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2026-05-13T11:23:10+0000

ZKF-Branchentreff 2026: Zwischen Konsolidierung, Hightech und 100 Jahren Handwerk

Rund 600 Teilnehmende kamen vergangene Woche zum ZKF Branchentreff nach Köln. Der Zentralverband hatte am Freitag (08. Mai) in die MMC Studios eingeladen. Dort erwartete das Publikum, bestehend aus Inhaberinnen und Inhabern von K&L-Betrieben, Vertretern verschiedener Verbände, Kfz-Versicherer, Ausrüster und Branchenplayer ein umfangreiches Programm und viel Gelegenheit zum Netzwerken. Neben dem fachlichen Teil des Pkw- und Nutzfahrzeugsymposiums gab es am Freitagabend zudem noch einen weiteren Grund zu feiern: Die Karosseriebauerinnung Köln feierte ihren 100. Geburtstag mit einem festlichen Abend in der Kölner Flora. Im schaden.news-Video zieht ZKF-Präsident Arndt Hürter ein Fazit des Branchentreffs und betonte auch die besondere Rolle, die die 100-Jahr-Feier für die Innung spielt. ## „Marktdruck mit Fairplay und Verantwortung begegnen“ ZKF-Präsident Arndt Hürter rückte in seiner Begrüßung die drängenden wirtschaftlichen Belastungen in den Fokus: Steigende Kosten für Energie und Ersatzteile verdrängen zunehmend den Lohnanteil auf den Rechnungen, während im Nutzfahrzeugbau die Auftragslage stockt und neue Auflagen wie die Altteileverordnung das Tagesgeschäft erschweren. In der Debatte um Gebrauchtteile signalisierte der ZKF-Präsident Offenheit, forderte jedoch Klarheit bei Margen und Garantien ein. Ein zentrales Anliegen war ihm die Abrechnungssicherheit: Besonders bei Fahrerassistenzsystemen (FAS) müsse die hohe Verantwortung für die Sicherheit der Kunden auch finanziell korrekt vergütet werden – hier dürfe es keine Abstriche bei der Abrechnung geben. Mit Blick auf den zunehmenden Regressdruck empfahl er eine lückenlose Dokumentation und die Nutzung juristischer Unterstützung. Hürter schloss mit einem leidenschaftlichen Appell für das „ehrbare Handwerk“ als gesellschaftliche Stütze und forderte beim Thema Entlastungsprämien politische Konsequenz: „Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch!“ Wenige Stunden nach seiner Rede stoppte der Bundesrat diese Pläne. Diese Nachricht sorgte für Applaus im Saal. ## ZDH-Präsident: Mut zum Aufbruch Für ein Grußwort war ZDH-Präsident Jörg Dittrich nach Köln gereist. Er schlug eine Brücke von den aktuellen Defiziten hin zu einer optimistischen Aufbruchstimmung.
In einem sportlichen Vergleich mahnte er, dass das Handwerk zwar noch in der „Champions League“ spiele, uns aber in der 80. Minute die Luft auszugehen drohe – ein gesellschaftliches „Trainingslager“ sei nun notwendig. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen betonte Jörg Dittrich die enorme Wandlungsfähigkeit der letzten 20 Jahre und rief dazu auf, den Moment der Veränderung als echte Chance zu begreifen. Er hob die Stärke des Mittelstands als Alleinstellungsmerkmal hervor und forderte eine tatsächliche Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Sein Plädoyer an die Betriebsinhaber: „Wir müssen selbst Dinge bewegen – ob in Innungen oder Verbänden – und gemeinsam ein positives Narrativ schaffen, das den Mut und die Selbstwirksamkeit des Handwerks wieder in den Vordergrund stellt.“ ## Elektrofahrzeuge: Reparatur statt Ersatz Einen erhellenden Vortrag gab es während des Branchentreffs zur Reparatur von Elektrofahrzeugen. Unter dem Motto „E-Mobilität ohne Berührungsängste“ zeigte der Kfz-Meister Michael Dittmar, Inhaber des Betriebs Dittmar & Stachowiak in Dortmund an praktischen Beispielen, dass sich auch komplizierte Teile am E-Fahrzeug und selbst die Batterie reparieren lassen und so aus einem vermeintlichen Totalschaden doch noch ein Reparaturfall werden kann, an dessen Ende ein zufriedener Kunde steht. ## Radarkonforme Lackierung, Lackkalkulation, Gigacasting Um radarkonforme Lackierung und effiziente Reparaturprozesse ging es im Vortrag von Thimo Lothert und Dirk Sauer von Axalta. Dazu wurde aus dem Veranstaltungsort im Studio 50 direkt in die Axalta Refinish Acadamy geschaltet, wo das Team Beispiele für die Reparaturlackierung zeigte. Im Anschluss gab Markus König (DAT) einen Einblick in das novellierte DAT-Lackkaltkulationssystem Euro-Lack. Dabei handele es sich um ein unabhängiges, flächenbezogenes Berechnungssystem zur Ermittlung von Arbeitszeiten und Materialkosten. Wie schon [bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen im März](https://schaden.news/de/article/link/44966/rueckblick-wkst-2026), stand auch das Thema Gigacasting in Köln im Fokus. KTI-Geschäftsführer Helge Kiebach erläuterte Details zu dieser Aluminium-Druckguss-Technologie in der Praxis. Eine Einschätzung aus Sachverständigensicht zu Gigacasting in der Unfallreparatur gab es im Anschluss von DEKRA-Leiter Schadengutachen und Mitglied der Geschäftsführung, Bernd Grüniger. Den Abschluss des Vortragsprogramms bildete der Branchenrechtsanwalt Henning Hamann, der aktuelle Themen der Rechtssprechung im Kfz-Unfallschadenmarkt
anschaulich für die anwesenden Betriebsinhaberinnen und -inhaber erklärte. ## Gipfeltreffen: Wohin steuert das Schadenmanagent? Mit Spannung wurde während des ZKF-Branchentreffs das Gipfeltreffen der Kfz-Versicherer HUK-Coburg und Allianz auf der Bühne erwartet. In der Diskussion mit Michael Schnapp (HUK-Coburg) und Stefan Artz (Allianz), moderiert von ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm und ZKF-Präsident Arndt Hürter, standen die Weichenstellungen für das Schadenmanagement im Fokus. Trotz der massiven Bündelung digitaler Kompetenzen durch Tochterunternehmen wie Solvd erteilte die Allianz einem eigenen Werkstattnetz eine klare Absage; man setze lieber auf Prozessoptimierung statt auf Expansion. Während die KI-gestützte Abwicklung als unaufhaltsamer Trend bestätigt wurde, bleibt der Faktor Mensch für komplexe Fälle unverzichtbar. Ein Reizthema der Betriebe – die Regressforderungen – stufen die Versicherer zwar als statistisch marginal ein, zeigen sich jedoch offen für einen engeren Austausch mit dem ZKF, um Reibungsverluste für Kunden und Werkstätten zu minimieren. Einig war man sich beim Thema Nachhaltigkeit: Die Instandsetzung vor Erneuerung soll, insbesondere im gesteuerten Bereich, durch gezielte Anreize weiter forciert werden. Während brachte das Gipfeltreffen zum Einsatz von Gebrauchtteilen aufgrund zahlreicher ungeklärter Fragen weiterhin keine konkreten Antworten. Den Abend ließen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer festlich ausklingen: Im historischen Festhaus der Flora in Köln beging die Karosseriebauerinnung Köln ihr 100. Jubiläum mit zahlreichen Marktplayern und regionaler Polit-Prominenz im festlichen Stil.
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