2021-03-31T11:09:46+0000

„Es geht kein Weg an offener und ehrlicher Kommunikation vorbei“

___Bisher ging es bei der Kommunikation oftmals nur um Motivation und Mitarbeiterbindung. Inwiefern muss der Betriebsinhaber nun anders mit seinen Mitarbeitern kommunizeren? ___ __ Thomas Wetzel: __Die Pandemie hat die Rahmenbedingungen komplett verschoben. Die aktuelle Zeit stiehlt Planbarkeit, wir bewegen uns wie durch einen Nebel in die Zukunft. Es ist überhaupt nicht abzusehen, wie das Geschäft sich in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Auch die Versicherer können ihre Volumenvereinbarungen nicht einhalten. Auf diese Unplanbarkeit hat auch der Betriebsinhaber keinen Einfluss. Diese Unsicherheit sollte daher auch den Mitarbeitern gegenüber immer wieder dargestellt werden. ___Mit welchen Themen sieht sich der Betriebsinhaber nun konfrontiert, die vor der Krise noch gar keine Rolle gespielt haben?___ __ Thomas Wetzel: __Es handelt sich hier um eine Situation, die existenziell für Unternehmer und ihre Mitarbeiter ist. In dieser Form hat das kaum einer in der K&L-Branche bisher erlebt. Neu ist auch die Nichtbeeinflussbarkeit, mit der der Unternehmer dadurch konfrontiert wird. Er kann kaum etwas tun, um die derzeitige Lage zu ändern. ___Wie geht der Betriebsinhaber nun in der Kommunikation um mit Auftragseinbrüchen, Kurzarbeit, ausbleibenden Bonuszahlungen und betriebsbedingter Kündigung? ___ __ Thomas Wetzel: __Diese Situation und ihre Folgen sind den Mitarbeitern nur mit Ehrlichkeit zu vermitteln. Es nützt nichts, hier Prognosen abzugeben. Es muss bei jedem Schritt klar sein: Wenn der Betriebsinhaber diese Schritte wie den in die Kurzarbeit nicht geht, existiert der Betrieb möglichweise bald nicht mehr. Diese Alternativlosigkeit ist dem Team schwer zu vermitteln. Es geht kein Weg an offener und ehrlicher Kommunikation vorbei. ___Ein weiterer Aspekt ist Corona als Krankheit an sich. Wie kann der Betriebsinhaber hier, beispielsweise im Falle eines positiven Falls in der Werkstatt kommunizieren? ___ __ Thomas Wetzel:__ Hier muss man natürlich zunächst zwischen der Kommunikation mit dem betroffenen Mitarbeiter an sich und der Kommunikation mit der gesamten Belegschaft unterscheiden. Die Aspekte, die die Infektion oder die Quarantäne der Person betreffen, werden natürlich unter vier Augen geklärt. Aber so ein positiver Fall zieht ja auch meist die Quarantänemaßnahmen unter den aktuellen Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes nach sich und hat auch wieder betriebswirtschaftliche Folgen für das Unternehmen, beispielsweise wenn dieses aufgrund von Quarantäne abteilungsweise schließen muss. ___Kann der Unternehmer seine Mitarbeiter in diesen Zeiten überhaupt noch motivieren? ___ __ Thomas Wetzel:__ Jein. Denn Motivation funktioniert über die Frage Warum: Warum machen die Mitarbeiter ihren Job? Wenn die Antwort darauf lautet: Um den Lebensunterhalt zu finanzieren", dann führt die aktuelle Situation mit unzureichender Arbeit und weniger Bezahlung zu einer Grundfrustration. Wenn das Warum jedoch mit einem kreativen Anspruch verbunden ist, bringt die Situation vielleicht weniger Motivationsprobleme beim Mitarbeiter mit sich. Allerdings darf man nicht vergessen, dass in der momentanen Situation auch das Teamgefüge auseinander ruscht, weil möglicherweise Mitarbeiter sich durch neue Schichten nicht mehr so häufig sehen. Hinzu kommen die privaten Stressoren: Die Familie spielt dabei eine wichtige Rolle, die immer mit einbezogen werden sollte. ___Welchen Tipp würden Sie Betriebsinhabern nun auf den Weg geben? ___ __ Thomas Wetzel:__ Ständig kommunizieren, und zwar realistisch und klar. So vermeidet der Unternehmer, seinen Mitarbeitern falsche Hoffnungen zu machen oder Schwarzmalerei zu betreiben. Und auch wenn der Betriebsinhaber ausrechnet, dass sich das Geschäft nicht mehr lohnt und die Entscheidung trifft, das Unternehmen zu schließen, sollte er diese Entscheidung seinen Mitarbeitern ehrlich und zeitnah kommunizieren – damit diese sich nach einem neuen Job umsehen können.
Ina Otto
Lesens Wert

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