2019-06-12T12:56:56+0000

So kämpft ein Lackierermeister gegen den Fachkräftemangel

Frühjahr 2019: Der Konjunkturmotor des Handwerks läuft auf Hochtouren. Und der Boom wird sich im Jahresverlauf fortsetzen, nahezu ungebremst, prognostiziert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Um von diesem Hoch zu profitieren, wollen viele Betriebe ihr Personal aufstocken. Sie finden aber oftmals keine geeigneten Mitarbeiter – Stichwort Fachkräftemangel. Einer der Gründe: Eine Ausbildung scheint out zu sein, Studieren in. Ein gesellschaftlicher Trend, dem der ZDH entgegenwirken möchte. „Mit Akademikern allein werden wir die Zukunft unseres Landes nicht bauen können“, ist ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke überzeugt. „Zur Bildungswende muss gehören, Jugendliche frühzeitig an das Handwerk heranzuführen und sie über Karriere- und Verdienstmöglichkeiten aufzuklären. Wir fordern eine verpflichtende Berufsorientierung.“ ## „Ich möchte Schüler aktiv arbeiten sehen“ Hubert Falk geht in puncto Berufsorientierung mit gutem Beispiel voran. Der Lackierermeister aus Haslach, das zwischen Offenburg und Freiburg liegt, veranstaltet regelmäßig Projekttage in seiner Lackiererei in Kooperation mit Schulen aus dem Umkreis. „Ich nehme jedes Jahr
mindestens einen Schüler in meinen Betrieb auf“, erklärt Hubert Falk. Eine Woche lang arbeiten die Jugendlichen bei ihm. Diese Schnupperpraktika seien noch effektiver[ als die Girls‘Days](https://schaden.news/de/article/link/40965/girls-day-vorankuendigung), ein Berufsorientierungsangebot, das sich nur über wenige Stunden erstreckt. „Ich möchte die Schüler aktiv arbeiten sehen, handwerkliche Fähigkeiten erkennen und sie eine Woche lang bei ihrer Arbeit begleiten.“ Dabei achtet Hubert Falk aber nicht nur auf das Geschick seiner Zöglinge. Wichtig seien auch das Verhalten in der Gruppe sowie Pünktlichkeit und Sauberkeit am Arbeitsplatz. Soft-Skills also, die in der Arbeitswelt entscheidend sind. ## Airbrush steht bei Jugendlichen hoch im Kurs Hubert Falk ist überzeugt: Die Ausbildung zum Lackierer ist heutzutage gleichermaßen etwas für Jungen und Mädchen. Allerdings seien unterschiedliche Interessen erkennbar. Jungen begeistern sich fürs Autolackieren. Hubert Falk steht ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite. „Ich selbst betreue die Jugendlichen bei Schleifarbeiten an ausgebeulten Fahrzeugteilen, gebrauchten Spoilern und Felgen," unterstreicht Hubert Falk. Und Mädchen? Die interessieren sich besonders für Design. Nach einer Materialschulung lackieren sie unter anderem beschichtete Kartonagen und T-Shirts mit eigenen Motiven.
Auch Airbrush steht bei Jugendlichen hoch im Kurs. Der Lackierermeister bietet deswegen neben den Projekttagen in Schulen Airbrushkurse an – die Kosten übernehmen die Schulen. „Der Zuspruch ist jedes Mal gigantisch, muss aber leider auf acht Schüler beschränkt werden, da ansonsten keine optimale Schulung gewährleistet ist.“ Hubert Falk ist davon überzeugt, dass er mit seinem Engagement auf dem richtigen Weg ist und will auch andere Betriebsinhaber zu ähnlichen Aktionen motivieren: "Diese von den Schulen angebotenen Projekttage geben uns eine einmalige Chance, junge Menschen an Berufe heranzuführen und sie dafür zu interessieren. Abwechslungsreiches Programm, beste fachliche Betreuung während dieser Tage oder einfaches Mitarbeiten in verschiedenen Produktionsbereichen sind Grundsteine dieser Projekttage, welche sich innerhalb verschiedener Schülergruppen sehr positiv auswirken können und positiv im Gedächtnis bleiben." Sein Rat an andere Unternehmer lautet: "Lassen Sie diese Möglichkeit nicht ungenutzt vorübergehen, sondern bemühen sie sich, mit Engagement und Elan Ihren Projektschülern auch die Besonderheiten nahezubringen, die Attraktivität des jeweiligen Berufes hervorzuheben und die jungen Menschen dafür zu begeistern."
Patrick Schröder
Lesens Wert

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