2021-12-15T13:00:09+0000

Stickstofflackierung: „Ich lebe seitdem sehr ruhig, was die Farbtonfindung angeht“

Steigende Energie- und Materialpreise zählen derzeit mit zu den stärksten Innovationstreibern in der Reparaturbranche. Denn immer mehr Werkstätten beginnen sich nach Möglichkeiten umzusehen, mit denen sich der Kostendruck ohne Qualitätseinbußen reduzieren lässt. Im Bereich der Lackiertechnik vertreibt der Ausrüster KAMATEC ein stickstoffbasiertes Applikationssystem, das neben Einsparungen bei Lackmaterial und Arbeitszeit auch eine korrekte Farbwiedergabe ermöglichen soll. schaden.news hat drei K&L-Betriebe zu ihren Erfahrungen mit dem Nitrotherm-Spray System befragt. ## „Hatten beim Farbton in zwei Jahren nicht eine einzige Reklamation“ Im Lackierzentrum Zimpel im sächsischen Zschorlau gibt Thomas Bergmann den Ton an. Seit 24 Jahren arbeitet der Lackierermeister bereits in dem Betrieb, dem er zugleich als Niederlassungsleiter vorsteht. Die Lackieraufträge von bis zu sieben der insgesamt neun Autohäuser der Zimpel und Franke GmbH, mehreren externen Kunden, Privatkunden sowie gesteuerte Schäden laufen dort zusammen. Zwei der insgesamt drei Lackierereien der Autohausgruppe nutzen die Stickstofflackierung. Am Standort Zschorlau sind seit September 2019 sogar zwei Nitrotherm-Spray Systeme im Einsatz – eine gute Entscheidung, wie der Fachmann betont: „Der Einstieg in die Stickstofflackierung kurz vor Beginn der Corona-Pandemie kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Die damit eingesparten Ausgaben beim Lackmaterial, die sich zwischen 10 und 20 Prozent bewegen, sind eine wichtige Unterstützung in der Krise.“ Neben dem wirtschaftlichen Nutzen haben Thomas Bergmann vor allem die qualitativen Verbesserungen überzeugt, die er und seine zehn Mitarbeiter mit dem System erzielen. „Durch die gleichbleibende Temperatur gibt es weniger Lackläufer. Ebenso registrieren wir merklich weniger Staubeinschlüsse und dank des zusätzlichen Filters konnten wir zudem vormals aufgetretene Probleme mit Silikonkratern in den Griff bekommen“, berichtet der Niederlassungsleiter. Gearbeitet wird mit Lacksystemen von Sikkens, Glasurit und neuerdings DeBeer. Anfängliche Bedenken wegen der höheren Luftfeuchtigkeit, die der Stickstoff einbringe, erwiesen sich als unbegründet und die Trefferquote sei weiterhin konstant: „Meistens funktioniert es durch einmaliges Messen des Farbtons, Muster nachspritzen – und fertig. Ich lebe seitdem sehr ruhig, was die Farbtonfindung angeht und in zwei Jahren hatten wir diesbezüglich nicht eine einzige Reklamation“, betont der Lackierermeister. ## „Konnte mir anfangs das Einsparpotential nicht vorstellen“ Auch im Karosserie und Lackierzentrum Rödl in Fürstenfeldbruck hat man die Lackapplikation vor etwa zwei Jahren auf Stickstoff umgestellt. In dem Betrieb, der schwerpunktmäßig Fahrzeuglackierungen für Autohäuser sowie den Flotten- und Leasingmarkt durchführt, werden regelmäßig auch Industrielackierungen realisiert. Besonders die mit dem System erzielten Materialeinsparungen konnten Fahrzeuglackierer Martin Lachenschmidt überzeugen: „Die Ersparnis beim Material ist bei uns tatsächlich extrem und ich konnte es mir anfangs kaum vorstellen. Anstelle von 500 Gramm muss man für eine Motorhaube jetzt nur noch 250 bis 300 Gramm
anmischen“, berichtet der Fachmann. Zudem sei die Umstellung auf die Stickstofflackierung für alle „total einfach“ gewesen: „Der Außendienstmitarbeiter war da – nach drei Stunden war alles eingerichtet und wir konnten direkt weiterarbeiten. Seitdem heißt es in der Früh einschalten, am Abend ausschalten – Ende“, beschreibt Martin Lachenschmidt den unkomplizierten Umgang mit der Technologie. Neben der durch das Nitrotherm-Spray System erzeugten Ionisierung, die sich vor allem auf die Lackierung von Kunststoffteilen sehr vorteilhaft auswirke, hebt er zudem das Spritzbild hervor: „Wir verwenden hier hauptsächlich Wasserlacke von Spies Hecker und hatten noch nie Probleme mit der Farbgenauigkeit. Meine Musterkarten, die ich vor Einführung des Systems angefertigt hatte, stimmen immer noch überein.“ ## „Man steht dadurch nicht so im Nebel“ Das Nitrotherm-Spray System, wird bei der Berger Autolackiererei GmbH in Celle ausschließlich für die Pkw-Lackierung einschließlich Transporter bis 3,5t genutzt. Das Gros der Aufträge kommt laut Geschäftsführer Waldemar Albach von vier großen Flottenkunden, für die unter anderem auch Leasingrückläufer bearbeitet werden. Ebenso zählen Autohäuser zum Kundenkreis des niedersächsischen Unternehmens. Die Umstellung auf die Stickstofflackierung erfolgte erst vor einem halben Jahr – was sich aber jetzt schon deutlich abzeichnet, sind die seltener gewordenen Kabinenfilterwechsel: „Mit dem Gerät steuern wir zwei Kabinen an und produzieren nun deutlich weniger Overspray als früher. Beim Lackieren steht man nicht so im Nebel“, berichtet der seit 2011 für die geschäftliche Leitung des Unternehmens verantwortliche Fachmann. An das Lackieren mit geringerem Druck habe man sich anfangs erst gewöhnen müssen, räumt er ein – auch weil seine Fachkräfte sich zunächst lieber auf ihr geschultes Gehör als auf das Manometer verlassen hätten: „Mit einer Nachschulung durch den zuständigen KAMATEC Techniker konnten wir diese Probleme schnell hinter uns lassen und weder bei den Lacken von Glasurit noch bei denen der Volkswagen Gruppe gibt es Abweichungen bei der Farbgenauigkeit.“
Christoph Hendel
Lesens Wert

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