2021-01-13T12:47:06+0000

Ersatzteile: Margenkürzung setzt Betriebe massiv unter Druck

Karosserie- und Lackierbetrieben wird wohl erst langsam bewusst, welche dramatischen Auswirkungen ein Schreiben aus Wolfsburg für sie haben kann. Anfang Dezember teilte das NORA Zentrum seinen Kunden in einem der Redaktion vorliegendem Brief mit: „Die Einkaufskonditionen für die Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda ändern sich grundlegend.“ Der Lieferant von VW Original-Ersatzteilen sehe sich gezwungen, die Konditionen ab Januar 2021 anzupassen. Auf der Rückseite findet sich dann die schlechte Nachricht: Die Rabattstaffeln ändern sich und werden deutlich gekürzt. Das gleiche Bild zeigt sich K&L-Betrieben auch bei Teile-Lieferanten des Automobilherstellers Opel, der seine Rabattstaffeln an den PSA Konzern „nach unten“ angepasst hat. ## „Wir verlieren im Durchschnitt bis zu fünf Prozent“ Die Änderung der Rabatteinstufungen fällt je nach Ersatzteil offenbar sehr unterschiedlich aus. Im Gespräch mit schaden.news rechnet ein Betriebsinhaber vor: „Bei einem Scheinwerfer von Opel wurde der Rabatt um unglaubliche 14 Prozent gekürzt, bei einem Audi Stoßfänger sind es 3 Prozent weniger.“ Aus den Schreiben des NORA Zentrums ist erkennbar, dass vor allem Partnerwerkstätten der HUK-Coburg und Kooperationsbetriebe des Schadensteuerers Innovation Group betroffen sind. „Die Änderung der Konditionen bedeutet für uns, dass wir im Durchschnitt bis zu fünf Prozent Marge an den Ersatzteilen verlieren“, erklärt der erfahrene Unternehmer. Er will ungenannt bleiben, weil der Inhaber nicht sich, sondern das Thema in die Branchenöffentlichkeit tragen möchte. ## „Kaum noch Luft zum Atmen“ Gerade bei Aufträgen der HUK-Coburg seien die wirtschaftlichen Folgen gravierend, legt der Betriebsinhaber dar. „Bei einem durchschnittlichen Rabatt von fünf Prozent, die bei einer Erstellung der Reparatur-Rechnung an die HUK von uns gewährt wird, besteht für uns nun keinerlei Marge mehr.“ Mit der Änderung bei der Rabattstaffel durch die Ersatzteil-Lieferanten bleibe dem Betrieb jetzt kaum noch Luft zum Atmen. Nach Angaben von Partnerwerkstätten müssten trotz der Margenkürzung weiterhin fünf Prozent Rabatt auf die Ersatzteile an die HUK-Coburg abgeführt werden. „Was da bleibt ist viel zu wenig, um überhaupt noch wirtschaftlich zu arbeiten.“ Auch bei Innovation Group spitze sich die Lage durch die veränderte Rabattstaffel der Ersatzteil-Lieferanten zu. „Durch die fehlende Marge drücken natürlich nun auch die sieben Prozent Vermittlungsprovision bei jeder Werkstattrechnung noch stärker.“ ## „Das Geschäft mit Flotten lohnt sich nicht mehr“ Noch schlimmer scheint die Situation bei manch einer Flotte oder Leasinggesellschaft zu sein. Hintergrund: Im Haftpflichtschaden kann der Reparaturfachbetrieb einen UPE-Aufschlag auf den Teilepreis erheben – bis zu 15 Prozent. Mit dem Rabatt des Ersatzteil-Lieferanten kommt so nicht selten eine Marge von 25 Prozent zusammen. „Einige Flotten und Leasinggesellschaften verlangen jedoch eine Provisionszahlung von 20 Prozent oder mehr“, erklärt der Betriebsinhaber gegenüber schaden.news. „Da ist an eine wirtschaftliche Abwicklung eines Instandsetzungsauftrages gar nicht mehr zu denken.“ Durch die Kürzung der Rabattstaffelungen lohne sich das komplette
Reparatur-Geschäft nun nicht mehr. Für den Unternehmer ist klar: „Die Auswirkungen der Rabattkürzungen auf die Betriebe werden ein bedrohlich existenzielles Format annehmen.“ Offenbar haben das Problem aber bereits einige Fuhrparkmanager erkannt und ihre Provisionszahlungen reduziert. Wie Kfz-Versicherer und Schadensteuerer auf die Änderungen reagieren erscheint derzeit noch unklar. ## „In der Corona-Krise treffen uns Preiserhöhungen und Rabattkürzungen hart“ Der Betriebsinhaber hofft, dass die Ersatzteil-Lieferanten ihre Rabattpolitik noch einmal überdenken. „Wir führen derzeit viele Gespräche und stellen auch unsere Prozesse im Betrieb noch einmal um.“ Nicht nachvollziehbar sei für ihn, wie mitten in der Corona-Krise mit „diesem für K&L-Betrieben wirtschaftlich sehr bedeutsamen Thema“ umgegangen werde. „Die Preiserhöhungen der Lackhersteller und die Rabattkürzungen von Lieferanten treffen uns wirklich hart.“
Christian Simmert
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