2019-03-06T13:27:34+0000

Klagewelle gegen Kfz-Versicherer?

__Herr Fiedler, Sie gehören momentan zu denjenigen in der Branche, die den wohl besten Überblick haben, wie die Lage beim Streitthema Rechnungskürzung genau aussieht. Wie ist die aktuelle Situation? Thorsten Fiedler:__ Im Rahmen unseres Dienstleistungsservice für Betriebe, kurz DfB, übernimmt EUROGARANT die Garantie für die Zahlung des kompletten ordnungsgemäßen Rechnungsbetrages für die Werkstätten. So haben wir innerhalb von zwei Jahren über 6 Millionen Euro für die Betriebe geltend gemacht. Für diesen Zeitraum stellen wir fest, dass die Kürzungen von Werkstattrechnungen immer weiter zunehmen und auch noch gravierender werden. __Was heißt das genau? Thorsten Fiedler:__ Neben den Kürzungen von kleinen Beträgen fällt immer häufiger auf, dass die Kürzungssummen jetzt höher werden. Zudem stellen wir fest, dass fachlich begründete Reparaturschritte, die früher unbeanstandet blieben, jetzt plötzlich moniert werden. Man könnte sagen: Früher wurde gezahlt, heute wird gestrichen. Dies können wir uns nur mit dem Spardruck und den teilweise willkürlichen Kürzungsstrategien mancher Prüfdienstleister erklären. __Können Sie Beispiele nennen? Thorsten Fiedler:__ Ja, reichlich. Gekürzt wird nach wie vor bei Arbeitspositionen wie Einlackieren und Farbtonangleichung. Aber auch bei den Arbeitszeiten oder der Kalibrierung sowie Probefahrten oder den Kosten für die Bereitstellung eines Ersatzfahrzeuges. Besonders auffällig ist jedoch zurzeit, dass Kfz-Versicherer und
Prüfdienstleister in immer größerem Umfang Rechnungspositionen kürzen. Aktuell streiten wir uns bei einer Werkstattrechnung von bis zu 5.000 Euro, um Kürzungen in Höhe von mehr als 1.000 Euro. Das ist keine Seltenheit mehr. __Was unternehmen Sie gegen die Rechnungskürzungen? Thorsten Fiedler:__ Wir gehen jetzt verstärkt gerichtlich gegen die Kfz-Versicherer vor. Im Moment sind sieben Klagen vor Amtsgerichten und einige Sachverständigenverfahren anhängig. __Wie schätzen Sie die Chancen ein? Thorsten Fiedler:__ Sie kennen den Spruch: Vor Gericht und auf hoher See… Im Ernst, der Ausgang ist völlig offen, aber wir haben gute Argumente. Natürlich ist es für Richter schwer, die genaue Sachlage zu beurteilen. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen und gehen, wenn notwendig durch die Instanzen. Ich wünsche mir aber, dass die Versicherer schon im Vorfeld die Rechtmäßigkeit der Ansprüche anerkennen, denn ansonsten entstehen Gerichtskosten, die sicher ein Vielfaches der Kürzungserträge ausmachen. __Rechnen Sie mit einer Klagewelle gegen Kfz-Versicherer? Thorsten Fiedler:__ Ich denke, immer mehr Betriebe werden sich künftig das „Streichkonzert“ der Kfz-Versicherer und Prüfdienstleister nicht mehr gefallen lassen. Ob es zu vermehrten gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt, werden wir sehen. __Was raten Sie K&L-Betrieben die mit Rechnungskürzungen konfrontiert sind? Thorsten Fiedler:__ Oftmals sind es ja Werkstattleiter oder Betriebsinhaber, die sich mit
den Rechnungskürzungen herumschlagen müssen. Jeder Unternehmer sollte sich vergegenwärtigen, wie viel Zeit und Kosten damit verbunden sind. Viel zu wenige Inhaber gehen so an die Sache heran. Das Kümmern um Rechnungskürzungen ist kein lukratives Geschäft. Es ist günstiger für die Betriebe ihre Rechnungsforderungen an uns im Rahmen von DfB abzutreten. Wir garantieren die Zahlung und übernehmen dann auch die Auseinandersetzung im Falle von Rechnungskürzungen. Im Übrigen nutzen unseren Service verstärkt auch Markenwerkstätten, die ebenfalls immer häufiger von Kürzungen betroffen sind. __Vielen Dank für das Gespräch!__
Christian Simmert
Lesens Wert

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