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2017-05-08T12:38:53+0000
# Einige kürzen, zum Nachteil aller _Gastkommentar von Robert Paintinger, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Partnerwerkstätten (BVdP)_ ## Vorweg gestellt: ich finde es bemerkenswert, wie viele Betriebe sich an der Umfrage von colornews.de beteiligt haben. Offensichtlich sind Rechnungskürzungen in der Branche tatsächlich ein Riesenthema. Das verwundert auch nicht, denn wenn 91 Prozent der Betriebe bereits betroffen waren, dann scheinen die Kürzungen auf den ersten Blick systematisch und auf breiter Ebene vorgenommen zu werden. ## Ist die Unruhe im Markt übertrieben? Doch schauen wir uns die Zahlen mal etwas genauer an. Ich komme im Schnitt auf ungefähr 150 Euro Kürzung pro Rechnung und etwa 2.900 Euro pro Betrieb. Insgesamt dürften also knapp 20 Rechnungen im Schnitt pro Jahr bei jedem Betrieb gekürzt worden sein. Ein durchschnittlicher Betrieb wird rund 1.000 Rechnungen im Jahr schreiben. Wir sprechen demnach von einer enorm niedrigen Quote von gerade einmal zwei Prozent gekürzten Rechnungen. Eigentlich ist das doch viel zu wenig, um eine solche Unruhe im Markt hervorzurufen, oder? Noch dazu, weil aus der Umfrage gar nicht hervorgeht, ob die Kürzungen denn berechtigt waren oder nicht, und doch eigentlich nur die nicht berechtigten Ärger verursachen dürften.
## Die meisten Versicherer sind fair Ich stelle folgende – zugegebenermaßen teils auf meiner eigenen Einschätzung basierende – Hypothese auf: Die allermeisten Versicherungen arbeiten korrekt. Nur einige wenige Versicherer kürzen systematisch nach fachlich und juristisch zweifelhaften Regelwerken. ## Wie begründe ich diese These? Nun, ziemlich sicher arbeiten die allermeisten an der Umfrage teilnehmenden Betriebe auch mit Schadensteuerern zusammen. Aus den Ergebnissen von QualiCar wissen wir sehr genau, dass, wenn es denn überhaupt Probleme mit Kürzungen gibt, diese nicht erst bei der Rechnungsstellung auftauchen, sondern bereits bei der Freigabe der Kostenvoranschläge gelöst werden. Wir können unseren eigenen Daten auch entnehmen, dass diese Probleme bei Freigaben im Laufe der letzten zwei Jahre immer geringer geworden sind. Wenn man davon ausgeht, dass ein durchschnittlicher Betrieb die Hälfte seines Geschäftes aus ungesteuerten Schäden erzielt und dabei auch noch berücksichtigt, dass der verbleibende Rest ja nicht alles Versicherungsschäden sind, für diese also rund ein Drittel ansetzt, kommt man auf ungefähr 150 ungesteuerte, aber über eine Versicherung abgewickelte Schäden im Jahr pro Betrieb. Das ergäbe dann schon eine Kürzungsquote von knapp 15 Prozent! ## Es sind immer die gleichen – nach dem Motto „probieren kann man‘s ja mal“ Leider geht aus der Abfrage nicht hervor, welche Versicherungen gekürzt haben und welche Positionen gekürzt wurden. Ich hoffe, das wird noch genauer nachgefragt werden. Aber wer
sein Ohr am Markt hat, der weiß genau: Es werden fast immer die gleichen Versicherer, Prüfdienstleister und Streichpositionen genannt. Wenn 53 Prozent der Fälle ohne Anwalt vom Tisch gebracht werden können und ein Anruf bei der Versicherung genügt, damit der Betrieb dann sein Geld doch bekommt, dann hat das schon was von „probieren kann man es ja mal…“. ## Wenn sich bewahrheiten würde, dass einige wenige Versicherer genauso vorgehen, um sich letztlich einen Vorteil zu verschaffen, hätten diese der ganzen Branche einen Bärendienst erwiesen. Weder die anderen Versicherer noch die Werkstätten dürfen sich das gefallen lassen. ## „Auf Versichererseite ist der Schaden viel größer“ Auf der Werkstattseite verursachen unberechtigte Rechnungskürzungen für uns Betriebe unnötige und nervige Zusatzarbeit. Aber auf Versichererseite ist der Schaden noch viel größer. Erstens verschaffen sich die „Schwarzen Schafe“ mit zweifelhaften Methoden Kostenvorteile gegenüber ihren sauber arbeitenden Mitbewerbern. Noch schlimmer ist aber der Schaden, den der Ruf der gesamten Versicherungsbranche nimmt. Und das haben diejenigen Versicherungen, die seit Jahrzehnten fair und vertrauensvoll mit uns Werkstätten zusammenarbeiten, schlichtweg nicht verdient.
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