2019-04-10T14:25:34+0000

Mehr Geld, mehr Fachkräfte?

Seit Union und SPD im Koalitionsvertrag die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung vereinbart haben, sorgt das Thema auch in unserer Branche für reichlich Diskussionsstoff. Sicher: Ein genereller Zusammenhang zwischen Bezahlung und Attraktivität des Berufes gilt als umstritten. Doch wenn sich junge Menschen für ein Handwerk entscheiden, dann schauen sie natürlich auch darauf, was dort gezahlt wird und ob sie damit auf eigenen Füßen stehen können. Im Vergleich zu anderen Branchen liegt das Kfz-Handwerk hier im unteren Mittelfeld, im Osten Deutschlands teils deutlich darunter. Im Karosserie- und Fahrzeugbau-Handwerk sind die Vergütungen dort mitunter beinahe unanständig niedrig. Laut ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sei die Ausbildungsvergütung freilich gar nicht dazu gedacht, die Existenz zu sichern, sondern lediglich als Zuschuss zu den Lebensunterhaltskosten zu verstehen. Motivierte und geeignete Lehrlinge zu finden, dürfte mit dieser Grundhaltung nicht gerade einfacher werden. Laut Bundeswirtschaftsministerium konnte 2017 mehr als jede dritte Fachkräftestelle in den neuen Bundesländern nicht besetzt werden. Nun ist es keineswegs so, als ob Betriebe nicht ausbilden wollten, doch gerade für kleinere Unternehmen handelt es sich dabei auch um eine existenzielle Frage. Kommt der Mindestlohn für Azubis, steht zu befürchten, dass die Ausbildungsbereitschaft dort weiter ab- und der Fachkräftemangel somit weiter zunimmt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen die Unternehmen das Investment „Ausbildung“ auch erwirtschaften können. [Eine Erhöhung der Stundenverrechnungssätze, wie sie jüngst auf den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen gefordert wurde](https://schaden.news/de/article/link/41024/karosserie-schadenstage-wuerzburg-2019), scheint daher unumgänglich.
Christoph Hendel
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