2020-11-11T12:57:37+0000

Wie kommt IRS durch die Krise, Herr Gerardy?

30 Standorte und rund 1.000 Mitarbeitern umfasst die IRS-Gruppe inzwischen. Auch sie treffen die Auswirkungen der Pandemie. Bis jetzt liegt das Auftragsdefizit in diesem Jahr durchschnittlich bei minus 15 Prozent. Geschäftsführer Frank Gerardy geht dennoch selbstbewusst und optimistisch mit der schwierigen Lage um. __Herr Gerardy, wie ist die Situation bei der IRS-Gruppe, vor dem Hintergrund der Corona-Krise?__ __Frank Gerardy:__ Noch läuft es gut, wir beobachten die aktuelle Situation stetig. Wir sind uns bewusst, dass Corona auch in den kommenden Monaten einen großen Einfluss auf die Schadensteuerung und die Reparaturquote haben wird. Die Situation in unserem Unternehmen ist von Region zu Region unterschiedlich. An einigen Standorten verzeichnen wir eine Auslastung über Vorkrisen-Niveau. Wir haben aber auch Betriebe mit schlechter Auslastung. Die Herausforderung besteht darin, die notwendigen Maßnahmen den regionalen Voraussetzungen anzupassen. __Was bedeutet das konkret?__ __Frank Gerardy:__ Im Schnitt verzeichnen wir seit dem zweiten Quartal ein Minus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau. Allerdings gibt es auch hier regionale Unterschiede. Wir haben vereinzelt Auslastungsdefizite bis zu minus 40 Prozent, aber auch Betriebe, die auf Vorjahresniveau arbeiten. In zehn Betrieben arbeiten die Mitarbeiter in Kurzarbeit. __An Ihren 30 Standorten arbeiten insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter. Wie gehen Sie dem Personal gegenüber mit der aktuellen Situation um?__ __Frank Gerardy:__ Die Mitarbeiter werden regelmäßig über unser Intranet aufgeklärt und die aktuelle Situation und notwendigen Maßnahmen für die Region erläutert. Es gibt einen wöchentlichen Austausch mit den Regionalleitern, die im Schnitt jeweils acht bis zehn Betriebe betreuen. Zudem meldet jeder Betrieb seinem Regionalleiter wöchentlich seine Auslastung und seinen Auftragsvorlauf. So haben wir die Steuerung und den Vorlauf immer im Blick. __Die IRS ist ja sehr stark getrieben von gut organisierten Prozessen. Anders könnte man einen Betrieb mit 30 Standorten sicher kaum steuern. Ist das momentan ein Vorteil? Und wie sehen diese durchorganisierten Prozesse aus?__ __Frank Gerardy:__ Meiner Meinung nach sind diese stark organisierten Prozesse gerade in der jetzigen Situation ein klarer Vorteil. Die administrativen Prozesse werden in der Hauptzentrale in Rellingen im Shared Service Center zentral betreut werden. Dazu gehören beispielsweise Controlling, IT, Marketing, Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung, Finance und natürlich auch die Personalabteilung. __… und die Werkstattprozesse?__ __Frank Gerardy:__ Was den operativen Bereich betrifft, haben wir es beinahe geschafft, an allen Standorten die einheitliche Verwendung von Materialien einzuführen. Somit haben wir nun beim Lack, Verbrauchsmaterial und in der Karosserie in allen Betrieben an allen Standorten die gleichen Lieferanten und auch einheitliche Arbeitsabläufe. Zudem gibt es einen Schulungskatalog und die Mitarbeiter sind auf einem gleichen Ausbildungsniveau. Was das Thema Digitalisierung angeht, so nutzen wir als überall als Planungstool den Process Manager, mit dem wir Kapazitäten planen, Arbeitszeiten gegen Aufträge abgleichen und den Vorlauf berechnen. Auch den Mietwageneinsatz und den Hol- und Bringservice planen wir damit. Zudem werden alle Mitarbeiter so geschult, dass wir an allen Standorten nach gleichem Standard
eine Schadenkalkulation durchführen. Ziel ist, dass jeder Mitarbeiter im Sinne von IRS kalkuliert, weil der Kunde – Versicherer, Flotten, Schadensteuerer – eine IRS-Kalkulation erwartet. Hierbei liegt der Fokus übrigens eindeutig auf Instandsetzen vor Erneuern. __Das sind viele Stellschrauben, an denen IRS dreht. Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei genau und welche Möglichkeiten sehen Sie, um digitale Anwendungen im Betrieb einzusetzen? __ __Frank Gerardy:__ Die Digitalisierung ist heute im K&L-Betrieb unerlässlich. Und wenn man eine Gruppe wie die IRS aufbaut, so ist das nur mit einem erheblichen Anteil an digitalen Werkzeugen möglich. Denn der Erfolg liegt in der Planung – und das geht nur mit den richtigen Tools. Daher spielt bei der IRS vor allem in der Auftrags- und Kapazitätsplanung und der Standortsteuerung die Digitalisierung eine Rolle. __Schauen wir nach vorn. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen – abgesehen von Corona – um als Gruppe im Unfallschadenmarkt erfolgreich zu sein? __ __Frank Gerardy:__ In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns nicht von Einzelunternehmen. Die großen Themen jenseits von Corona werden immer Mitarbeiterführung, Fachkräftemangel und Nachwuchssicherung sein. Sich als Arbeitgeber attraktiv darzustellen und somit indirekt um Mitarbeiter zu werben, wird uns zukünftig noch stärker begleiten. Dazu gehört neben einer adäquaten Entlohnung auch ein attraktiver Arbeitsplatz. Da ist es nicht nur mit einer neuen Hebebühne getan, sondern der jungen Generation sind hier auch digitale Werkzeuge im Werkstattbereich und Arbeitssicherheit wichtig. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird immer bedeutender: Derzeit wird es vorrangig noch zu Werbezwecken gegenüber dem Endkunden eingesetzt. Aber so eine „grüne Werkstatt“ wird in einigen Jahren auch für Mitarbeiter im Vordergrund stehen und auch anders bezahlt werden. __Wie ist Ihre Einschätzung: Wie kommen Sie durch die Corona-Krise?__ __Frank Gerardy:__ Ich denke, mit einem leichten blauen Veilchen. Wir sind überzeugt, dass wir den Kurs noch stabil halten können. Aber wir müssen alle den Gürtel enger schnallen und die Maßnahmen dem aktuellen Wissensstand anpassen – das kann sich auch wöchentlich ändern. Natürlich hat auch die IRS wenig Einfluss auf das Steuerungsvolumen. Aber wir haben den Vorteil, dass wir in der Gruppe die Verteilung von Volumen und Mitarbeitern beeinflussen können, sodass es möglich sein wird, sowohl Volumen als auch Mitarbeiter von Standort zu Standort umzuverteilen. Daher denke ich, dass wir die Krise gut meistern werden. __ Vielen Dank für das Gespräch!__
Christian Simmert