2019-10-01T12:39:48+0000

DAT will Digitalisierung nicht Prüfdienstleistern überlassen

Erkennen von Schadenumfängen durch Bildanalyse mit Hilfe künstlicher Intelligenz, Verknüpfung der Bilderkennung mit der DAT-Reparaturkostenkalkulation, automatisierte Differenzierung von Oberflächen- und Strukturschäden – die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) forciert die Digitalisierung in der Unfallreparaturbranche. Das Ziel sei die Verschlankung der Prozesse bei Werkstätten, Sachverständigen und Versicherungen, kündigte das Unternehmen beim Bundestag des Kfz-Gewerbes in Berlin an. Die neue Strategie ist auch eine Kampfansage an Prüfdienstleister, die den Einsatz künstlicher Intelligenz, wie die Bilderkennung als Geschäftsfeld für sich entdeckt haben. ## Wirtschaftliche Nachteile verhindern Bisher sind es vor allem Prüfdienstleister wie Control Expert, EUCON oder IcamSystems, aber auch Audatex AUTOonline, die den Einsatz künstlicher Intelligenz im Schadenmarkt forcieren. Oft stand dabei bisher vor allem die Prozess- und Rechnungsoptimierung für Kfz-Versicherer und eine schnelle, kostengünstige fiktive Abrechnung im Mittelpunkt. Das soll bei der DAT anders sein. „Für die DAT als zukunftsweisendes Unternehmen ist es nicht nur wichtig, dass wir uns mit künstlicher Intelligenz beschäftigen“, erklärt Helmut Eifert, DAT-Geschäftsführer. „Mit Blick auf unsere Stellung als neutrale Dateninstanz der automobilen Wirtschaft ist es für uns quasi ein logischer Schritt, die praktischen Vorteile solcher Technologien für unsere Kunden herauszuarbeiten und in unserer Produktlinie SilverDAT anzubieten.“ Dann wird der Geschäftsführer deutlich: „Gleichzeitig gilt es zu verhindern, dass sich weniger neutrale Unternehmen über diese Technologie im Markt als Kalkulationsanbieter präsentieren und es damit zu wirtschaftlichen Nachteilen für die Prozessbeteiligten im Schadenmanagement kommt. Dies gilt insbesondere für die Kfz-
Betriebe.“ Damit stellt sich DAT auf die Seite der Werkstätten. Helmut Eifert stellt aber auch klar: „Selbstverständlich kommen die Werkstätten ebenso wenig wie Sachverständige und Versicherungen umhin, ihre digitalen Prozesse weiterzuentwickeln und auf neue Technologien, wie die künstliche Intelligenz für Bilderkennung und Schadenkalkulation von der DAT, zu setzen.“ ## Keine Lösung für Schäden an der Karosseriestruktur Die DAT testet derzeit mit diversen Kunden intensiv KI-gestützte Technologien zur Bildanalyse, mit deren Hilfe Fahrzeuge, Karosserieteile und Schäden mit unterschiedlichen Schweregraden erkannt und in Verbindung mit dem SilverDAT Module „FastTrackAI“ automatisiert kalkuliert werden können. Die Bilderkennung ist dabei Ausgangspunkt eines digitalen Prozesses, der am Ende zu einem qualifizierten Kostenvoranschlag oder Gutachten mit belastbaren Schadenkosten führt. Die Technologie habe aber auch noch Grenzen, insbesondere bei der Kalkulation von Strukturschäden, heißt es in Ostfildern. Hier sei der geschulte und „analoge“ Blick eines Sachverständigen immer noch verlässlicher als die Modelle der künstlichen Intelligenz. Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung stellt fest: „Es ist völlig klar, dass die Lösung nicht für Schäden eingesetzt werden kann, bei denen die Karosseriestruktur z.B. an A-Säulen, Längsträgern usw. betroffen ist. Bei diesen Fällen ist nach wie vor die Inaugenscheinnahme, am besten durch einen Kfz-Sachverständigen, erforderlich.“ Er warnt jedoch auch: „Dies sollte die Branche aber nicht davon abhalten, die KI-Technik in absehbarer Zeit zumindest für Schäden zu nutzen, für die eine schnelle Abwicklung in Frage kommt.“
Christian Simmert