2020-01-29T14:38:59+0000

Deutscher Lackierertag: Besucherstark, inhaltsstark, familiär

Mit mehr als 300 Teilnehmern war der Deutsche Lackierertag schon allein zahlenmäßig eine starke Veranstaltung. Mit dem Betrieb EHH - Auto-, Karosserie- & Lackierzentrum in Ludwigsfelde hatten die Veranstalter, die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL) und den Lackhersteller PPG, einen Top-Austragungsort gefunden: Die Werkstatt befindet sich in der Halle eines ehemaligen Baumarkts. Wo früher die Pflanzenabteilung war, ist heute die Direktannahme. Inhaber Hasan Hüseyin Eren erwies sich als aufmerksamer und hochmotivierter Gastgeber. Das bewies er nicht zuletzt am Freitagabend, als er auf seinem Betriebshof 80 Kilogramm Lammfleisch für die Gäste grillte. Inhaltlich setzten die Veranstalter, die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer und die Lackmarke PPG, den Fokus auf die Themen Digitalisierung und Fachkräfte. Zur Gewinnung und Motivation junger Fachkräfte [diskutierte am zweiten Veranstaltungstag schaden.news-Chefredakteur Christian Simmert mit Betriebsinhabern, Fahrzeuglackierern und Experten. ](https://schaden.news/de/article/link/41453/deutscher-lackierertag-2020-diskussionsrunde ) ## Top-Thema: Digitalisierung Dass das Thema Digitalisierung auch beim Autofahrer angekommen ist, war eines der Fazits von Dr. Martin Endlein, der in Ludwigsfelde die wichtigsten Fakten aus dem aktuellen DAT-Report präsentierte. [Dieser wurde erst einen Tag zuvor in Berlin der Branchenöffentlichkeit vorgestellt.](https://schaden.news/de/article/link/41443/dat-report-2020-interview-martin-endlein) Wie Werkstätten und Autohäuser mit digitalen Lösungen zur Kundenkommunikation umgehen, erfuhren die Teilnehmer des Deutschen Lackierertages von Ellen Schmidt vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Sie gab Einblicke in die Digitalisierungsumfrage des Verbandes aus dem Jahr 2019. Demnach sei der Großteil der Betriebe bereits über Webseiten oder Social Media-Kanäle vernetzt, aber es hapere an der regelmäßigen Aktualisierung des Auftrittes. Darüber hinaus wies Ellen Schmidt darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Befragten nur auf schlechtes oder geradeso ausreichendes Internet zurückgreifen könne. ## Vernetzte Effizienz Konkrete Lösungsvorschläge für eine vernetzte Werkstatt kamen von Lars Worring, Customer Process Manager bei PPG. Der Digitalisierungsexperte zeigte am Beispiel der Werkstattabläufe, wie sich durch die richtige Ausrüstung Prozesse verschlanken lassen, angefangen beim Farbtonmanagement – durch das digitale Farbtonmessgerät Rapid Match Go und der Farbtondatenbank EasyColour – über das Lagerverwaltungsprogramm Easy Store. Zudem sei auch das Online-Training Teil der Digitalisierungsstrategie bei PPG.
Wichtig sei, das große Bild der Werkstatt zu betrachten und alle Prozesse digital zu erfassen. Unterstützung biete PPG in dieser Hinsicht durch den Process Manager, die digitale Lösung zur Werkstattplanung, die unter anderem die Auftragsannahme, Terminvergabe, sowie Kapazitäten- und Auslastungsübersicht und Reparaturstand digital abbildet. Auch die halbautomatische Mischbank Moonwalk, im vergangenen Jahr neu vorgestellt, soll für schnellere Prozesse beim Lackierprozess sorgen – über die Funktionsweise des Farbmischsystems konnten sich die Teilnehmer des Deutschen Lackierertags vor Ort am Gerät selbst informieren. ## Investitionen und Innovationen in der Werkstatt „Investitionen in Betrieben steigert zum einen den Innovationsgrad, zum anderen den Digitalisierungsgrad“, erklärte Unternehmensberaterin Tanja Ebbing in ihrem Vortrag, betonte jedoch, dass Standardsoftware von einer Förderung ausgenommen ist! Doch welche Unterstützung erhält der Betriebsinhaber überhaupt, wenn er in neue, digitale Technik investieren möchte? Über die Fördermöglichkeiten gab Tanja Ebbing einen Überblick. Sie stellte klar, dass die Möglichkeiten, Förderungen in Anspruch zu nehmen, von Region zu Region unterschiedlich sind. Wichtig sei, die Förderung immer vor der Bestellung oder Beauftragung zu beantragen. Die Unternehmensberaterin hat ein Tool entwickelt, um den Digitalisierungsgrad im eigenen Unternehmen zu analysieren und herauszufinden, welche Fördermittel sie in Anspruch nehmen können. Im Anschluss gab Uwe Schmortte, Leiter von IcamSystems GmbH, einen Ausblick, wie Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung die Schadensteuerung verändern werden. Mit Claims Guard hat das Unternehmen aus Leipzig ein Tool entwickelt, das ein virtuelles Schadenbild auf den Fahrzeugschaden projiziert und mit dem tatsächlichen Schaden abgleicht. Uwe Schmorrte räumte jedoch ein, dass nach wie vor der Fachmann nötig ist, um Schäden und ihren Reparaturbedarf richtig einzuschätzen. ## Gemeinsame Sache, gemeinsame Ziele Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem Schulterschluss: Paul Kehle, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer, Jan Bauer, Präsident des Bundesverbands Farbe, Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Farbe, Gestaltung und Bautenschutz sowie ZKF-Präsident Peter Börner zeigten sich den Teilnehmern gegenüber geschlossen. So kündigten die Verbände an, gerade im Bereich Fachkräftegewinnung zukünftig noch näher zusammenzuarbeiten. Dass dies ein wichtiger Schritt sei, um auch in Zukunft qualifizierte Mitarbeiter für das Handwerk zu gewinnen, bekräftigte Jan Bauer. ZKF-Präsident Peter Börner, ging in seinen
Grußworten zudem noch auf das Thema Verwandtschaftserklärung der einzelnen Auto-Berufe ein. Er bekräftigte, dass eine Abgrenzung der einzelnen Fachgebiete an erster Stelle stehen müsse, um auf organisatorischer Eben enger zusammenarbeiten zu können. ## Rechnungskürzungen nicht einfach hinnehmen Peter Börner bezog im Anschluss auch noch zum Thema Rechnungskürzungen Position: „Wer Standardantworten nutzt und den Reparaturprozess lückenlos dokumentiert, wird nach wenigen Wochen kein Problem mehr mit Rechnungskürzungen haben.“ Der ZKF-Präsident ermutigte Betriebe, Versicherern daher strategisch zu antworten und beharrlich gegen die Kürzungen vorzugehen. Dieses Vorgehen bestätigte auch Rechtsanwalt Patrik Stach von der ETL Kanzlei Voigt, der betonte, dass es sich bei den Reparaturarbeiten um einen Werksvertrag handelt. Das Werk muss vollständig und fachgerecht erbracht, aber eben auch vollständig bezahlt bzw. reguliert werden. „Der technische Wandel ändert an dieser Sache nichts“, betonte der Experte. ## Augmented Reality für Ausbildungszwecke nutzen Um das Thema Personalführung ging es bei Andreas Keller. Dieser erklärte am Beispiel der Hotelkette Upstalsboom, wie sich gute Personalführung auf den Erfolg eines Unternehmens auswirkt. Den Abschluss des Lackierertags bildete das das virtuelle Lackieren: Mit Augmented Reality, also komplett ohne Lackmaterialverbrauch, funktioniert das Lackiertrainingsmodul von Feynsinn. Während der beiden Veranstaltungstage konnten die Besucher das Konzept in einer Lackierkabine selbst ausprobieren. Und so manch ein Betriebsinhaber fasste bei dieser Gelegenheit den Entschluss, sich das System für Ausbildungsmessen auszuleihen – um mit Digitalen Tools junge Menschen für das Berufsbild des Fahrzeuglackierers zu begeistern – und so für die Zukunft neue Fachkräfte zu gewinnen.
Ina Otto