2023-04-05T09:03:47+0000

Warnstreiks auch in der Unfallreparaturbranche?

Derzeit fordert die Gewerkschaft IG Metall in regional geführten Tarifverhandlungen des Kfz-Handwerks 8,5 Prozent mehr Lohn sowie die Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie. In dieser Woche (05.04.) wurden die rund 400.000 Beschäftigten in Autohäusern und Werkstätten zu Warnstreiks aufgerufen. Erste Arbeitsniederlegungen gibt es in den Regionen Nürnberg, Göttingen und Leipzig. ## Greift der Tarifkonflikt auf die Unfallreparaturbranche über? Die Branchenverbände ZKF und die Bundesfachgruppe der Fahrzeuglackierer halten auf Nachfrage von schaden.news Warnstreiks in Karosserie- und Lackierbetrieben zwar für unwahrscheinlich. Allerdings könnten Arbeitsniederlegungen in Autohäusern die Unfallreparaturbranche indirekt betreffen. Nämlich dann, wenn K&L-Betriebe bestreikte Unternehmen zu ihren Kunden zählen. BFL-Präsident Steven Didssun kommentiert die aktuelle Situation wie folgt: „In unserer Branche halten ich es für unwahrscheinlich, dass es zu Streiks kommt – da sich die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen allein schon aufgrund von Nachwuchs- und Fachkräftemangel stark verbessert haben. Unsere Betriebe mussten schon vor vielen Jahren umdenken und mit besserer Entlohnung und Zusatzleistungen nachziehen. Auch moderne Methoden zur Mitarbeiterführung und alternative Arbeitszeitmodelle machen unsere Branche attraktiv.“ ## „Lohnerhöhungen kaum noch verkraftbar“ Auch ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm geht derzeit nicht davon aus, dass es „speziell im K&L-Bereich zu Streiks kommt“, da man mit den Verhandlungspartnern einen „konstruktiven Dialog“ führe. „Wir verhandeln je nach Region mit der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM)“, erklärt Thomas Aukamm in einem Statement gegenüber der Redaktion. „Fakt ist, dass der Markt für Fachkräfte sehr gut aussieht und weitestgehend über Angebot und Nachfrage geregelt wird. Ebenso gilt der Spruch „If you pay peanuts, you’ll get monkeys“. Der Betrieb muss also seine Mitarbeiter fair bezahlen, ansonsten droht die Abwanderung von qualifizierten Fachkräften.“ Spielräume für kräftige Lohnsteigerungen sehen weder BFL noch ZKF. „Die Betriebe werden ganz klar über ansteigende Personalkosten zusätzlich zu allen anderen Kostensteigerungen finanziell zusätzlich belastet“, heißt es in Friedberg. BFL-Präsident Steven Didssun schätzt die Lage ähnlich ein: „Realistisch gesehen, macht die derzeit schwierige Phase der gesamten Wirtschaft es fast unmöglich weitere Forderungen zu erfüllen.“ ## Hoffen auf einvernehmliche Lösung ZKF und BFL sind sich darin einig, dass die starke Inflation natürlich auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den K&L-Betrieben hart trifft. Daher halten die Branchenverbände die Forderung nach höheren Gehältern grundsätzlich für berechtigt. „Die Lohnforderungen von 8,5 % der IG Metall sowie Inflationsausgleichprämie im KFZ Handwerk sind von unserer Seite schwer zu bewerten, als allgemeine Regel wäre es wichtig, eine einvernehmliche Lösung anzustreben, die sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern zugutekommt und nicht leichtfertig einen Streik einzuleiten“, erklärt die Bundesfachgruppe der Fahrzeuglackierer. Der ZKF-Hauptgeschäftsführer hat vor allem die Ausbildungsvergütung im Blick: „Wir verfolgen einen sehr konstruktiven Ansatz in den Tarifverhandlungen und gehen aus den meisten Gesprächen mit einem für alle Seiten zufriedenstellenden Ergebnis für Betriebe und Mitarbeiter heraus. Für Azubis zum Beispiel muss die Ausbildungsvergütung mindestens über Mindestlohn liegen und vergleichbar mit dem Niveau des KFZ-Gewerbes sein. Dies unterstützen wir als Zentralverband völlig, wobei einige Regionen noch Nachholbedarf haben.“ ## Auswirkungen auf Stundensätze in der Schadensteuerung? Die Lohnkostensteigerungen werden den Kostendruck gerade in Partnerwerkstätten weiter erhöhen. Hier laufen derzeit die Jahresgespräche mit Kfz-Versicherern und Schadensteuerern. Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) erneuert seine Forderung nach höheren Stundensätzen: „Die Herausforderung für die Betriebe ist es nun, diese ansteigenden Kosten für Personal, Energie, Werkstattausrüstung und allen anderen Aufwendungen über immer noch deutlich zu niedrige Stundensätze von Versicherern und Schadensteurern zu finanzieren.“
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