2021-04-28T11:34:32+0000

Mobilitätstrends: Verkehrsbarometer zeigt leichten Aufwärtstrend

2.013 automatische Zählstellen sind derzeit auf Deutschlands Autobahnen und außerörtlichen Bundesstraßen im Dauerbetrieb. Anders als bei der Erhebung von Mobilfunkdaten können mit dieser Methode bis zu neun Fahrzeugarten unterschieden werden. Einmal im Quartal werden die Daten von den Bundesländern an die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) übermittelt. Die nun für die Monate Januar und Februar 2021 vorliegende Auswertung deutet auf eine Erholung der seit Beginn der Pandemie aber weiterhin deutlich eingeschränkten Mobilität hin. So stieg das Aufkommen von Pkw auf Autobahnen von Januar zu Februar 2021 um 10 Prozent. Der Schwerverkehr konnte sogar um 16,1 Prozent zulegen. Der positive Trend setzt sich auf den Bundesstraßen fort. Hier wurden 11 Prozent mehr Pkw und 17,6 Prozent mehr Schwerverkehr registriert. Gestützt werden diese Zahlen vom Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Laut Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und dem Statistischen Bundesamt (Destatis) stieg die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen im März 2021 saison- und kalenderbereinigt gegenüber Februar 2021 um 4,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde sogar ein Anstieg um 8 Prozent ermittelt, gegenüber dem Vorkrisenniveau ergibt sich ein Plus von 4,8 Prozent. [Direkt proportional zu diesem Anstieg verhält sich auch das Aufkommen der Blechschäden, die im gleichen Zeitraum vermehrt auftraten, aber ebenfalls deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.](https://schaden.news/de/article/link/42265/blechschaeden-februar-2021) ## Robert-Koch-Institut warnt vor erneutem Rückschlag durch höhere Mobilität Ob diese Entwicklung im weiteren Jahresverlauf anhält, dürfte wesentlich vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen und wie schnell die Impfziele der Bundesregierung umgesetzt werden können. Bei 23,9 Prozent liegt die Impfquote laut Robert-Koch-Institut (RKI, 27.04.2021) derzeit, immunisiert sind 7,3 Prozent. RKI-Vizechef Lars Schaade sieht die derzeitige Stabilisierung der Corona-Zahlen allerdings weiterhin kritisch. Dem Experten zufolge könnte der langsamere Anstieg der Fallzahlen auf das zu Ostern 2021 geringere Reiseaufkommen zurückzuführen sein. Auf der Bundespressekonferenz am 23.4.2021 zur Corona-Lage warnte Schaade daher, dass die inzwischen wieder angewachsene Mobilität eine erneute Zunahme der Fallzahlen bewirken könne und plädierte für weitere Einschränkungen. ## Nächtliche Ausgangssperren haben wohl nur geringen Einfluss Seit Sonnabend (24. April) gelten in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz über 100 nächtliche Ausgangssperren. Bereits Ende März haben das RKI und die Humboldt Universität Berlin in einer gemeinsamen Studie die Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Mobilität untersucht. Es zeigt sich, dass nur ein relativ geringer Anteil der Mobilität, nämlich 7,4 Prozent, in den Zeitraum von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr fällt. Begänne die Ausgangssperre bereits um 20:00 Uhr, stiege der betroffene Anteil geringfügig auf 12,3%. Wesentlich deutlicher war der Effekt dagegen während des ersten Lockdowns im März 2020, wo die Mobilität auch tagsüber auf bis zu -40% unter das Vorjahresniveau gefallen war.
## Mobilität in Bundesländern weiterhin uneinheitlich Nach wie vor zeigt der Vergleich der Mobilitätswerte zwischen den Bundesländern große Unterschiede. Das mobilfunkdatenbasierte Covid-19 Mobility Project von RKI und Humboldt Universität Berlin ermittelt gegenüber 2019 aktuell die größten Rückgänge bei Stadtstaaten wie Hamburg (-24%) oder Berlin (-18%). Ebenfalls oberhalb des bundesweiten Mittelwerts von -13 Prozent liegen derzeit Bayern (-17%), Niedersachsen (-16%) und Thüringen (-14%). Etwa gleichauf liegen Sachsen (-13%), Hessen (-12%), Nordrhein-Westfalen (-12%) und Rheinland-Pfalz (-11%). Es folgen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg (je -9%) sowie Sachsen-Anhalt (-7%) und das Saarland (-7%). Brandenburg hat sich dem Vorkrisenniveau auf bis -5% angenähert. ## Kaum Änderung bei den Bewegungsmustern im städtischen Raum Nur unwesentlich hat sich das Mobilitätsverhalten in den Städten geändert. Der Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen werden laut den Google-Mobilfunkdaten um 35 Prozent weniger aufgesucht als vor der Krise. Bahnhöfe und Haltestellen liegen bei -31 Prozent. Wohnorte konnten dagegen noch einmal leicht dazugewinnen und kommen auf +10 Prozent. Der gegenläufige Trend bei den Arbeitsstätten aus [unserem März-Beitrag](https://schaden.news/de/article/link/42215/corona-mobilitaet-legt-im-maerz-rueckwaertsgang-ein) hat sich indessen nicht bestätigt. Hier sind es nun -21% weniger Mobilitätsaufkommen. Auch die Analysen von Apple Maps belegen dieses Bild des städtischen Raums. Seit Beginn der dritten Pandemiewelle bewegen sich dort die Mobilitätszahlen für die Fortbewegungsarten „Fahren“ und „Gehen“ unter dem Basiswert. Auffallend sind dagegen die hohen Werte bei den öffentlichen Verkehrsmitteln im ersten Quartal. Ob dies auf die anhaltend niedrigen Temperaturen zurückzuführen ist, muss der weitere Jahresverlauf zeigen.
Christoph Hendel