Von
 
2026-01-07T08:45:18+0000

BFL: „Die K&L-Branche steht vor massivem Veränderungsdruck“

_Aus Sicht des Bundesverbands Fahrzeuglackierer steht das Jahr 2026 weiter unter Veränderungsdruck – getrieben durch steigende technische Anforderungen, zunehmende Regressforderungen der Versicherer sowie neue Nachhaltigkeits- und Dokumentationspflichten sowie den sich weiter verschärfenden Margendruck und Fachkräftemangel. Im schaden.news-Gastbeitrag macht BFL-Präsident Steven Didssun deutlich, wo jetzt politisch, wirtschaftlich und fachlich angesetzt werden muss, um die Zukunft der Betriebe zu sichern._ Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben eindrücklich gezeigt, wie groß derzeit der Veränderungsdruck in unserer Branche ist. Nicht nur das Handwerk, sondern auch Industrie, Versicherer und Schadensteuerer – sie alle spüren die ökonomischen Belastungen, die steigenden regulatorischen Vorgaben und rasanten technologischen Entwicklungen. Komplexität und Margendruck im Markt nehmen somit immer weiter zu – mit weitreichenden Folgen für das Tagesgeschäft unserer Fahrzeuglackier-Betriebe. So zählen mittlerweile Reparaturen an Hochvolt-Fahrzeugen, die De- und Montage sicherheitsrelevanter Fahrzeugteile sowie die Kalibrierung von Kamera- und Radar-Systemen nach Herstellervorgaben zum Werkstattalltag. Diese Tätigkeiten sind mitunter zeitaufwendig und erfordern teils teure Spezialausrüstung sowie fachkundige Mitarbeiter. Viele Versicherer erkennen jedoch den Aufwand und die damit verbundenen Kosten nicht oder nur unzureichend an. Darüber hinaus deutet sich für 2026 eine Eskalation bei den Regressforderungen durch die Versicherer an. Wir sehen immer mehr Fälle, in denen Versicherer bei Reparaturen umfangreiche Rückforderungen stellen. Diese Praxis setzt unsere Betriebe massiv unter Druck. Zudem steigt der administrative Aufwand weiter, da eine rechtliche Absicherung einer wasserdichten Dokumentation bedarf. Dabei werden wir unsere Betriebe auch perspektivisch mit eigener Rechtsberatung unterstützen. Zeitgleich werden die Forderungen lauter, dass gebrauchte, zertifizierte Ersatzteile in der Unfallschadenreparatur eingesetzt werden sollen. Unklar ist jedoch, wie unsere Betriebe mit der logistischen Herausforderung, Qualitätssicherung und Gewährleistung umgehen sollen. Und nicht zu vergessen: die Nachhaltigkeit. Immer neue Vorgaben beeinflussen die Reparaturprozesse und erhöhen das finanzielle Risiko der Betriebe. Diese politischen, wirtschaftlichen und versicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen werden uns als Bundesverband Fahrzeuglackierer in diesem Jahr umtreiben. Wir werden uns sowohl auf politischer Ebene als auch in Verhandlungen mit Zentralregulierern für die Interessen unserer Betriebe einsetzen – insbesondere bei der Abwehr unberechtigter Regressansprüche. Mit unseren eigenen Technischen Merkblättern und auch als Mitglied in der Interessengemeinschaft für Fahrzeugtechnik und Lackierung e.V. (IFL). Mit den Technischen Mitteilungen der IFL definieren wir Standards für unsere Arbeit und sind damit maßgeblich für die Qualitätssicherung mitverantwortlich. Eine unserer
zentralen Forderungen ist es deshalb, dass die Technischen Mitteilungen in der gesamten Wertschöpfungskette – von Gutachtern über Versicherungen bis hin zu Herstellern – anerkannt und angewendet werden. Und da Fahrzeugreparatur längst keine Einzeldisziplin mehr ist, arbeiten wir auch 2026 eng mit angrenzenden Gewerken und Verbänden zusammen. Nur im Schulterschluss können wir sicherstellen, dass die Schnittstellen in der Praxis reibungslos funktionieren und unsere Betriebe effizient arbeiten können. Darüber hinaus werden wir unseren Betrieben ein Tool zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten präsentieren. Ein besonderes Highlight, auf das ich mich im September freue, ist die starke Präsenz des Bundesverbandes Fahrzeuglackierer auf der Weltleitmesse Automechanika in Frankfurt. Dort werden wir demonstrieren, was unser Handwerk ausmacht: Präzision, Innovation, Kreativität und Leidenschaft. Die größte Herausforderung für viele Betriebe ist und bleibt der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Die Nachwuchsförderung haben wir uns daher prominent auf die Fahnen geschrieben. Wir werden unsere Kampagnen intensivieren, um junge Menschen für dieses kreative, technisch anspruchsvolle und zukunftssichere Handwerk zu begeistern. Parallel dazu treiben wir die Modernisierung des Berufsbildes Fahrzeuglackierer mit Hochdruck voran. Die Fahrzeuge von heute und die anspruchsvolle Reparatur erfordert ein modernes Berufsbild, das den realen Anforderungen gerecht wird. Wir werden alle notwendigen politischen und bürokratischen Hürden überwinden, um einen zukunftsfähigen, modernen KFZ-Beruf zu schaffen. _Steven Didssun, BFL_
Lesens Wert

Mehr zum Thema