2018-11-14T12:49:28+0000

Bayern punktet bei Azubis

Landesinnungsmeister Thomas Schneider hob bei der Veranstaltung in Regensburg Anfang November die Bedeutung der Innungsbetriebe als „unverzichtbare Marktplayer“ bei der Durchsetzung betrieblicher Interessen hervor. Angesichts des auf Betriebsseite immer häufiger spürbaren Widerspruchs zwischen angespannter Finanzlage trotz voller Auftragsbücher mahnte er: „Der Stundensatz muss rauf. Den Steuerern muss klargemacht werden, dass eine weitere Nullrunde zu einem Sterben von Betrieben führt.“ Doch auch Betriebsinhaber sieht er in der Pflicht, durch gute Gehälter einer Abwanderung junger Gesellinnen und Gesellen in die Industrie entgegenzuwirken. In einer aktuellen Fragestunde stellten sechs Mitglieder aus den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Oberflächentechnik, Fahrzeugbau, Berufsbildung und Tarifsachen ihre Mitarbeit im Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) vor. ## Gegen den Bundestrend – Starke Zahlen bei den Azubis Dass engagierte Verbandsarbeit tatsächlich eine Trendwende bewirken kann, wurde anhand der von LIV-Geschäftsführer Robert Paintinger vorgestellten Zahlen aus der Nachwuchsarbeit deutlich. Nach seit Jahren rückläufigen Werten konnte der Verband bei den Lehrlingszahlen für 2017 einen deutlichen Anstieg verbuchen. Ganze 201 Azubis seien es
gewesen – das entspricht einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Stärkste Region war hier Südbayern mit 84 Neulehrlingen. Zum Vergleich: Auch auf Bundesebene verzeichnete die Branche hier – erstmals seit 2009 – wieder ein leichter Anstieg. Dieser fiel allerdings mit gerade einmal 1,1 Prozent neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (Quelle: Destatis) deutlich niedriger aus. ## Intensive Nachwuchs- und Öffentlichkeitsarbeit trägt Früchte Robert Paintingers detaillierter Bericht zu den auf verschiedenen Ebenen angesiedelten Aktivitäten des Verbands bei der Nachwuchsarbeit stellte klar, dass der kräftige Zuwachs alles andere als ein statistischer 'Ausreißer' ist. So könnten Betriebe etwa durch das verbandsinterne Wissensportal auf vollständig ausgearbeitete Konzepte zur Akquise von Lehrlingen zugreifen. Durch ganzjährige Teilnahme an Berufsbildungsmessen und Werbeaktionen sei es gelungen, die Begeisterung des LIV für die Themen Kfz und Karosserie zu transportieren und die regionale Bekanntheit zu steigern. Auch der starke Anstieg in Südbayern komme nicht von Ungefähr, habe man doch hier ein junges Akquiseteam eingeführt, um die Zielgruppe direkt in den Schulen anzusprechen. Mit einem speziellen Ausstellungsanhänger, der mit einer Werkstatteinrichtung und Flatscreen ausgestattet sein wird, will der LIV ab Dezember seine Öffentlichkeitsarbeit noch weiter intensivieren. „Wenn wir so weiterarbeiten, dann schafft sich unser Handwerk nicht ab“, lautete daher das Resümee des Geschäftsführers.
## Fachmesse und Diskussion zum Thema Euro-DFT in Schwandorf Seine Fortsetzung fand der bayerische Landesverbandstag am Folgetag in der Autogalerie Schwandorf. Dort hatten die Teilnehmer Gelegenheit, bei über 40 Werkstattausrüstern Informationen über die neuesten Technologien und Trends einzuholen. Der Fokus des Veranstaltungsprogramms lag beim Thema Fahrzeugelektronik. In dem Workshop „Alles Elektronik“ vermittelten Reinhard Beyer (HOB Unternehmensgruppe) und Ronny Reuter (Werkstattleiter Brinse GmbH) ihr Know-how bei der Nutzung des Diagnose- und Programmierungswerkzeugs EuroDFT. ## Reparieren bald nur noch im Verbund mit Programmieren möglich Das Mehrmarkengerät EuroDFT war auch Gegenstand der im Anschluss von Robert Paintinger moderierten Praxisbesprechung, an der die beiden Workshop-Referenten sowie Uli Becker (Inhaber Ostermeier GmbH) und Ulrich Bechmann (Innovation Group) teilnahmen. Schnell wurde dabei die existentielle Bedeutung der Elektronikkompetenz für freie Betriebe deutlich. Bereits heute sei bei moderneren Fahrzeugen kaum mehr eine Reparatur ohne Datenanalyse, Schnittstellenzugang und Programmierung möglich. „Sind wir tatsächlich in der Lage, dem Anspruch von Eurogarant zu entsprechen, jedes Fahrzeug zu reparieren?“, fragte Uli Becker daher in die Runde und berichtete vom anfänglich hohen Zeitaufwand bei der Kalibrierung.
## Anschaffungskosten und Einarbeitung erfordern Durchhaltevermögen Die beiden Workshop-Referenten berichteten von ähnlichen Erfahrungen, rieten aber zum Durchhalten. „Vieles ist selbsterklärend, aber man muss den Willen haben, sich mit der Materie auseinanderzusetzen“, stellte Ronny Reuter fest. Dies konnte auch Reinhard Beyer bestätigen, der dazu mahnte, diese Schlüsselkompetenz – trotz anfänglicher Hürden – nicht leichtfertig aus der Hand zu geben. Auch die erforderlichen Investitionen in die Technologie – rund 17.000 Euro für das Gerät, Stecker und Schulungen – sind keine Kleinigkeit. Hinzu kommt, dass den beiden Experten zufolge das EuroDFT keine 'Eine-Für-Alles-Lösung' ist. Auch in Zukunft sei hier der Einsatz weiterer Diagnose-Systeme erforderlich. ## Innovation Group bekräftigt Unterstützung beim Thema EuroDFT Was also ist zu tun und was hindert die Fahrzeughersteller daran, in Zukunft noch mehr Komponentenschutz in ihre Bauteile zu integrieren, der nur mit herstellerbasierter Software freigeschaltet werden kann? Ulrich Bechmann bekräftigte den Willen der Innovation Group zum Engagement in dieser Angelegenheit: „Wir wollen, dass der freie Betrieb ein Auto zu 100 Prozent reparieren kann, auch noch in fünf Jahren.“ Um dieses Ziel zu erreichen, versuche der Schadensteuerer nun,
„seinen Auftraggebern zu vermitteln, dass diese nun erst einmal investieren müssten, wenn sie das Potential der freien Werkstätten auch in Zukunft nutzen wollen.“ Zugleich gab der als Director Werkstattmanagement tätige Experte zu bedenken, dass ein Steuerer allein – etwa bei der Erhöhung von Stundensätzen – kaum etwas bewirken könne. Um Betriebe vor der Willkür der Industrie zu schützen, müssten ZDK und ZKF gemeinsam auf politischer Ebene ansetzen, da „die Politik es alleine nicht richten“ werde. Hierzu seien die Hersteller viel zu mächtig und zu gut vernetzt. ## Erste Gespräche zu Leistungsbausteinen noch im November Erneut bekräftigte der Experte die Pläne der Innovation Group, nach ‚vorne‘ denkende Betriebe durch zusätzliche Leistungsbausteine finanziell besser stellen zu wollen. Erste Einladungen zu Gesprächen fänden noch im November in Stuttgart statt, Zweitgespräche würden im ersten Quartal des kommenden Jahres folgen. Mit Blick auf das EuroDFT schloss Ullrich Bechmann mit den Worten: „Sie kommen um das Thema nicht herum – und wir werden es weiter unterstützen“.
Christoph Hendel