2026-03-25T11:04:28+0000

WKST: Netzwerken, Gigacasting, KI und Prozesse im Fokus

Mehr als 1.400 Teilnehmende: Die Veranstalter der Würzburger Karosserie- und Schadenstage konnten am vergangenen Wochenende (20.-21. März) gleich zur Eröffnung einen Besucherrekord vermelden. Ausverkauftes Haus im Vogel Convention Center – sicher auch für den neuen F+K-Chefredakteur Christian Otto ein gelungener Auftakt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Themen Gigacasting, KI und Prozessoptimierung. ## Gigacasting – „ein evolutionärer Prozess“ Das Fachprogramm stand am ersten Veranstaltungstag ganz im Zeichen von Aluminium-Großgussteilen – dem sogenannten Gigacasting. Das von Tesla populär gemachte Konzept, große Aluminiumkomponenten in einem Guss zu fertigen, wird inzwischen auch von anderen Fahrzeugherstellern eingesetzt. In Würzburg stand die Frage im Fokus, welchen Einfluss diese Bauweise auf die Unfallschadenreparatur hat – sowohl für die Schadenbegutachtung als auch für die Instandsetzung. Innerhalb der verschiedenen Expertenvorträge wurde jedoch schnell deutlich, dass die Reparaturwerkstätten für diesen neuen Trend bereits gut gerüstet sind. „Aluminium-Gussteile werden seit fast 30 Jahren in den Fahrzeugen verbaut. Neu ist nur, dass die Bauteile größer werden – das ist kein revolutionärer, sondern ein evolutionärer Prozess“,
fasste es Helge Kiebach, Geschäftsführer des Kraftfahrzeugtechnischen Instituts, zusammen. ## Karosserievermessung und Erfahrung der Fachkraft sind entscheidend Zentral für den Umgang mit Gigateilen ist dabei die elektronische Karosserievermessung – sowohl für die Schadenbegutachtung und -kalkulation als auch für die Reparatur. Denn durch die Größe der Bauteile werde die Kraft des Aufpralls durch die Struktur durchgeleitet. Vor allem Fügestellen müssten deshalb eingehend begutachtet werden, ebenso wie kleine Risse. „Die Erfahrung und Routine der Fachkräfte ist dabei enorm wichtig, Schulungen bleiben daher das A und O“, betonte Betriebsinhaber Peter Vogel vom gleichnamigen K&L-Center. Unterstützung in Sachen Weiterbildung bieten beispielweise der ZKF sowie seine Kooperationspartner. Bei fehlenden oder lückenhaften Reparaturleitfäden der Hersteller empfahl ZKF-Referatsleiter Michael Zierau zudem einen Blick auf die Plattform repairpedia. Denn – auch das wurde in der Diskussion deutlich – gerade bei neueren Modellen fehlen nicht selten noch die entsprechenden Herstellervorgaben. Ohne die, das verdeutlichte Betriebsinhaber Christian Uthoff, sollten Betriebe jedoch keinesfalls mit der Reparatur beginnen. Denn – das ist auch klar – der Demontageaufwand und die damit verbundenen Kosten steigen je nach Bauteilgröße. ## Tipps zum Umgang mit verunfallten Leasingfahrzeugen Darüber hinaus standen, wie schon in den vergangenen Jahren, rechtliche Themen rund
um die Unfallreparatur im Fokus. Mit Dr. Oliver Klein, Richter am Bundesgerichtshof, und Rechtsanwalt Henning Hamann von der Kanzlei Voigt beantworteten am Freitag zwei ausgewiesene Experten zahlreiche Fragen rund um die Haftung bei einem Unfall mit einem Leasingfahrzeug. Wie bei Kaskoschadenfällen gilt auch bei beschädigten Leasingfahrzeugen das Vertragsrecht. „Es ist daher enorm wichtig, dass Sie wissen, was zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer vereinbart wurde. Denn der Fahrzeugeigentümer – also der Leasinggeber – bestimmt die Spielregeln“, verdeutlichte Henning Hamann in seinem Vortrag. Die Leasingbedingungen können dabei, je nach Unternehmen, unterschiedlich ausfallen. Häufig werden jedoch Reparaturfachbetriebe vom Leasinggeber vorgegeben oder müssen zumindest freigegeben werden, ebenso wie die Beauftragung eines Sachverständigen – wichtig zu wissen, gerade für freie Werkstätten. Eine weitere Besonderheit ist die Totalschadengrenze, die bei Leasingfahrzeugen häufig bei 60 Prozent des Wiederbeschaffungswertes liegt. Bei Schäden oberhalb dieser Grenze gilt häufig sowohl für Leasingnehmer als auch Leasinggeber ein Sonderkündigungsrecht. ## I statt E in Theorie und Praxis Wie auch schon in den vergangenen Jahren, kombinierten die Veranstalter auch 2026 Vorträge im Veranstaltungssaal mit Einblicken in die Praxis – zugeschaltet von der Außenfläche vor dem Vogel Convention Center. So erläuterte Carbon Vertriebsleiter Siegbert Müller mit seinem Betriebsleiter Yannick Stern die Vorteile der Karosserieaußenhautinstandsetzung
mithilfe des CBR-Systems. Betriebsinhaber Christian Eisnecker von der eisi GmbH berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Werkzeug und dem Thema Instandsetzen vor Erneuern. ## Auf der Suche nach den Effizienzkillern Der Samstag stand ganz im Zeichen von Effizienz. Den Anfang machte Fix Auto Deutschland-Chef Roy de Lange. In seinem Vortrag beschrieb er, welche Effizienzkiller es im K&L-Betrieb gibt und wie Werkstattinhaber diese beheben können. Mehr denn je wurde hier deutlich, wie stark die unternehmerische Rolle des Betriebsinhabers zusätzlich zum handwerklichen Know-how des Teams inzwischen ausgeprägt sein muss, um sich als K&L-Werkstatt erfolgreich und profitabel im Markt zu etablieren. Kommunikation mit dem Team, der stetige Blick auf verkaufte Stunden, die Nutzung von operativen Kennzahlen, die Sicherung des eigenen Cashflow und das im Blick behalten der Reparatur-Zykluszeiten können für Werkstätten wichtige Stellschrauben sein, um die Effizienz sichtbar zu erhöhen. ## Automatisierung im Werkstattalltag: „Es gibt schon viele Möglichkeiten“ Im Anschluss zeigte Arek Fiedorowicz, Marketing Operation Manager von PPG, den Teilnehmenden welche Technologietrends heute schon für mehr Effizienz im Werkstattalltag sorgen können. Ob Exo-Skelette, Co-Bots, künstliche Intelligenz oder Augmented Reality – die Entwicklung ist rasant und die Einsatzbereiche vielfältig. In Würzburg gab der PPG-Manager zudem einen tieferen Einblick in den Lackierroboter
PaintGo, [den der Lackhersteller seit Herbst letzten Jahres in Hilden intensiv testet,](https://schaden.news/de/article/link/44747/ppg-testet-lackierroboter) und der auch im Außenbereich der Würzburger Karosserie- und Schadenstage besichtigt werden konnte. Das Patent sei vor allem deshalb interessant, weil sich die notwendigen Führungsschienen für den Roboter binnen eines Tages in jeder Lackierkabine installieren lassen. Arek Fiedorowicz hob zudem die „beeindruckende und immer gleichbleibende Oberflächenqualität“ hervor, die auch erste Testbetriebe bestätigten. Mit Blick auf die Applikation gäbe es keine Einschränkungen: ob 3-Schichter, Mattlackierungen oder eingefärbte Klarlacke – alles sei möglich. Und auch die Weiterentwicklung des PaintGo schreitet laut PPG rasant voran. In nur wenigen Wochen soll der Roboter auch Kanten lackieren können, die bisher manuell von einer Fachkraft vorlackiert werden mussten. Mit 120.000 Euro für die Pkw-Variante sowie 150.000 Euro für Transporter-Lackierungen ist die Investition in den Lackierroboter aktuell noch sehr hoch. Für interessierte Betriebe könnte sich diese aus Sicht der Hildener dennoch lohnen: Denn neben einer konstanten Qualität entlaste der PaintGo die Fachkräfte und sorge für planbare Durchlaufzeiten. Damit sich Betriebe selbst ein Bild von der Technologie machen können, bieten PPG sowie der Servicepartner PSS unter anderem an, den Roboter für mehrere Wochen zu testen. ## Mit KI zum optimalen Werkstattprozess Auch im administrativen Bereich gibt es mittlerweile vielfältige Tools und Programme, die für einen optimalen Ablauf sorgen sollen. Um Werkstätten dabei zu unterstützen, hat Glasurit zu Jahresbeginn seine Kooperation mit dem IT-Dienstleister aspaara bekannt gegeben. Wie diese Unterstützung konkret aussieht, erklärte Bartosz Dobrowolski von der BASF Coatings in Würzburg im Rahmen eines Spotlight-Vortrages. Demnach analysiere das aspaara-Team die Abläufe in einem Betrieb über vier Wochen und erstellt dann eine passgenaue KI. Diese soll letztlich den Werkstattleiter entlasten und unter anderem die Prozesse rund um Auftragsverwaltung, Termin-, Werkstatt- und Kapazitätenplanung harmonisieren. Detailierte Einblicke zum Thema gab es außerdem im Vortrag von aspaara-Gründer und CEO Dr. Alexander Grimm. Neben dem umfangreichen Programm und mehr als 100 Ständen auf den Ausstellerflächen hatten die Teilnehmenden der Würzburger Karosserie- und Schadenstage viel Gelegenheit zum Netzwerken. „So viel Austausch gab es noch nie“, freute sich auch Timm Diesbach (Kanzlei Voigt), der gemeinsam mit Christian Otto durch das Vortragsprogramm führte. Detlef-Peter Grün, ZDK-Vize und Bundesinnungsmeister, traf mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf: „Dieser vielfältige Austausch ist ein Zeichen, dass die Branche zusammenwächst.“ Daran hatten ohne Zweifel auch die Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2026 ihren Anteil. _Autorinnen: Carina Hedderich und Ina Otto_
Lesens Wert

Mehr zum Thema