächliche – Hochlauf der Elektromobilität führt gleichzeitig zu einem Rückgang klassischer Verbrenner. Während im Gesamtjahr 2024 beispielsweise noch 991.948 Benziner neu zugelassen wurden, waren es 2025 nur noch 777.641 Fahrzeugeinheiten und damit 21,6 Prozent weniger. Bei Dieselfahrzeugen betrug der Rückgang von 2024 auf 2025 18,3 Prozent. Benjamin Kibies, Senior Automotive Analyst von Dataforce betont in diesem Zusammenhang: „Parallel dazu geht die Antriebswende weiter. Dass allein in Deutschland innerhalb von sechs Jahren 1,5 Millionen weniger Verbrenner verkauft wurden und das Volumen immer weiter sinkt, führt zu einem tiefgreifenden Strukturwandel, der die Branche weiterhin beschäftigen wird.“ ## Segmente: Verschiebungen ohne große Relevanz für Werkstätten Bei den Fahrzeugsegmenten blieben SUVs auch 2025 die stärkste Klasse. Laut KBA erreichten sie einen Anteil von 33,3 Prozent an den Neuzulassungen (+11,9 Prozent). Die obere Mittelklasse wies zwar den höchsten relativen Zuwachs (+37,3 Prozent) auf, blieb jedoch volumenmäßig weiterhin deutlich kleiner. Für Reparaturbetriebe dürfte diese Segmententwicklung allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielen. Denn entscheidend ist weniger die Fahrzeugklasse als vielmehr die technische Komplexität der Antriebe und Assistenzsysteme, die quer durch alle Segmente zunimmt. ## Wann wird der Strukturwandel im Unfallreparaturmarkt spürbar? Aktuell ist und bleibt der Reparaturmarkt stark vom bestehenden Fahrzeugbestand geprägt, denn dieser verändert sich deutlich langsamer als die Neuzulassungen. Dennoch zeichnet sich der strukturelle Wandel klar ab, wie auch das Marktforschungsunternehmen Dataforce bestätigt. Mittel- bis langfristig wird der wachsende Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen also auch in den Reparaturbetrieben spürbar werden – und zwar flächendeckend. Damit einher gehen veränderte Reparaturprozesse, höhere Anforderungen an Qualifikation und Arbeitssicherheit sowie zusätzliche Investitionen in Werkstattausrüstung. Gleichzeitig könnten klassische Wartungsumfänge bei Verbrennerfahrzeugen weiter an Bedeutung verlieren.
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