2021-06-30T10:35:00+0000

DEKRA: Fast 90 Prozent aller Unfälle gehen auf Faktor Mensch zurück

Menschliches Fehlverhalten war und ist seit Jahren mit Abstand die häufigste Unfallursache im Straßenverkehr. Zu diesem Ergebnis kommt der nun veröffentlichte [DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2021](https://www.dekra-roadsafety.com/). „Europaweit sind nahezu 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen“, berichtet DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf in einer aktuellen Medieninformation der Expertenorganisation. Lediglich 3,2 Prozent der 2019 durch das Statistische Bundesamt auf deutschen Straßen registrierten Unfälle mit Personenschaden seien auf das Fehlverhalten von Fußgängern zurückzuführen gewesen. Dieses wurde in knapp 65 Prozent aller Fälle den Pkw-Fahrern angelastet. Fahrzeugtechnik und Straßeninfrastruktur könnten nur bedingt dazu beitragen, risikoreiche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen oder in ihren eventuellen Folgen abzumildern, so Egelhaaf. ## Junge Fahranfänger und Senioren bilden größte Risikogruppe Bei näherer Betrachtung der ausgewerteten Fälle kristallisieren sich zwei Altersgruppen als häufigste Unfallverursacher heraus: Die 18 bis 24-Jährigen und die Altersgruppe 65+. So unterschiedlich wie beide Gruppen sind auch die Arten des Fehlverhaltens, das zum Unfall führte. Während nicht angepasste Geschwindigkeit und zu geringer Abstand bei den jungen Fahrern dominieren, steht bei der Altersgruppe 65+ die Vorfahrt- beziehungsweise Vorrangmissachtung mit großem Abstand an erster Stelle. Es folgen Fehler beim Abbiegen und zu geringer Abstand. Bis zum Alter von 65 Jahren ist der Anteil der Männer, deren Fehlverhalten für den Unfall relevant ist, deutlich höher als der der Frauen. Ab 65 Jahren gleicht sich dieses Verhältnis an. ## Abnehmende Leistungsfähigkeit kann Unfallrisiko erhöhen Es zeigt sich, dass speziell komplexe Verkehrssituationen mit zunehmendem Alter der Autofahrer zu Fehlverhalten führen. Dies gelte insbesondere für Vorfahrts- und Vorrangverletzungen außerorts und auf Autobahnen, die zum Beispiel 2019 bei den 18- bis 24-Jährigen bei unter zehn Prozent lagen und bis zur Altersgruppe 75+ auf knapp 25 Prozent angestiegen sind. Auch innerorts sticht Fehlverhalten in komplexeren Verkehrssituationen mit zunehmendem Alter hervor. Ganz klar zu erkennen sei im innerörtlichen Verkehr außerdem der Anstieg beim Fehlverhalten gegenüber Radfahrern und Fußgängern. Als Ursache gelten hier die im Alter nachlassende Beweglichkeit beim Schulterblick, bei schneller Blickzuwendung oder beim Blickrichtungswechsel. Hinzu kämen längere Reaktionszeiten, oftmals begünstigt durch Medikamenteneinfluss. Doch auch die Menge und Komplexität von Informationen, die der Mensch verarbeiten kann, nehmen im Alter ab. Auch fällt das Abschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen schwerer. „Maßnahmen für eine sichere Mobilität im Alter mit dem Pkw müssen daher primär bei den komplexen Verkehrssituationen ansetzen“, betont Markus Egelhaaf. Neben einer Optimierung der Infrastruktur helfen hier Assistenzsysteme im Fahrzeug. Letztendlich stehen aber viele Unfälle mit Vorfahrt- oder Vorrangverletzungen, beim Abbiegen oder mit Beteiligung von Radfahrern oder Fußgängern bei Senioren im Zusammenhang mit körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen.
Christoph Hendel
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