2020-06-17T11:47:48+0000

Corona-Krise: So geht es den K&L-Betrieben jetzt

„Die Situation bei uns im Betrieb ist durchwachsen“, berichtet Michael Seidel, Betriebsinhaber aus Mainaschaff. Er ist sich jedoch sicher, dass das Unfallaufkommen in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter hat er auf 75 Prozent zurückgefahren. „So können wir fast 100 Prozent unserer Kapazitäten abdecken und sind damit betriebswirtschaftlich gut aufgestellt“, erklärt der Betriebsinhaber. „Weiterhin stellen wir fest, dass sich unsere Kunden nun auch verstärkt für die Instandhaltung Ihres Fahrzeuges interessieren. Zudem haben wir in der Zeit der Ausgangsbeschränkung eine Marketingkampagne von Nexa Autocolor namens „Lack Up your Life“ genutzt um weiteres Kundenpotential für zusätzliche Lackier-Aufträge zu generieren", berichtet Michael Seidel weiter. Beispielsweise hätten er und sein Team Möbel und Fahrräder lackiert. Zwar sei inzwischen die Auslastung im Unfallschadengeschäft nicht ansatzweise so hoch wie vor Corona, aber das komme sicher wieder. „Der Verkehr auf unseren Straßen nimmt spürbar zu – so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Schadenquote ebenfalls wieder wächst.“ ## In Marbach geht es "bergauf" Auch bei BMK Müller in Marbach, geht es laut Geschäftsführerin Michaela Müller wieder bergauf. "Wir hatten in den vergangenen eineinhalb Monaten einige Unwegbarkeiten zu bewältigen, weil die Schadensteuerer uns deutlich weniger Schäden vermittelt haben“, blickt sie auf den April und den Mai zurück. Dafür hätten sie und ihr Team jedoch vermehrt Privatkunden angesprochen. Und auch durch ihre Teilnahme bei der Hilfsaktion „Marbach handelt“ habe der K&L-Betrieb noch einmal an Bekanntheit dazu gewonnen: Für unaufschiebbare Fahrten, beispielsweise für Senioren zum Arzt, habe sie in der Krisenzeit ein Hilfsfahrzeug zur Verfügung gestellt. „Die Leute denken heute auch regionaler“, hat Michaela Müller einen Effekt der Corona-Krise beobachtet. ## In Brehna ist der Alltag eingekehrt „Wir sind mit unserer Werkstatt wieder völlig normal unterwegs, der Alltag hat uns wieder“, berichtet Florian Weber. Seine Mitarbeiter arbeiten in gewohnter Vollzeit, die Auslastung bezeichnet er als gut. Der Inhaber eines K&L-Betriebs in Brehna bei Leipzig räumt ein, dass sich die Folgen des Lockdowns für den Betrieb in Grenzen gehalten haben. Den Umsatzrückgang schätzt er auf lediglich 10 bis 15 Prozent. „Erstaunlicherweise hatten wir kaum Einbußen durch die Schadenvermittlung“, erklärt Florian Weber. Zudem sei der neu fertiggestellte Mechanik-Bereich insbesondere von Privatkunden auch in der Krisenzeit stark angenommen worden. ## Durchwachsene Lage in der Hauptstadt André Hoffmann, Betriebsinhaber aus Berlin, beschreibt die Lage als durchwachsen. „Wir haben nicht mehr so viel Auslastung wie vor Corona, und auch nicht mehr den Vorlauf – aber das hat auch Vorteile.“ So habe er die den Lockdown genutzt, um große Teile des Betriebs weiter umzustrukturieren: Wir setzen stärker denn je auf Digitalisierung und Kundenservice. So können Kunden nun Ihre Fahrzeugdaten mit Fotos direkt an uns schicken. Auch die digitale Reparaturfortschrittsanzeige ist neu, schafft Transparenz und wird vom Kunden sehr gut angenommen. Apropos Kunde: „Wir haben versucht, unsere Abläufe noch näher an den Wünschen des Kunden zu orientieren und dennoch den persönlichen Kontakt so gut es geht zu vermeiden", berichtet der Inhaber. Im April verzeichnete André Hoffmann einen Umsatzverlust von
rund 50.000 Euro, für Mai erwartet er bessere Zahlen. Drei Wochen lang war die Lackierabteilung geschlossen, zwei Wochen lang die Karosserieabteilung. In dieser Zeit habe er Aufträge gesammelt. "Die Abläufe sind nun deutlich entspannter und deutlich ruhiger, bei gleichbleibendem Volumen.“ ## Entspannung im Norden Auch bei der Restemeier GmbH in Osnabrück hat sich die Lage nach Aussage von Geschäftsführer Sven Aßmann entspannt. „Natürlich ist ein gewisser Umsatzrückgang spürbar, dennoch haben wir die Corona-Krise bisher gut überstanden. Hier muss man aber auch mit erwähnen, dass Osnabrück mit derzeit 25 Fällen nicht so stark betroffen war, wie andere Regionen.“ Die bereits im März getroffenen Hygienemaßnahmen, zu denen auch ein verstärkter Hol- und Bringservice zählt, werden allerdings nach wie vor aufrecht erhalten, betont Sven Aßmann. Die corona-bedingt eingeführte Schichtarbeit konnte unterdessen beendet werden. „Wir arbeiten wieder im Normalbetrieb, vereinzelt sind Mitarbeiter noch in Kurzarbeit“, erklärt der Geschäftsführer. Sofern es nicht zu einer zweiten Corona-Welle kommt und die bisherigen Lockerungen in Deutschland bestehen bleiben, rechnet Sven Aßmann damit, dass die Restemeier GmbH nach den Sommerferien wieder auf Vorjahresniveau arbeitet. ## "Wir haben auch in Corona-Zeiten unser Soll erfüllt" Einen deutlichen Unterschied zwischen vermittelter Unfallschadenreparatur und Smart Repair-Endkundengeschäft in der Krise beobachtet Ulrich Schröder: Während in seinem Smart-Repair Betrieb in Münster der Laden brummt und es auch durch Corona kaum Einbußen gab, sei das gesteuerte Geschäft im K&L-Betrieb in Telgte, den er gemeinsam mit seiner Frau führt, um rund 50 Prozent zurückgegangen, die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. "Für den Betrieb in Münster wäre es hingegen undenkbar gewesen, das Personal zurückzufahren", berichtet Ulrich Schröder. Inzwischen nehmen seinen Angaben zufolge in Telgte die Vermittlungen durch die Schadensteuererer langsam wieder zu. Zudem profitiere der Unfall-Instandsetzungsbetrieb von Aufträgen zur Wiederaufbereitung von Leasingrückläufern im Münsteraner Betrieb. Für die Kleinschadenreparaturwerkstatt sei der Kundenzulauf überhaupt seit drei Jahren ungebrochen. "In Münster haben wir unser Soll auch in Corona-Zeiten erfüllt", erklärt Ulrich Schröder abschließend.
Ina Otto