2021-08-25T12:37:35+0000

Hochwasserkatastrophe: 40.000 Kfz-Schäden – Welcher Versicherer reguliert die meisten?

Nach den verheerenden Überflutungen in Teilen Nordrhein-Westfalens, Rheinland-Pfalz aber auch Bayern und Sachsen arbeiten Versicherungsunternehmen ohne Unterlass, um die Flutopfer schnell zu entschädigen. Auch die Kfz-Versicherungen sind im Dauereinsatz – denn nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden rund 40.000 Fahrzeuge durch die Wassermassen beschädigt. „Der versicherte Schaden für die Kfz-Versicherer liegt bei rund 200 Millionen Euro und für die Transportversicherer bei rund 100 Millionen Euro“, heißt es von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen in einer Medieninformation Ende Juli. ## Rund 8.900 Meldungen bei HUK-Coburg Fast ein Viertel der Schäden entfallen dabei auf Deutschlands größten Kfz-Versicherer. Auf Nachfrage von schaden.news bestätigte die HUK-Coburg rund „8.900 Kaskoschäden mit einer Totalschadenquote von über 80 Prozent“. Über das Schadenvolumen könne das Unternehmen aktuell jedoch noch keine Prognose abgeben. Um den entstandenen Schaden schnell regulieren zu können, organisiert die HUK-Coburg Sammelbesichtigungen zur Begutachtung der Fahrzeuge. [Wie diese Besichtigungen ablaufen und welche Herausforderungen sich dabei für die Sachverständigen ergeben, darüber sprach schaden.news mit Bernd Grüninger von DEKRA.](https://schaden.news/de/article/link/42451/hochwasserkatastrophe-dekra-besichtigung-ueberfluteter-fahrzeuge) ## Schadenabwicklung per App bei LVM Auch die LVM Versicherungen sind um eine schnelle Regulierung der etwa 2.500 Kfz-Schäden in Höhe von 18 Millionen Euro (Stand: 28.07.) bemüht und geben ihren Versicherten unter anderem die Möglichkeit, Schäden via Smartphone zu melden. „Die mobile LVM-Schadenabwicklung kam in jedem vierten gemeldeten Schadenfall zum Einsatz. Zusätzlich hatten wir für die von der Sturmflut betroffenen LVM-Kunden eine eigene Mailadresse eingerichtet, an die ebenfalls entsprechende Schadenbilder geschickt werden konnten. Sämtliche Kunden in den betroffenen Gebieten haben wir zuvor aktiv angesprochen und dabei auch auf die verschiedenen Kontaktmöglichkeiten bei der Schadenmeldung hingewiesen“, erklärt Carsten Pribyl, Abteilung Kommunikation Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der LVM Versicherung, gegenüber schaden.news. „Versicherten, die ihr Fahrzeug nicht mehr wiederfinden konnten, haben wir ebenfalls so schnell wie möglich weitergeholfen. Hier haben wir die bei uns hinterlegten Fahrzeugdaten genutzt, um den jeweiligen Wiederbeschaffungswert des Autos zu ermitteln und den entsprechenden Betrag zügig auszuzahlen“, heißt es weiter. ## Über die Hälfte der gemeldeten Schäden bereits reguliert Die Allianz bestätigt auf Nachfrage von schaden.news 4.410 gemeldete Kfz-Schäden, von denen bis dato (Stand: 22.08.) rund 94 Prozent besichtigt wurden. „Ausgezahlt haben wir bislang einen Betrag von 24,6 Mio. Euro und damit bereits knapp 60 Prozent der angelegten Schäden geschlossen“, so Christian Weishuber, Leiter Kommunikation Sachversicherung. Insgesamt rechne man laut Medienberichten in München mit einem Schadenvolumen von über 500 Millionen Euro für Sach- und Fahrzeugschäden. ## „Teuerstes Schadenereignis der Geschichte“ „Das Tiefdruckgebiet Bernd ist das größte und teuerste Schadenereignis in der Geschichte der Provinzial. Jetzt geht es um schnelle Hilfe für die Betroffenen“, hieß es von Dr. Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender der Provinzial Holding, in einer offiziellen
Mitteilung Anfang August. 4.524 Schäden im Bereich Kraftfahrt mit einem Aufwand von 37 Millionen Euro verzeichneten die Provinzial Versicherungen zum 20. August. Ersten Schätzungen zufolge bezifferte der Konzern die Schäden insgesamt auf über 761 Millionen Euro, inzwischen wurde die Gesamtschadensumme auf bis zu 1,5 Milliarden Euro nach oben korrigiert. Auf Nachfrage von schaden.news teilte die Provinzial Holding mit, dass 20 eigene Kraftfahrt-Sachverständige sowie weitere diverser Konzerntöchter und externe Sachverständigenbüros oder -organisationen vor Ort im Einsatz waren. Für die schnelle Regulierung der Schäden wurde unter anderem „ein Sondereinsatz der Kfz-Sachverständigen organisiert“, erklärt Fabian Hintzler, Abteilungsleiter Externe Kommunikation bei Provinzial. Gut ein Drittel der Schäden sei auf Wunsch der Versicherten zudem online abgewickelt worden: „Allen Kunden, die nicht auf eine Besichtigung durch einen Sachverständigen warten wollten, haben wir angeboten, selbst aktiv zu werden und uns per Link und/oder Handy Bilder vom Fahrzeug online zur Verfügung zu stellen. In über 1.500 Fällen konnten so kurzfristig per Onlinegutachten Wiederbeschaffungswerte ermittelt und die Schäden auf dieser Basis reguliert werden.“ ## Fahrzeugwert wird bei Verlust auf Basis der Fahrzeugdaten ermittelt Bei der R+V Versicherung schlagen die bundesweiten Unwetter voraussichtlich mit rund 14.000 Schäden in Höhe von 470 Millionen Euro zu Buche, wie aus einer Pressemeldung Mitte August hervorgeht. Zum Anteil der beschädigten Kraftfahrzeuge macht die R+V keine genauen Angaben, jedoch heißt es von Unternehmensseite, dass neben Gebäuden auch tausende Fahrzeuge schwer beschädigt seien. „Drei von vier Autos haben einen Totalschaden.“ Sei ein Fahrzeug in den Wassermassen verloren gegangen und nicht wieder auffindbar, „bestimmen die Sachverständigen von carexpert den Wert der Autos ganz unbürokratisch auf Basis der Fahrzeugdaten, damit die R+V-Kunden schnell ihr Geld erhalten“, ist der Pressemeldung zu entnehmen. ## Tiefdruckgebiet „Bernd“ verursachte Schäden in Höhe von insgesamt 5,7 Milliarden Euro Gemäß einer aktuellen Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) rechnen die deutsche Versicherungswirtschaft schlimmstenfalls mit einer Schadensumme von 5,7 Milliarden Euro. Hierfür befragte die BaFin rund 150 deutsche Schaden- und Unfallversicherer sowie 28 Rückversicherer. „Zum Beispiel wollten wir wissen, mit welcher Schadenbelastung im Worst Case zu rechnen ist. Angesehen haben wir uns vor allem die Unternehmen, die die Verbundene Wohngebäude- und Hausratversicherung und die Kraftfahrtkaskoversicherung anbieten“, erklärte Dr. Frank Grund, BaFin-Exekutivdirektor für die Versicherungsaufsicht, im Kurzinterview mit dem BaFinJournal.
Carina Hedderich