2020-07-08T13:04:29+0000

"Wir gehen modernisiert und gestärkt aus der Krise"

Im Januar dieses Jahres hatte Betriebsinhaber Marco Böge begonnen, seine Werkstatt zu sanieren. Prozesse und Durchläufe in der Lackiererei sollten optimiert und vor allem die hohen Rangierzeiten reduziert werden. „Wir hatten Platzprobleme und die Lackierkabine war mittlerweile 27 Jahre alt. Auch die Arbeitsbedingungen wollten wir deutlich verbessern. Eine moderne Zu- und Abluft und Hebebühnen auf allen Arbeitsplätzen war das Ziel“, erklärt der 49-jährige Geschäftsführer. Sein Plan: Eine neue Lackierkabine und vier Multifunktionsarbeitsplätze zu schaffen, sodass der Stau vor der Lackierkabine aufhört und die Aufträge auch komplett an einem Arbeitsplatz bearbeitet werden können – von der Vorbereitung über den Lackiervorgang bis hin zum Finish. „Dabei wurde die gesamte Abluft erneuert und auch die Druckluft haben wir im gesamten Betrieb gleich auf den neuesten Stand gebracht. Leckagen gehören nun auch der Vergangenheit an“, erklärt Marco Böge, der den Betrieb in dritter Generation leitet. ## Der Weg zur grünen Werkstatt Zudem wollte der K&L-Betrieb auch gleich in energetischer Hinsicht sanieren. "Wir sind 1993 auf das jetzige Firmengelände gezogen. Seitdem haben sich die Möglichkeiten, was den Energiebetrieb angeht, stark weiterentwickelt. Hier wollten wir auf den modernsten Stand kommen. Schließlich ist die Energie für den Betrieb ein sehr hoher Kostentreiber", erklärt Marco Böge. So stattete er das Werkstattgebäude noch mit einem Blockheizkraftwerk aus. "Wir betreiben damit den gesamten Betrieb autark und haben uns so vom Rohstoff Öl für die Lackierkabine komplett verabschiedet. Die Abwärme aller Bereiche geht in den Pufferspeicher“, führt der gelernte Lackierermeister aus. Zudem setzt der Unternehmer auch bei der Beleuchtung auf Energieeffizienz. "Wir sind nun eine grüne Werkstatt, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet hat." Vorteil des ganzen Projektes sei zudem der Zugriff auf verschiedene Fördertöpfe, die einen Zuschuss zum Umbau bei der Lackiertechnik in Höhe von 40 Prozent ermöglichten. "Jährliche Ausschüttungen für den Betrieb des BHKW machten die Investition über rund 800.000 Euro auch finanziell interessant für uns", fügt Marco Böge hinzu. Gebaut und geplant wurde mit den Firmen Sehon (Lackiertechnik) und Emig (BHKW). ## Mitarbeiter packten mit an Zwei Jahre lang liefen die Planungen im Betrieb Böge. "Im Zuge der Vorbereitungen habe ich mir auch mehrere andere Betriebe angesehen, die energetisch umgesattelt haben. So fiel es mir leichter, herauszufinden, welches Konzept am besten zu uns passt", berichtet der Betriebsinhaber. Im Januar begannen dann endlich die ersten Handwerker mit dem Rückbau des Trockners und dem Aufbau des Blockheizkraftwerkes samt 11.500 Liter Wasser fassendem Pufferspeicher. Und zwar im vollen Betrieb. "Im ersten Schritt haben wir einen alten Füllerspritzstand zurückgebaut und auf diesem Platz zwei der Multifunktionskabinen eingerichtet", zählt Marco Böge auf. Schon in dieser Bauphase habe sich gezeigt: Es war die richtige Wahl, die Sanierung im Frühling durchzuführen: "Dadurch konnten wir viele Materialien und auch Fahrzeuge draußen lagern beziehungsweise abstellen. Im Gebäude selbst hatten wir wenig Platz, dafür viel Krach
und Baustaub und mussten die Autos dreimal täglich neu abdecken", erinnert sich der Betriebsinhaber. Als alle vier Multifunktionsarbeitsplätze standen, wurde die alte Kabine innerhalb von wenigen Wochen ab- und die Neue aufgebaut. Lackiert wurde währenddessen auf den Multiarbeitsplätzen. „Unsere Lackierer hatten große Bedenken, ob das funktioniert – aber nach dem ersten Spritzgang konnte auf den Multiarbeitsplätzen bereits besser lackiert werden als in der alten Kabine“, beschreibt Marco Böge auch die Überzeugungsarbeit gegenüber seinen Mitarbeitern. Während des Umbau packten auch schon mal alle Mitarbeiter mit an, beispielsweise, als es darum ging, den riesigen Pufferspeicher für das Blockheizkraftwerk aufzustellen, die Sandwichplatten der alten Kabine zu entsorgen oder sich den wenigen Platz mit den vielen Gewerken hier vor Ort zu teilen. "Schließlich wollten wir ja alle, dass es vorwärts geht. Da haben alle an einem Strang gezogen", ist der Chef im Nachhinein dankbar für das zusätzliche Engagement seines Teams. ## Ruhigere Auftragslage durch Corona Schnell zeigte sich: der beste Plan ist so manches Mal dazu da, verworfen zu werden. So zum Beispiel, als die Aggregate aus der alten Lackieranlage entfernt werden sollten. "Da mussten wir kurzerhand das Dach öffnen und mit einem Spezialkran die Aggregate herausheben", berichtet Marco Böge. Doch auch für diese Herausforderung ergab sich eine Lösung und regionale Firmen, die ihn bei der Umsetzung unterstützten. Und dann fiel der Umbau ja auch noch in die Zeit des Corona-Lockdowns. "Wir hatten das große Glück, dass unsere Region nicht allzu stark von der Pandemie betroffen war. Es war etwas ruhiger als sonst, wir hatten aber schon noch genügend Aufträge", erinnert sich der Betriebsinhaber. Und rückblickend, spielte diese ruhigere Zeit dem Unternehmen ja, was den Umbau angeht, in die Hände. Schließlich blieb dadurch der große Stress zumindest in der Lackiererei aus. „Aus Sicht der Geschäftsleitung, die aus mir und meiner Frau besteht, war der Druck aber schon enorm. Permanente Absprachen zum Bauvorhaben, Gas- und Stromversorgung im gesamten Unternehmen wurden neu verlegt und dann die Wochen des Lockdowns, in denen wir massiv unsere Außenwerbung und –kommunikation zu Kunden und Versicherern verstärkten, Hygieneartikel beschafften, Mitarbeiter sensibilisierten und Auflagen einhalten mussten. Privat haben wir ein Kind, dass nicht zur Schule gehen konnte und durch meine Frau und mich betreut werden musste. Das war schon nicht einfach, aber umso glücklicher sind wir, dass wir diese Phase hinter uns haben“, blickt der Familienvater nun, nach etwas mehr als drei Monaten Bauzeit, zufrieden auf den fertigen Umbau zurück. "Und es hat sich gelohnt. Wir gehen modernisiert und gestärkt aus der Krise."
Ina Otto
Lesens Wert

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