2021-03-24T11:02:37+0000

Mobilität in der Krise: Rückwärtsgang auch im März

Rund ein Viertel weniger Autofahrten und zwei Drittel weniger Bahnreisen als vor der Krise. So lautet die Bilanz der Mobilitätsveränderungen in der 2. Pandemie-Welle seit Anfang November 2020, die das Statistische Bundesamt (Destatis) mit der neuen Sonderauswertung anonymisierter Mobilfunkdaten vom 18. März 2021 veröffentlicht hat. In der ersten Hälfte des Monats zeichnete sich zudem ein erneuter Mobilitätsrückgang ab. Nach einer langsamen Annäherung an das Vorkrisenniveau bis auf minus 8 Prozent im Februar fiel der Wert nun auf 13 Prozent unter Normalniveau. Die zum 8. März beschlossenen Lockerungen zeigten vor dem Hintergrund einer sich ankündigenden dritten Corona-Welle kaum Wirkung. Leichte Anstiege der Mobilität wurden nur in Kreisen mit einer Inzidenz von unter 50 registriert. Dort, wo die Werte zwischen 50 und 100 lagen, blieb sie unverändert und sank sogar leicht in den Kreisen mit einer Inzidenz von über 100. ## Stadtstaaten verzeichnen stärksten Mobilitätsrückgang Am stärksten fällt der rückläufige Trend den Destatis-Analytikern zufolge in den Stadtstaaten aus. Im Gegensatz zu dünn besiedelten Ländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (jeweils -4%) verzeichneten Berlin und Hamburg zweistellige Mobilitätsrückgänge von 21% bzw. 25% gegenüber dem März des Vorkrisenjahres 2019. ## Stark unterschiedliche Bewegungsströme der Bundesländer Wie Destatis werten auch das RKI und die Humboldt Universität Berlin Daten aus, die auf Bewegungen von Mobilfunkgeräten zwischen Funkzellen basieren. Aktuell registriert die gemeinsame Forschungsinitiative Covid-19 Mobility Project deutschlandweit 23 Prozent weniger Reisen als im März 2019. Der 7-Tage-Mittelwert weist zum 18.März 2021 eine Mobilitätsreduktion von -10 Prozent gegenüber dem Referenzmonat aus. Am geringsten fällt diese in Mecklenburg-Vorpommern (-2%), Brandenburg (-3%), Sachsen-Anhalt (-3%) und dem Saarland (-4%) aus. Im Mittelfeld liegen Rheinland-Pfalz (-8%), Baden-Württemberg (-8%), Sachsen (-9%), Thüringen (-11%), Schleswig-Holstein (-12%), Hessen (-12%), Nordrhein-Westfalen (-12%) und Bayern (-13%). Die größten Einbußen gibt es dagegen in Niedersachsen (-18%) sowie in den Stadtstaaten Bremen (-18%), Berlin (-20%) und Hamburg (-21%). Der Großteil des Verkehrs spielt sich den Analysten zufolge innerhalb eines Stadt- oder Landkreises ab. Gerade einmal 5 Prozent dieser Bewegungen gehen über angrenzende Kreise hinaus. ## Apple und Google verzeichnen ebenfalls negative Bewegungs-Trends Die IT-Konzerne Apple und Google werten ebenfalls seit Beginn der Pandemie Massenmobilfunkdaten aus. Hier werden jedoch nicht die Bewegungen selbst herangezogen, sondern die Anfragevolumen für Wegbeschreibungen in den jeweiligen Navigations-Apps. Laut Apple Maps wird seit Beginn des zweiten Lockdowns am 1. November 2020 in allen deutschen Großstädten wieder weniger gefahren. Derzeit sind es 12 Prozent weniger (Stand: 22. März 2021). Noch immer sind es deutschlandweit vor allem der Einzelhandel, Gastronomie und Theater / Kinos (-42%) sowie Reiseknotenpunkte wie Bahnhöfe und Haltestellen (-36%), die deutlich weniger aufgesucht werden als in Prä-Corona-Zeiten. Das Thema Home-Office scheint
hierzulande dagegen immer weniger eine Rolle zu spielen. Wurden Arbeitsstätten noch Ende Februar um bis zu 40 Prozent weniger aufgesucht, sind es aktuell (Stand: 20. März 2021) nur noch minus 5 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommen die vom Suchmaschinenbetreiber Google ermittelten Bewegungstrends. ## Impfgeschehen und Mobilität Noch ist es zu früh, um verlässliche Aussagen darüber treffen zu können, wie sich das Impfgeschehen auf die Mobilität auswirken wird. Zumindest in Ländern mit hoher Impfdynamik wie den USA – hier haben gegenwärtig mehr als 24 Prozent der Gesamtbevölkerung eine erste Dosis erhalten – scheint sich seit Februar eine klare Trendwende abzuzeichnen. [Laut den Daten der Johns-Hopkins-Universität sank in dieser Woche die Inzidenz erstmals seit einem Jahr unter deutsches Niveau.](https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=40..latest&pickerSort=asc&pickerMetric=location&Metric=Confirmed+cases&Interval=7-day+rolling+average&Relative+to+Population=true&Align+outbreaks=false&country=USA~DEU) Bei den internationalen Mobilitätstrends (Quelle: Apple) geht die Schere zwischen einigen europäischen Staaten und den USA seit mehreren Wochen jedenfalls immer weiter auseinander. Auffallend ist allerdings, dass in England, wo bereits über 41 Prozent der Bevölkerung einfach geimpft wurden, die Mobilität dennoch rückläufig ist. Wann sich die Mobilitätsrate in Deutschland erholen wird, bleibt abzuwarten.
Christoph Hendel