2019-10-01T14:45:54+0000

Geht die Freiheit verloren?

Das, was die HUK-Coburg gestern ankündigte, ist auf mehreren Ebenen bemerkenswert. [Im Pressegespräch zeigten Vorstand Dr. Jörg Rheinländer und Thomas Geck, Leiter Schadenprozessmanagement, wie sich der größte deutsche Kfz-Versicherer künftig aufstellt](https://schaden.news/de/article/link/41305/huk-coburg-reorganisiert-werkstattnetz) – und was sich für die Partnerwerkstätten ändert. Bemerkenswert ist vor allem das Zusammengehen mit der Werkstattkette Pitstop und Markenwerkstätten beim HUK-Autoservice. In der Branche gab es schon länger Anzeichen dafür, dass das Konzept mit K&L-Betrieben nicht so richtig zünden wollte. Jetzt haben die Coburger die Flucht nach vorne angetreten. Pitstop wird sicher für wesentlich mehr Drive im HUK-Autoservice sorgen. Doch von der ursprünglichen Idee, Partnerwerkstätten eine Brücke in die Mechanik zu bauen, hat man sich verabschiedet. Denn Aufträge im Autoservice werden wohl eher in die Werkstattkette geroutet als in die Partnerwerkstätten mit Mechanik. Für die Mehrzahl der HUK-Partnerbetriebe wird aber sicherlich die direkte Terminbuchung von Reparaturaufträgen über das Internet von Autofahrern eine gravierendere Veränderung sein. Geben die Werkstätten damit doch ein Stück weit ihre Autonomie ab. Vor allem, wenn dieser Schritt der Einstieg in die Nachverfolgung des Reparaturstatus (Reparatur-Tracking) ist. Damit erhöht sich der Effizienzdruck in den Werkstätten weiter und die Reparaturkapazitäten werden für den Versicherer noch kontrollierbarer. Schon die Reaktionen auf unsere [Berichterstattung zum SPN-Portal](https://www.schaden.news/de/article/link/41295/spn-portal-600-betriebe-angeschlossen) in der vergangenen Woche haben gezeigt, dass einige Werkstätten diese Entwicklung kritisch sehen: „Kontrolliert werden nicht nur Konditionen, sondern auch der komplette Umgang mit dem Auftrag und dem Kunden – alles muss gläsern sein, damit Druck ausgeübt werden kann“, lautet eine Lesermeinung. Wie steht es also mit der unternehmerischen Freiheit in unserer Branche? Gerade vor dem Tag der Deutschen Einheit lohnt sich diese Frage. Heute vor 30 Jahren gingen hier in Leipzig erstmals mehr als 20.000 Menschen bei den Montagsdemonstrationen im Jahr 1989 auf die Straße. Sie riskierten ihr Leben für die Freiheit, die uns Tag für Tag so selbstverständlich erscheint. Doch geht uns die Freiheit durch den digitalen Fortschritt vielleicht auch eines Tages auf eine andere Weise wieder verloren?
Christian Simmert
Lesens Wert

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