2021-08-25T12:38:41+0000

Begutachtung überfluteter Fahrzeuge: „Unsere Gutachter fahren teils mit Mountainbikes zu Besichtigungsorten“

Ob in Garagen überflutet oder auf den Straßen von den Wassermassen weggerissen – die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat tausende Fahrzeuge beschädigt und zerstört. Damit die Besitzer der größtenteils stark beschädigten Autos von den Versicherungen entschädigt werden können, müssen die Fahrzeuge von Sachverständigen begutachtet werden. Doch wie lassen sich die Schadenbegutachtungen vor Ort überhaupt realisieren? Bekanntermaßen sind in den Katastrophengebieten mitunter ganze Straßenzüge weggespült worden, die Infrastruktur brach zusammen, die Versorgung mit Strom ist nicht durchgehend gewährleistet. Im Gespräch mit schaden.news erklärten Bernd Grüninger, Bereichsleiter Gutachten und Mitglied der Geschäftsleitung bei der DEKRA Automobil GmbH, und Marcel Ott, Leiter Produktmanagement Schadengutachten, wie die Expertenbesichtigung organisiert wird. ## Besichtigungen im Akkord „Bis jetzt“, so bilanziert Bernd Grüninger, „haben unsere Mitarbeiter rund 7.000 Gutachten für Kfz-Überschwemmungsschäden erstellt.“ Insgesamt rechnet die Sachverständigenorganisation mit rund 15.000 zu begutachtenden Fahrzeugen, deren Bewertung noch bis über den September hinaus andauern wird. Die Besichtigungen erfolgen dabei als Sammelbesichtigungen im Auftrag der Versicherer – oder einzeln vor Ort. Für ersteres werden die betroffenen Fahrzeuge durch Abschleppunternehmen aus den Regionen zu einer Sammelstelle verbracht. Für die Abwicklung nutzt das Stuttgarter Unternehmen die für Hagelunwetter geschaffenen Strukturen. Allerdings sind die Voraussetzungen in diesem Fall laut den DEKRA-Experten ungleich schwerer. „Vor Ort gilt es, die Fahrzeuge erst einmal zu sortieren und den Versicherungsnehmern zuzuordnen“, erklärt Marcel Ott. ## Dank Hagel-Ereignissen gut organisiert In Bezug auf die Organisation vor Ort profitiert DEKRA von den langjährigen Erfahrungen durch Hagelereignisse. „Wir haben die Systematik und Struktur der Hagel-Besichtigungen übernommen. Dadurch sind wir in der Lage, Sachverständige aus ganz Deutschland in die betroffenen Niederlassungsgebiete, unter anderem nach Trier, Koblenz, Aachen und Köln zu schicken“, erklärt Marcel Ott. Spezielle für den EDV-Bereich entwickelte Tools vereinfachen die Koordination, die zentral über Stuttgart erfolge. Zudem seien die Mitarbeiter über Wlan-Koffer autark versorgt in Puncto Internetzugang. ## Detaillierte Gutachten kaum möglich Hinzu komme, dass die Begutachtungen oft nicht wie gewohnt unmittelbar am und im Fahrzeug erfolgen könnten. „Unsere Sachverständigen sind aus Sicherheitsgründen dazu angewiesen, keine Zündungen einzuschalten. Das heißt, wir verlassen uns hier zum Beispiel auf die vom Auftraggeber oder Versicherungsnehmer genannten Kilometerstände. Zudem nehmen wir zur Ermittlung des Wertes vor Eintreten des Schadenereignisses einen allgemeinen Verschleißgrad an“, führt Bernd Grüninger aus. Mehr sei aufgrund der teils enormen Schäden an den zu beurteilenden Fahrzeugen, kaum möglich. „Bei fast allen Fahrzeugen aus den stark betroffenen Regionen handelt es sich um Totalschäden“, konstatieren die Experten zudem. ## Teils schwer zugängliche Besichtigungsorte Eine zusätzliche Herausforderung seien für die Kollegen in den Hochwassergebieten die Einzelbesichtigungen, die teilweise in unbefahrbaren Gebieten liegen. „Einige unserer Mitarbeiter fahren so weit wie möglich mit dem Auto und steigen dann aufs Mountainbike um, um zum Besichtigungsort zu gelangen“, erklärt der Bereichsleiter im Gespräch.
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