2018-03-07T12:36:03+0000
# „In Zukunft wird es weniger Reparatur-Ressourcen geben!“ **Der erweiterte Vorstand des Zentralverbandes hat sich in Sankt Goar zur Klausurtagung am Rhein zurückgezogen. Welche Themen wurden diskutiert?** Peter Börner: Wie in jedem Jahr gehen wir in Klausur ohne eine bestimmte Tagesordnung. Zweck ist, dass wir uns losgelöst von den Themen aus dem Tagesgeschäft grundsätzliche Gedanken über die Zukunft machen. Ein wichtiger Gast war in diesem Jahr DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann, der mit uns gemeinsam das erste Thema „DAT Kalkulationssystem“ eröffnet hat. Der ZKF wird die Kalkulationsdatenanbieter noch mehr fordern, die vollständigen und richtigen Herstellerinformationen zur Kalkulation bereitzustellen. Zweites großes Thema war die geplante enge Kooperation mit dem ZDK (Kraftfahrzeug-Gewerbe). Drittes Kernthema waren die nach wie vor ungerechtfertigte Rechnungskürzungen und zeitraubenden Diskussionen mit den Versicherungen sowie Prüfdienstleistern. Hier wird der ZKF nochmals aufrüsten und entschieden dagegen vorgehen. Viertes Thema war die zu planende Korrektur unserer Beitragsstruktur, welche seit über 27 Jahren unverändert ist und nicht mehr der Marktsituation entspricht. Alle Themen werden wir den Obermeistern am 13.03.2018 in Friedberg vorstellen und die geplanten Schritte für eine bessere Zukunft der Verbände diskutieren. **Wie geht es weiter mit der Agenda 2020? Welche Themen sind erledigt, was wird jetzt angepackt?**
Im Grunde sind alle Themen der Agenda 2020 aus dem Jahr 2014 nun abgearbeitet oder auf den richtigen Weg gebracht. Die Ergänzungen aus dem Jahr 2016 sind in der Bearbeitung und den großen Schritt der Europäischen Interessensbündelung bereiten wir gerade auch zusammen mit dem ZDK vor. Das Resümee des ZKF Vorstandes am vergangenen Samstag zur Agenda 2020 und dem Ende der Klausurtagung, war durchweg positiv. Als kleiner aber feiner Berufs- und Wirtschaftsverband haben wir viel erreicht und uns für die Zukunft sicher positioniert. Selbstverständlich geht es weiter mit Lösungen, Aufgaben und Herausforderungen, es lohnt sich für das Karosseriebauer-Innungsmitglied, auf die Meldungen des Verbandes zu achten. **Auf was müssen sich die Fachbetriebe für Unfallinstandsetzung vorbereiten, um die Veränderungen im Unfallschadenmarkt zu meistern?** Der ZKF Vorstand ist überzeugt, dass die nächste tiefgreifende Veränderung der Mangel an Fachkräften in unserer Branche ist. Durch diese Situation vermindern sich die Kapazitäten im Bereich „Unfallreparatur“ deutlich und einige Betriebe werden durch nicht vorhandene Nachfolge aus dem Markt ausscheiden. Beides zusammen bedeutet, dass die Unfallreparatur-Branche weniger Fahrzeuge reparieren kann, weil weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. Bei gleichzeitig steigenden Unfallschäden auf den Straßen, werden wir einen Kräftewechsel zwischen Angebot und Nachfrage erleben. Beides zusammen beeinflussen bekanntlich den Preis. Der ZKF muss sich in diesem Szenario auf weniger Mitglieder in den Innungen einstellen, was wir bereits seit Jahren in unseren Planungen vorgesehen haben.
**Im April startet eCall (europaweiter automatischer Notruf bei einem Autounfall) für neue Fahrzeuge. Spüren K&L-Betriebe die Auswirkungen und wenn ja ab wann oder aufgrund welcher Entwicklungen?** Bereits heute sind schon viele Fahrzeuge mit diesen Funktionen auf dem Markt, alle neuen kommen nun mit der Telematik-Funktion hinzu. Grundsätzlich begrüßen wir den eCall, denn jedes gerettete Menschenleben ist eine solche Entwicklung wert. Zum Thema permanente Datenübertragung des Fahrzeugzustandes an den Hersteller, der diese Daten für sich gerne alleine in Anspruch nehmen möchte, kämpfen wir gerade mit vielen Fachverbänden an unserer Seite in Brüssel dafür, dass dies gesetzlich nicht möglich sein wird. Zum einen muss das Fahrzeug die Daten auch an Server der After-Market-Branche senden können und zum anderen muss der After-Market auch auf dem Bildschirm des Fahrzeuges einen Zugang haben, um dem Fahrer seine besonderen Dienstleistungen anbieten zu können. Wir sind guter Hoffnungen, dass Verbraucherschützer uns unterstützen und der Markt sich hierdurch nicht zerteilen lässt. **Letzte Frage: Mitte Juni findet in Wolfsburg der ZKF-Branchentreff statt. Warum sollten sich Reparaturfachbetriebe anmelden und hinkommen?** Hierzu gibt es ganz sicherlich 100 wichtige Gründe. Entscheidend ist doch, dass wir den Verband weiterentwickeln und ihn in die Zukunft bringen. Jedes Mitglied hat Erwartungen an seine Innung, Landesverband oder den Zentralverband. Wir werden in Wolfsburg zwei entscheidende Beschlüsse in der Mitgliederversammlung treffen, die ausschlaggebend für die gesamte Struktur der Interessenvertretung unseres Verbandes sein werden. Mitentscheiden und die Zukunft des ZKF mitgestalten ist hier auf unserem Branchentreff möglich. Neben den vielen Workshops, dem Phaneo und den zahlreichen Themen in der Grundsatzrede, bestehen unzählig weitere Gründe, nach Wolfsburg zu kommen. Vielen Dank für unser Interview!
Christian Simmert