2019-01-09T11:05:38+0000

Bis zu 4.000 Euro Prämie für neue Meister!

Neben dem Mangel an Azubis und Lehrlingen drohen den Betrieben in den kommenden Jahren auch die Chefs auszugehen, denn die geburtenstarke Gründergeneration der Wendezeit kommt allmählich in die Jahre. Bis 2025 werden die deutschen KMUs laut einer [Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)](https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2018/Fokus-Nr.-197-Januar-2018-Generationenwechsel.pdf) daher eine regelrechte Nachfolgewelle zu bewältigen haben, darunter auch rund [1.000 überwiegend inhabergeführte Karosserie- und Lackierbetriebe](https://schaden.news/de/article/link/38433/nachfolge-hoechste-zeit-zu-planen). ## Überalterung im Handwerk wird zum Problem Schleswig-Holstein, Thüringen und Baden-Württemberg haben im Bundesvergleich den höchsten Anteil an älteren Inhabern. Hier dürfte sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschärfen, zumal Unternehmer über 60 häufig weniger innovativ handeln und neue Investitionen scheuen. Ist bis zum geplanten Rückzugszeitpunkt kein geeigneter Nachfolger in der Familie oder in den Reihen der Angestellten gefunden, kann diese Mischung aus Investitionsstau und fehlendem Spezialwissen fatale Folgen für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Betriebes haben. Die KfW-Studie hat ermittelt, dass gerade Kleinstbetrieben mit weniger als fünf Beschäftigten dann häufig nur noch die komplette Geschäftsaufgabe bleibt. ## Förderprogramme für Handwerksmeister Um diesem Trend entgegenzuwirken, unterstützen immer mehr Landesregierungen Handwerksmeister mit Zuschüssen zur Gründung einer eigenen Firma oder speziellen Weiterbildungsprämien. Mit diesen finanziellen Anreizen wie dem Meisterbonus soll die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung weiter vorangetrieben werden,
denn viele Fahrzeuglackierer und Karosseriebauer scheuen die mit einer Vollzeit-Meisterausbildung verbundenen Kosten von rund 8.000 Euro. Zwischen 1.000 und 4.000 Euro winken den Absolventen nach einer bestandenen Fortbildungs- oder Meisterprüfung. Spitzenreiter ist hier Niedersachsen, wo die Prämie laut Auskunft der für die Bearbeitung der Anträge zuständigen NBank im vergangenen Jahr an 2112 berechtigte Bezieher ausgezahlt wurde. In Bayern soll der Bonus ab Juni 2019 auf 2.000 Euro aufgestockt werden. Eine gesonderte Antragsstellung ist hier nicht erforderlich, die Berechtigten werden von der Handwerkskammer automatisch ermittelt und bekommen ein Datenblatt zur Vorbereitung der Auszahlung zugesendet. ## Noch keine bundeseinheitliche Regelung in Sicht Abgesehen von der Höhe des Zuschusses gibt es weitere Unterschiede bei dem je nach Bundesland Meisterprämie, Meisterbonus bzw. Meister-Extra genannten Programm. Zehn Bundesländer machen bereits mit. In Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein wird derzeit an ähnlichen Konzepten gearbeitet. Thüringen geht einen Sonderweg: Hier erhält nur eine Auswahl der jahrgangsbesten die Prämie. 34 Jungmeisterinnen und -meister waren es im Jahr 2018. Keine Mehrheit für den Meisterbonus findet sich nach wie vor in Baden-Württemberg. Hier wartet man noch, was die für Herbst 2019 angekündigte BAföG-Novelle der Bundesregierung bringen wird. Bis zu einer bundesweiten Lösung für eine vollständige Übernahme der Gebühren aller Meisterprüfungen und Aufstiegsfortbildungen wird es somit noch eine Weile dauern – auch wenn die Landesregierungen aus Niedersachsen und Schleswig Holstein sowie der Hamburger Senat eigenen Angaben zufolge auf dieses Ziel hinarbeiten.
Christoph Hendel