2020-05-27T11:16:46+0000

Corona-Maßnahmen: Wer zahlt, wer zahlt nicht?

Nach der [Berichterstattung über die Kürzungen von Corona-Maßnahmen durch Control Expert und Allianz Versicherung](https://www.schaden.news/de/article/link/41680/rechnungskuerzung-allianz-corona-schutzma-nahmen), rückt nun der generelle Umgang der Versicherungswirtschaft mit dem Zusatzaufwand der Werkstätten während der Pandemie in den Mittelpunkt der Branche. Schaden.news hat bei verschiedenen Kfz-Versicherern nachgefragt, ob sie die Mehrkosten bezahlen. ## Provinzial Rheinland: Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen notwendig Bernd Wirtz antwortete sehr schnell auf die Anfrage der Redaktion. Der Abteilungsleiter Kraftschaden bei der Provinzial Versicherung Rheinland meint: „Über die Notwendigkeit von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen wird man in der aktuellen Zeit nicht wirklich streiten können.“ Der coronabedingte Mehraufwand für Schutz- und Vorsorgemaßnahmen würde sich jedoch aus seiner Sicht in Grenzen halten. „Wir waren einer der ersten Versicherer im Markt, die von den Werkstätten geltend gemachte Zusatzaufwände akzeptiert haben und noch akzeptieren; bei uns sind diese Leistungen in unsere Standardprozesse integriert“, heißt es in Düsseldorf. „Dabei sind wir von Anfang an davon ausgegangen, dass sich diese Zusatzleistungen dem zusätzlichen Aufwand entsprechend im Rahmen halten, dies unabhängig davon, ob eine Werkstatt pauschal oder nach Aufwand abrechnet.“ Auf die Nachfrage, ob Leistungen bei der Provinzial Rheinland gekürzt werden, erklärt Bernd Wirtz: „Kürzungen von coronabedingten Mehraufwänden sollte es bei uns grundsätzlich nicht geben, allerdings will ich dies auch nicht ausschließen, wenn nämlich der geltend gemachte Mehraufwand insbesondere hinsichtlich Art und Umfang nicht nachzuvollziehen ist.“ ## Innovation Group: 34 Kfz-Versicherer erstatten 30 Minuten Mehraufwand Anfang April informierte der Schadensteuerer Innovation Group seine Kooperationsbetriebe, dass im gesteuerten Schadenfall der zusätzliche Aufwand für die Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen pauschal mit 30 Minuten erstattet wird. Auf einer der Redaktion vorliegenden Auflistung stehen 34 namhafte Kfz-Versicherer. Darunter die Axa Versicherung, Basler, Deutsche Post, ERGO, R+V Gruppe, WWK und weitere Assekuranzen. Ob diese Pauschale jedoch ausreicht, um die tatsächlichen Zusatzkosten der Partnerwerkstätten abzudecken, steht auf einem anderen Blatt. Die zusätzliche Arbeitszeit wird von Innovation Group vorerst noch bis Ende Juni gewährt. Unter den Kfz-Versicherern, die ihre Schäden über Stuttgart steuern lassen, wird derzeit eine weitere Verlängerung diskutiert. ## DEVK: Corona-Maßnahmen in Stundensatz einpreisen? Zurückhaltender ist der Kfz-Versicherer DEVK. Dort heißt es auf Anfrage von schaden.news: „Ob zusätzliche Reinigungsmaßnahmen medizinisch notwendig und vor allem auch wirksam sind, können wir natürlich nicht beurteilen. Aber unter dem Gesichtspunkt von Kundenbindung und -wertschätzung halten wir sie durchaus für sinnvoll.“ In Köln vertritt man jedoch die Meinung: „Unabhängig von Corona gehören Sitz-, Fußmatten- und Lenkradschutz zu den standardmäßigen Hygienemaßnahmen der Werkstätten.“ Bei äußerlichen Arbeiten am Fahrzeug dürften deshalb nach Ansicht der DEVK zusätzliche Maßnahmen für Reinigung und Desinfektion kaum nötig sein. „So ist
fraglich, ob bei Unfallarbeiten umfangreiche weitere Maßnahmen anfallen. Eher stellt sich die Frage nach einer notwendigen Reinigung bei Service- und Wartungsarbeiten im Wageninnern“, erklärt Peter Boecker, Leiter der DEVK-Hauptabteilung Sach/HUK-Schaden und fügt hinzu: „Aus unserer Sicht sind diese Kosten den Gemeinkosten der Betriebe zuzurechnen. So bewerten wir zumindest die Rechtsprechung zu Reinigungskosten aus der Vor-Corona-Zeit.“ Auf Nachfrage, wie der Kfz-Versicherer mit der Anpassung der Stundensätze aufgrund einer Neukalkulation des Corona-Mehraufwandes umgehen würde, heißt es bei der DEVK: „Inwieweit es sinnvoll ist, den Stundenverrechnungssatz auch bei temporär höheren Gemeinkosten anzupassen, bleibt letztlich eine Entscheidung des einzelnen Unternehmers. Neben der reinen Kostenkalkulation sind bei Preisen ja bekanntlich viele weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen wie die Wettbewerbssituation.“ Die Kölner signalisieren gegenüber schaden.news jedoch Gesprächsbereitschaft: „Wir arbeiten offen und partnerschaftlich mit unseren Werkstätten zusammen und sind dabei weiterhin immer offen für nachvollziehbare Argumente – auch wenn noch keine neue betriebswirtschaftliche Kalkulation vorliegt.“ ## LVM Versicherung lässt Corona-Schutzmaßnahmen von Control Expert streichen Anders als die Allianz und LVM Versicherung haben Provinzial Rheinland und DEVK keine Prüfdienstleister beauftragt, um Corona-Schutzmaßnahmen von Control Expert aus Werkstattrechnungen kürzen zu lassen. Der Redaktion liegt ein Bericht des Langenfelder Prüfdienstleisters vor, den Control Expert für den Münsteraner Kfz-Versicherer LVM erstellt hat. Hier werden Corona-Schutzmaßnahmen in Höhe von 50,25 Euro gekürzt. Nach mehrfacher Anfrage der Redaktion äußerte sich die LVM Versicherung wie folgt: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns u. a. aufgrund von wettbewerbsrechtlichen Bedenken nicht zu unserem individuellen Regulierungsverhalten in Kraftfahrtschäden äußern und deshalb auch keine Stellung zu etwaigen Inhalten oder Absprachen mit Dienstleistern beziehen. Hier sehen wir uns auch zur Verschwiegenheit unseren Vertragspartnern gegenüber verpflichtet." Damit bestätigt die LVM Versicherung indirekt die Zusammenarbeit mit Control Expert. ## HUK-Coburg verlängert Corona-Maßnahmen bis Ende Juni Als einer der ersten Kfz-Versicherer hatte die HUK-Coburg ihre Partnerwerkstätten Ende März schnell mit [einzelnen Maßnahmen während der Anfangsphase der Corona-Krise](https://www.schaden.news/de/article/link/41558/corona-krise-schadenbranche-startet-hilfsmassnahmen) unterstützt. [In einem zweiten Maßnahmenpaket wurde diese Unterstützung dann Anfang April weiter ausgebaut.](https://schaden.news/de/article/link/41592/huk-coburg-erweitert-corona-massnahmen-fuer-partnerwerkstaetten) Auch auf Kritik aus Reihen der Partnerwerkstätten wurde in Coburg direkt reagiert. Als Fragen aufkamen, warum der Kfz-Versicherer den Mehraufwand für Reinigung und Desinfektion nicht erstattet, wurde [Anfang Mai ein drittes Paket aufgelegt](https://www.schaden.news/de/article/link/41666/huk-coburg-zahlt-erstmals-corona-pauschale). Hier war dann auch eine Corona-Pauschale von bis zu 45 Euro pro Schadenfall enthalten. Auf Nachfrage von schaden.news erklärte die HUK-Coburg nun, dass alle Maßnahmen bis zum 30. Juni 2020 verlängert werden. ## 22 Millionen Euro an Reparaturkostenvorschuss ausgezahlt Aus Coburg gab es keine Angaben, wie häufig die Corona-Pauschale bisher ausgezahlt wurde. Gegenüber schaden.news nannte der Kfz-Versicherer dennoch konkrete Fakten. „Inzwischen wurden seit dem 24.03.2020 rund 22 Mio. Euro an Vorschüssen in knapp 20.000 Schadenfällen ausgezahlt“, hieß es aus der Unternehmenszentrale.