2021-03-24T11:05:17+0000

Werkstattmarkt: „Die Preise explodieren“

Schon Ende vergangenen Jahres berichtete schaden.news darüber, dass die[ Lackindustrie mit einer Kostenexplosion bei Lackgrundmaterialien kämpft](https://www.schaden.news/de/article/link/42069/preissteigerung-bei-lackgrundmaterialien). Die globale Lage auf den Rohstoffmärkten hat sich nun weiter verschärft und betrifft auch zunehmend andere Zulieferer von Werkstätten. Seit Wochen diskutieren Manager in deutschen und europäischen Zentralen der Lackhersteller und bei Produzenten von Verbrauchsmaterialen, wie sie mit der Krise umgehen. Brancheninsider rechnen nun mit kurzfristigen Preissteigerungen für Karosserie- und Lackierbetriebe. ## „Das haben wir noch nicht erlebt“ Fragt man bei erfahrenen Managern nach, berichten diese übereinstimmend von Lieferengpässen, rasant steigenden Transportkosten und deutlichen Preissteigerungen bei Grundstoffen, die für die Produktion von Reparaturlacken, Kleb- und Dichtstoffen, Schleifscheiben, Folien und anderen in Werkstätten benötigten Verbrauchsmaterialien zwingend gebraucht werden. „Die Einkaufskosten gehen in kürzester Zeit durch die Decke. Grundstoffe sind teilweise gar nicht mehr verfügbar. So eine Situation haben wir noch nicht erlebt“, heißt es auf Nachfrage von schaden.news bei verschiedenen namenhaften Industrieunternehmen der Branche. Der europäische Verband der Lackindustrie (CEPE) bestätigt die Lage offiziell: „Seit Januar sind die Kosten für Schlüsselkomponenten wie Epoxidharze in Europa um 60 Prozent gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Lösemitteln aus, allein der Preis für Aceton und n-Butylacetat ist dort um 123 Prozent bzw. 91 Prozent gestiegen." Auch Pigmente und weitere petrochemischen Rohstoffe hätten sich in den letzten Wochen rasant verteuert. Der Grund: eine Verknappung der Produktionskapazitäten und eine extrem starke Nachfrage aus China. „Dadurch sind auch die Lieferkosten um das Vierfache gestiegen. Container, Frachtraum, Paletten, Verpackungen sind außerdem kaum noch verfügbar. Zudem verteuerte sich auch noch Öl um 20 Prozent“, stellt ein weltweit führender Produzent in seiner Marktanalyse fest, die der Redaktion vorliegt. ## „Preissteigerungen unvermeidbar“ Diese negative Entwicklung werde weiter anhalten und könne sich auch noch verschärfen, davon gehen die befragten Manager aus. Das hat nun auch Folgen für Werkstätten sowie Karosserie- und Lackierbetriebe. „Man wird um Preiserhöhungen nicht umhinkommen“, lauten die Einschätzungen übereinstimmend. „Niemand kann diese extremen Kostensteigerungen in so kurzer Zeit wegstecken, das gibt kein Deckungsbeitrag her.“ Deshalb haben erste Werkstattausrüster bereits Preisanpassungen angekündigt. Die Lackindustrie steht dabei besonders unter Druck. Denn schon Anfang dieses Jahres wurden die Preise für Reparaturlacke erhöht. Nun wird darüber diskutiert, ob ein „zeitlich begrenzter Rohstoffkostenaufschlag“ im Markt durchsetzbar ist. ## Partnerwerkstätten wieder besonders betroffen Die aktuelle Lage drückt auf die Stimmung bei Werkstattausrüstern und in der Lackindustrie. Denn jeder Manager weiß, dass der Unfallreparaturmarkt derzeit immer stärker unter den Folgen der Corona-Krise leidet. Durch die weitere Verlängerung des
Lockdowns [gehen die Mobilität und damit verbunden das Unfallgeschehen sowie das Reparaturvolumen weiter zurück.](https://schaden.news/de/article/link/42215/corona-mobilitaet-legt-im-maerz-rueckwaertsgang-ein) „Preissteigerungen sind jetzt eigentlich Gift für die Betriebe, allerdings haben wir derzeit keine andere Wahl“, heißt es zähneknirschend unter Vertriebsleitern. Vor allem bei Partnerwerkstätten der HUK-Coburg dürfte diese Nachricht schlecht ankommen. Denn hier können die Lackmaterialkosten bei gesteuerten Unfallreparaturen nicht weiter berechnet werden. Die Befürchtung einiger Managern der Branche lautet angesichts der aktuellen Entwicklungen: „Das Jahr 2021 könnte schlimmer werden als das Krisenjahr 2020.“ Keine guten Aussichten für die nächste Zeit.
Christian Simmert