2021-11-10T12:17:42+0000

„Schon als Kind verbrachte ich mehr Zeit in der Werkstatt als auf Spielplätzen“

Seit 2015 ist Lisa Hannover Fahrzeuglackiererin im Mercedes Autohaus Stern Auto in Leipzig. Das Interesse für Fahrzeuge wurde der heute 28-Jährigen dabei offenbar in die Wiege gelegt: „Mein Vater ist Fahrzeuglackierer. Ich habe als Kind daher viel mehr Zeit in Werkstätten verbracht als auf dem Spielplatz“, berichtet die 28-Jährige. Die Entscheidung, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, traf sie allerdings erst im Alter von 20 Jahren nach einigen Umwegen in ihrer Laufbahn: „Eigentlich wollte ich nämlich Tierpflegerin werden und hatte schon diverse Praktika in Zoos in der Umgebung gemacht.“ Durch Zufall wurde ihr 2013 dann jedoch zunächst ein Langzeit-Praktikum und anschließend eine Ausbildung bei Stern Auto Leipzig angeboten. Lisa nahm an und hat die Entscheidung nach eigenen Angaben bis heute nicht bereut. ## Von der Antennenkappe bis zum 40-Tonner „Meine Arbeit liefert mir sehr schnell sichtbare Ergebnisse, das motiviert mich“, erklärt Lisa Hannover. So lackiert sie bei Stern Auto Leipzig alles „von der Antennenkappe bis zum 40-Tonner“. Dennoch meint sie: Lackieren ist nicht gleich Lackieren. Vielmehr reizen sie die kreativen Aufgaben bei ihrer Arbeit: „Da kann ich so viel ausprobieren.“ So hat sie beispielsweise auch die Lackierung in Kupfer-Optik, die sie auch auf ihrer Motorhaube bei ihrer Teilnahme zum Body & Paint-Wettbewerb auf der Automechanika Frankfurt im September präsentiert hat, selbst entwickelt. „Auch die Transformationstechnik, mit der ich den Albert Einstein auf die Motorhabe übertragen habe, findet man sonst im klassischen Unfallreparaturgeschäft nicht. Da sind es meist immer wiederkehrende Farben und immer wiederkehrende Fahrzeugmodelle“, erklärt Lisa Hannover. Aus der Vergangenheit ist ihr ein Kunstprojekt in Erinnerung, das auf der Biennale in Venedig für die Künstlerin Anna KE lackiert hat. „Da war unser Team tagelang in der Lackierkabine mit beschäftigt.“ ## Frauen haben manchmal einen besseren Blick fürs Detail“ Das Lackiererhandwerk sieht sie nach wie vor als eine Männerdomäne, in der man sich als Frau besonders durchsetzen müsse. „Das hab ich hier aber gut im Griff“, lacht die 28-Jährige mit Blick in die Werkstatt. Alexander Ernst, Ausbilder bei Stern Auto Leipzig und somit auch Lisas Ausbilder, kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen Frauen in der Lackierkabine eher kritisch beäugt wurden: „Als 2007 das erste Mal eine Frau bei uns eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin begonnen hat, gab es da vielerorts kritische Stimmen. Das hat sich bis heute aber grundlegend geändert. Frauen packen genauso mit an – haben aber dafür auch keinen Welpenschutz“, schätzt er die Situation ein. Er selbst sieht in der Arbeitsweise durchaus Unterschiede zwischen den weiblichen und den männlichen Kollegen: „Frauen haben manchmal einen präziseren Blick und können Farbunterschiede noch genauer erkennen“, berichtet er. Dass Lisa Hannover den ersten Preis beim Publikumsvoting in Frankfurt gewonnen hat – und zwar sowohl national als auch international – erfüllt ihn mit Stolz. Und auch für Lisa Hannover kommt der Auftritt in Frankfurt einem Motivationsschub gleich, betont die 28-Jährige, bevor sie wieder die Lackierpistole in die Hand nimmt. Die nächste kreative Aufgabe wartet schließlich schon in der Kabine.
Ina Otto
Lesens Wert

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