2026-04-01T06:19:35+0000

Gelungene Premiere: DAT Claims bringt Schadenbranche mit neuem Format zusammen

Mit der CLAIMS 2026 hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) erstmals ein eigenes Kongressformat für die Schadenbranche auf die Bühne gebracht. Rund 100 Vertreter aus Kfz-Versicherungen, Schadensteuerung und Verbänden kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Frage, wie technologische Innovationen und steigende Anforderungen die Schadenabwicklung verändern. Die Resonanz auf die Premiere fiel laut dem Veranstalter DAT durchweg positiv aus – „nicht zuletzt, weil es gelang, unterschiedliche Perspektiven entlang der gesamten Prozesskette zusammenzubringen“, heißt es aus Ostfildern. ## KI als Treiber für neue Prozesse Zum Auftakt machte DAT-Geschäftsführer Helmut Eifert deutlich, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Schadenabwicklung längst keine Zukunftsvision mehr ist. Vielmehr gehe es jetzt darum, bestehende Prozesse anzupassen und die Technologie sinnvoll zu integrieren. Die DAT begleitet Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit 2019 bei der Transformation ihrer Abläufe. Das Portfolio reicht von automatisierter Fahrzeugerkennung über standardisierte Foto- und Sprachdokumentation bis hin zur KI-gestützten Schadenkalkulation und Reparaturfreigabe. Am Beispiel von FastTrackAI zeigte Helmut Eifert, wie ein durchgängiger „End-to-End-Prozess“ aussehen kann: Schäden werden per interaktiver Fotodokumentation erfasst, beschädigte Bauteile in Echtzeit erkannt und auf dieser Basis eine erste Kalkulation erstellt. Die Herausforderung liege weniger in der Technik selbst, sondern im Aufbau von Vertrauen in die Systeme und deren Ergebnisse. ## Datenzugang bleibt zentrale Hürde Yannick-Niklas Lober (DAT) widmete sich anschließend den Möglichkeiten und Grenzen von Connected-Car-Daten. Zwar könnten inzwischen rund 30 Fahrzeugmarken entsprechende Live-Daten bereitstellen und die Zahl vernetzter Fahrzeuge wachse kontinuierlich. Für die Schadenregulierung seien diese Daten jedoch nur eingeschränkt nutzbar. Insbesondere unfallrelevante Informationen würden von Herstellern häufig nicht freigegeben. Während Flottenbetreiber vergleichsweise guten Zugang hätten, seien Versicherer hier noch deutlich stärker eingeschränkt. Hinzu kommt die Kostenfrage: Mit durchschnittlich 4,70 Euro pro Fahrzeug und Monat seien die aktuellen Modelle für eine breite Anwendung kaum wirtschaftlich. Ereignisbasierte Abrechnungsmodelle, die gerade für die Schadenbearbeitung
interessant wären, seien bislang kaum verfügbar. Das Fazit des DAT-Experten: Das technische Potenzial ist vorhanden – der Zugang zu den Daten bleibt die entscheidende Herausforderung. ## Praxiseinblick: Hagelscanner im Einsatz Einen Einblick in die betriebliche Praxis lieferte Lars Rottmann, Geschäftsführer vom Hagelschaden Zentrum Deutschland (HZD). Sein Unternehmen setzt bereits seit 2020 Hagelscanner im laufenden Betrieb ein und verfügt damit über umfangreiche Erfahrungswerte. Im Fokus seines Vortrags standen weniger die technischen Möglichkeiten als vielmehr die praktische Umsetzung: von der Auswahl geeigneter Systeme über deren Integration in bestehende Prozesse bis hin zur organisatorischen Einbindung im Betrieb. Deutlich wurde, dass der Einsatz von Scannern Effizienzgewinne ermöglichen kann – etwa durch standardisierte Schadenaufnahmen und schnellere Kalkulationen. Gleichzeitig erfordert die Einführung entsprechende Schulungskonzepte. Mit der HZD-Akademie setzt das Unternehmen hier auf strukturierte Trainings, um Mitarbeiter im Umgang mit der Technologie zu qualifizieren. ## Werkstattperspektive: steigender Druck im K&L-Betrieb Thomas Aukamm, Hauptgeschäftsführer des ZKF, richtete den Blick auf die Situation in den Karosserie- und Lackierbetrieben. Er zeichnete ein vielschichtiges Bild der aktuellen Herausforderungen: steigende Ersatzteilpreise, zunehmende Komplexität durch Fahrerassistenzsysteme und Hochvolttechnik sowie wachsende Anforderungen durch Digitalisierung und Dokumentation. Hinzu kommt der Spagat zwischen Effizienzdruck und steigenden Kundenerwartungen. Der Verbandschef nutzte die Gelegenheit, um insbesondere die Teilnehmenden aus der Kfz-Versicherung und Schadensteuerung für die wirtschaftliche Situation der Betriebe zu sensibilisieren. Seine zentrale Botschaft: Die steigenden Stundenverrechnungssätze seien eine direkte Folge der zunehmenden technischen und organisatorischen Anforderungen – und nicht isoliert zu betrachten. ## Diskussion: Kundenbindung und neue Tarifmodelle In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Martin Schneider (HUK-Coburg), Thomas Aukamm (ZKF) und Dimitra Theocharidou-Sohns (SPN) wurden zentrale Fragestellungen der Versicherungsbranche vertieft. Moderiert wurde die Runde von Uta Heller, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der DAT, sowie F+K-Chefredakteur Christian Otto. Ein Thema war die sinkende Kundenloyalität, die unter anderem durch Vergleichsportale verstärkt wird. Für Versicherer stelle sich zunehmend die Frage, wie Kunden langfristig gebunden werden können. Diskutiert wurde zudem der Einsatz von Gebrauchtteilen im Reparaturprozess sowie mögliche regulatorische Entwicklungen. Auch neue Tarifmodelle standen im Fokus:
Telematik-Angebote werden laut den Diskutanten bereits gut angenommen, insbesondere wenn sie für Kunden mit finanziellen Vorteilen verbunden sind. Einigkeit bestand darin, dass datenbasierte Modelle an Bedeutung gewinnen werden – gleichzeitig aber neue Ansätze in der Kundenansprache erforderlich sind. ## Nachhaltigkeit und Daten im Fokus Mit Blick auf nachhaltige Schadensteuerung stellte Nico Leven (DAT) den GreenRepair Tracker sowie den Emission Tracker vor. Beide Lösungen zielen darauf ab, die durch Reparaturprozesse entstehenden Emissionen transparent zu machen und in Entscheidungen einzubeziehen. Ein zentraler Aspekt ist dabei der Vergleich zwischen Instandsetzung und Teileersatz. Dieser gewinnt nicht nur aus ökologischer Sicht an Bedeutung, sondern kann auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Ergänzend zeigte Jannis Winter von der DAT, wie datenbasierte Anwendungen wie der SilverDAT Repair Cost Tracker genutzt werden können, um Reparaturkostenentwicklungen zu analysieren. Ziel ist es, Versicherern und anderen Marktakteuren belastbare Entscheidungsgrundlagen für die Steuerung ihrer Prozesse zu liefern. ## Positive Resonanz und Ausblick Zum Abschluss zog DAT-Geschäftsführer Helmut Eifert ein positives Fazit der Veranstaltung: „Die Resonanz auf die erste CLAIMS war durchweg sehr positiv. Das Format hat gezeigt, wie wichtig der Austausch in der Branche ist.“ Vor dem Hintergrund der diskutierten Themen und des großen Interesses sei eine Fortsetzung des Formats bereits im Gespräch.
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