2026-05-06T09:36:17+0000

Mehr Druck im Markt, neue Chancen durch Integration: Glasurit gibt strategischen Ausblick

Die Entwicklung im Unfallschadenmarkt bleibt dynamisch – und stellt Industrie wie Werkstätten vor wachsende Herausforderungen. Steigende Kosten, strukturelle Veränderungen und neue Technologien greifen zunehmend ineinander. Für Glasurit stehen deshalb aktuell mehrere strategische Themen parallel im Fokus. Im Videointerview mit schaden.news gibt Hendrik Franke, Managing Director Autoreparaturlacke Deutschland bei BASF Coatings, einen Überblick über die derzeit drängendsten Fragen im Markt. ## Kostendruck durch geopolitische Lage spürbar Vor allem die geopolitische Lage wirkt sich nach Einschätzung des Lackherstellers spürbar auf Kosten und Lieferketten aus. „Die gesamtgeopolitische Lage ist schwierig“, erklärte Hendrik Franke im Interview. Insbesondere Rohöl und daraus abgeleitete Rohstoffe hätten sich zuletzt zu einem zentralen Kostentreiber entwickelt. Um die Auswirkungen für Partnerbetriebe zu begrenzen, setzt Glasurit auf interne Maßnahmen. „Wir versuchen das natürlich intern über gewisse Effizienzmaßnahmen und Prozessoptimierung so gut es geht abzufedern“, betont er. Gleichzeitig macht er deutlich, dass diese Strategie Grenzen hat: „Allerdings gelingt das nicht an allen Stellen.“ Ziel sei es dennoch, die gewohnten Service- und Lieferstandards möglichst stabil zu halten. ## Integration in Carlyle: Fokus auf Wachstum und Investitionen Ein weiteres zentrales Thema bleibt die Integration von BASF Coatings beim U.S.-Investor Carlyle. Nach Angaben von Hendrik Franke wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche interne Strukturen überprüft und neue Entwicklungsmöglichkeiten ausgelotet. Im Mittelpunkt steht dabei die strategische Weiterentwicklung des Geschäfts. „Wir wollen unsere Kundenbasis erweitern und möglichst viel in Zukunftstechnologien investieren“, betonte der Deutschland-Chef. Themen wie Digitalisierung, Serviceangebote und neue Geschäftsfelder spielen dabei eine zentrale Rolle. ## Konsolidierung bei Werkstätten dürfte weiter an Fahrt aufnehmen Auch auf Seiten der Werkstätten beobachtet Glasurit eine anhaltende Konsolidierung. Nach Einschätzung von Hendrik Franke ist dieser Trend noch lange nicht abgeschlossen. „Ich gehe fest davon aus, dass es weitergehen wird“, erklärte er mit Blick auf neue Investoren und bestehende Marktteilnehmer, die ihre Aktivitäten ausbauen wollen. Als wesentliche Treiber nennt er steigenden Kostendruck, fehlende Nachfolgeregelungen und den zunehmenden Fachkräftemangel. In diesem Umfeld sieht sich Glasurit verstärkt als Schnittstelle zwischen Betrieben und möglichen Investoren oder Partnern, vermittelt bei Bedarf. Gleichzeit unterstütze Glasurit die Betriebe selbst mit einem umfassenden Beratungsangebot von der Betriebsführung bis zur Prozessoptimierung. „Wir spielen so ein bisschen die Vermittler und haben gleichzeitig eigene Lösungsbausteine im Portfolio“, beschreibt Hendrik Franke die Rolle des Lackherstellers. ## Weiterentwicklung im Produktportfolio bleibt Kernthema Parallel dazu arbeitet Glasurit an der Weiterentwicklung seines Produktportfolios. Im Fokus stehen vor allem Prozessoptimierungen bei Mehrschichtsystemen sowie
Verbesserungen bei der Farbtonfindung. Ziel ist es, Arbeitsabläufe im Betrieb weiter zu vereinfachen und stabiler zu gestalten. Darüber hinaus rückt das Thema Energieeffizienz stärker in den Mittelpunkt. Neue Entwicklungen sollen dazu beitragen, Energiekosten zu reduzieren und gleichzeitig zuverlässige Prozesse sicherzustellen. ## Robotik gewinnt zunehmend an Bedeutung Auch das Thema Automatisierung und Robotik rückt stärker in den Fokus. Wie der Deutschland-Chef verriet, laufen in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben und Technologieanbietern bereits erste Pilotprojekte. Für Hendrik Franke steht fest, dass sich Betriebe langfristig mit dieser Entwicklung auseinandersetzen müssen. „Die Augen davor zu verschließen ist nicht der richtige Weg, denn es wird kommen über kurz oder lang“, sagte er mit Blick auf automatisierte Lackierprozesse. Aktuell gehe es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und geeignete Einsatzbereiche zu definieren. ## Nachwuchs bleibt zentrale Herausforderung Neben wirtschaftlichen und technologischen Themen sieht Glasurit weiterhin großen Handlungsbedarf beim Thema Nachwuchs. Das Unternehmen engagiert sich deshalb international als Hauptsponsor der WorldSkills. Die weltweit größte Berufswettbewerbsveranstaltung findet in diesem Jahr vom 22. bis 27. September in Shanghai statt. Auf einer Fläche von rund 360.000 Quadratmetern treten Teilnehmende aus über 60 Ländern in insgesamt 64 Berufen gegeneinander an. Glasurit ist offizieller Sponsor und Partner im Bereich Fahrzeuglackierung und stellt Lackmaterialien, digitale Lösungen sowie fachliche Unterstützung und Schulungen bereit. Für Hendrik Franke ist dieses Engagement ein wichtiger Baustein, um junge Menschen für das Berufsfeld zu gewinnen. „Wir wollen das Handwerk und die Branche mit sehr viel positiven Spirit belegen“, betonte er. Ziel sei es, den Beruf sichtbar zu machen und langfristig qualifizierten Nachwuchs für die Branche zu sichern. ## Netzwerkgedanke rückt zum Jubiläum in den Fokus Nicht zuletzt gibt es für Glasurit in diesem Jahr auch noch etwas zu feiern: das 25-jährige Bestehen des Partnernetzwerks ColorMotion. Geplant ist eine gemeinsame Veranstaltung mit Partnerbetrieben, bei der neben dem Jubiläum vor allem aktuelle Branchenthemen im Mittelpunkt stehen sollen. Und die gibt es reichlich, denn steigende Kosten, technologische Entwicklungen und strukturelle Veränderungen erhöhen den Anpassungsdruck auf Betriebe.