2020-05-19T12:04:32+0000

KTI: Wie läuft's in der Unfallforschung?

Die Ausbreitung des Coronavirus hat seit Anfang März vielerorts für veränderte Arbeitsbedingungen gesorgt – auch beim Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI). Wie läuft die Forschung während der Krise? schaden.news hat bei Helge Kiebach, Leiter der Schadenforschung, und Rainer Kühl, Leiter Strategisches Projektmanagement, nachgefragt. ___Herr Kiebach, Herr Kühl, innerhalb der Corona-Krise ist die Zahl der Unfallschäden vermutlich deutlich zurück gegangen. Hat die Krise auch Auswirkungen auf Ihre Forschungsarbeit?___ __Helge Kiebach:__ Unsere Forschungsprojekte mit den Schwerpunkten Fahrerassistenzsysteme, E-Mobilität und neue Scheinwerfertechnologien sind von der Krise nicht betroffen. Unsere Arbeit hat sich nur insofern verändert, dass ein Teil der KTI-Mitarbeiter zeitweise von zuhause aus arbeitet, um persönliche Kontakte auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Genau wie andere Unternehmen auch, müssen wir flexibel auf die Kontaktbeschränkungen reagieren – halten Meetings und Absprachen nun online oder telefonisch ab. __Rainer Kühl: __Auch die Kollegen im Werkstattbereich können weitestgehend normal ihrer Tätigkeit nachgehen – natürlich mit den entsprechenden Abstands- und Hygienemaßnahmen. ___Wie ist der aktuelle Stand bei den Schulungen? Diese mussten durch die Corona-Krise ja verschoben bzw. abgesagt werden.___ __Helge Kiebach: __Wir prüfen fortlaufend, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen es möglich ist, wieder Präsenzschulung im KTI durchzuführen. Organisatorisch sind wir hierfür gewappnet. Aktuell ist aber noch nicht absehbar, wann wieder persönliche Trainings stattfinden können. __Rainer Kühl: __Unsere Trainings sind sehr praxisorientiert und viele Inhalte werden bisher unmittelbar am Fahrzeug vermittelt. Die Konzeption von Online-Webinare ist trotzdem eine Herausforderung der wir uns gerne stellen. Wir möchten in der Zukunft auch Online-Webinare, in Ergänzung zu unserem Präsenztraining, anbieten. Die Trainingsinhalte werden sich selbstverständlich unmittelbar an der Praxis orientieren. ___Herr Kiebach, das KTI arbeitet an diversen umfangreichen Projekten. Wird es demnächst Veröffentlichungen neuer Ergebnisse geben?___ __Helge Kiebach: __Im Rahmen des Projektes Fair Repair II haben wir untersucht, welche Auswirkung eine Reparatur im Bereich von Radarsensoren haben kann. Diese Ergebnisse werden wir demnächst veröffentlichen. Ursprünglich war geplant, diese im Rahmen der Würzburger Karosserie- und Schadenstage im März zu präsentieren. Außerdem werden wir demnächst eine Übersicht marktgängiger Kalibriersysteme veröffentlichen. Grundlage hierfür sind umfangreiche Tests im KTI. Damit wollen wir den Betrieben eine Entscheidungshilfe für anstehende Investitionen an die Hand geben. ___Herr Kühl, seit 1990 ist das KTI Mitglied im RCAR – kurz für Research Council for Automobile Repairs. Können Sie kurz erklären, welche Funktion dieser Verband hat?___
__Rainer Kühl: __RCAR ist ein weltweiter Dachverband der Unfallforschungsinstitute, dem insgesamt 26 Institute aus Europa, Amerika, Asien und Australien angehören. Die Schwerpunkte der Verbandsarbeit liegen auf Reparaturmethoden, Unfallsicherheit und der Wirtschaftlichkeit der Unfallinstandsetzung. ___Das KTI ist Teil der Arbeitsgruppe „P-Safe“. Was untersuchen Sie hier konkret?___ __Rainer Kühl:__ Im Rahmen dieses Projektes werden seit 2017 standardisierte Tests zur Bewertung autonomer Park-Not-Bremsassistenzsysteme erarbeitet. Zum Beispiel wird untersucht, wie diese Systeme in rückwärtigen Parksituationen auf verschiedene Hindernisse reagieren und inwieweit sie tatsächlich Parkschäden verhindern. In diesem Zusammenhang findet auch ein intensiver Dialog mit den Fahrzeugherstellern statt. In diesem Jahr wurden die Tests um Parksituationen im Front- und Seitenbereich erweitert, unter anderem im Zusammenhang mit Fußgängern. Das Verfahren wird in einer adaptierten Form außerdem Einzug bei EURO NCAP erhalten. Corona-bedingt pausiert das Projekt im KTI aber gerade, da hierfür die räumlich enge Zusammenarbeit notwendig wäre und daher mit der derzeit gebotenen Vermeidung persönlicher Kontakte nicht vereinbar ist. ___Vielen Dank für das Gespräch!___
Carina Hedderich