2026-04-15T12:33:08+0000

Frauen im Handwerk: „Ich empfinde es als große Ehre, den Betrieb irgendwann weiterführen zu dürfen“

Es riecht nach Lack, nach Lösungsmitteln und ein bisschen auch nach Kindheit. Für Nina Punessen ist die Autolackiererei kein fremder Ort – sie ist ein Stück zuhause. Die 21-Jährige steht kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin und hat längst eine Entscheidung getroffen, die ihren weiteren Weg prägen wird: Im Januar 2027 beginnt sie ihren Meister in Vollzeit – um irgendwann einmal den gleichnamigen Familienbetrieb im rheinland-pfälzischen Konz zu übernehmen. Dabei war ihr Weg alles andere als vorgezeichnet. „Ich bin zwar im Betrieb groß geworden, aber es war nicht automatisch mein Wunsch, hier zu arbeiten“, erzählt sie im Gespräch mit schaden.news. Auch ihre Eltern, die die Autolackiererei Punessen in zweiter Generation führen, hätten sie und ihre Schwester nie gedrängt, einzusteigen. Im Gegenteil: „Sie wollten immer, dass wir uns frei entwickeln – auch beruflich.“ ## Endlich machen statt nur zuhören Ganz losgelöst vom Betrieb war Nina allerdings nie. Zu viele Erinnerungen verbinden sie mit der Werkstatt: „Wir haben als Kinder viel Zeit hier verbracht, besonders in der Reifenwechselsaison auch mitgeholfen, uns Nagellack zusammengemischt oder auch mal Quatsch gemacht.“ Die Nähe zum Handwerk war immer schon da – auch wenn der Berufswunsch erst später konkret wurde. „Fest stand für mich eigentlich nur, dass ein Studium nicht infrage kommt. Ich wollte produktiv sein, etwas mit den Händen schaffen“, erklärt die angehende Fahrzeuglackiererin. Ausschlaggebend war schließlich die Kombination aus Kreativität und praktischem Arbeiten. „Das hat mich überzeugt.“ Mit Beginn der Ausbildung merkte Nina schnell: Das passt. Mehr noch – sie blühte regelrecht auf. Die Umstellung vom Schulalltag zum Arbeitsleben fühlte sich für sie wie ein Befreiungsschlag an. „Dieses Rumsitzen, zuhören und auswendig lernen – das war nie meine Welt.“ Im Betrieb hingegen zählt das Tun. Anpacken. Ergebnisse sehen. „Am Ende des Tages weiß ich, was ich geschafft habe. Das erfüllt mich“, betont die 21-Jährige lächelnd. ## „Großes Geschenk, den Familienbetrieb irgendwann weiterzuführen“ Mit jedem Arbeitstag wuchs nicht nur ihre Begeisterung für den Beruf, sondern auch ein neuer Gedanke: die Zukunft im und mit dem eigenen Betrieb. „Während der Ausbildung ist der Wunsch entstanden, den Betrieb irgendwann weiterzuführen.“ Die Weiterbildung zur Fahrzeuglackierermeisterin ist für Nina deshalb der nächste logische Schritt. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung. Und mehr noch: „Ich sehe das als großes Geschenk und bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekomme, den Familienbetrieb irgendwann weiterzuführen.“ Ein festes Übergabedatum gibt es nicht. Ihr Vater Frank Punessen ist 55 Jahre alt, steht
mitten im Berufsleben. Die junge Frau will sich zunächst auf ihre Abschlüsse konzentrieren. „Wir lassen uns Zeit und gehen das Schritt für Schritt an.“ Die Autolackiererei Punessen ist ein klassischer Familienbetrieb in zweiter Generation – und gleichzeitig ein Unternehmen mit klarer Haltung. Zwölf Mitarbeitende, moderne Ausstattung mit Hebebühnen, Richtplatz und Lackierkabine, gearbeitet wird unter anderem mit Materialien von Mipa und Spies Hecker. Eine neue Lackierkabine ist aktuell in Planung. Auffällig: Der Betrieb verzichtet komplett auf gesteuerte Schäden und ist kein Versicherungspartner. Stattdessen setzt man auf einen eigenen Kundenstamm – und genau der soll auch in Zukunft erhalten bleiben. „Das wird wichtig sein“, sagt Nina mit Blick auf die spätere Übernahme. Gleichzeitig weiß sie: Stillstand ist keine Option. „Man muss mit der Zeit gehen und offen für Veränderungen bleiben.“ ## „Warum hast du nicht studiert?“ – mit Vorurteilen aufräumen Angst oder Zweifel angesichts der großen Verantwortung, die da vor ihr liegt, hat Nina Punessen nicht. „Das Team kennt mich seit vielen Jahren und da ich auch meine Ausbildung hier gemacht habe, kennen sie auch meine Arbeitsweise, meine Entwicklung. Ich wiederum kenne alle Abläufe und Prozesse – das ist enorm wichtig und ein großer Vorteil.“ Während sie im Betrieb längst angekommen ist, erlebt Nina außerhalb immer wieder Irritationen. „Wenn ich erzähle, dass ich Fahrzeuglackiererin bin, wird oft überrascht geschaut und häufig werde ich gefragt, warum ich nicht studiert habe.“ Das ärgert sie. Nicht nur persönlich, sondern grundsätzlich, denn aus ihrer Sicht kämpft das Handwerk noch immer gegen die Vorurteile „dreckig und schlecht bezahlt“. Jedoch zu Unrecht, wie Nina Punessen selbst nur zu gut weiß. Zwar steigt der Anteil von Frauen im Handwerk kontinuierlich – auch in Ninas Berufsschulklasse gibt es acht Frauen und nur drei Männer – jedoch geht die Entwicklung nur langsam voran. Die 21-Jährige wünscht sich deshalb mehr Mut von jungen Frauen. „Probiert es einfach aus“, sagt sie. „Viele wissen gar nicht, wie vielseitig und erfüllend Handwerksberufe sein können.“