2017-05-17T09:25:43+0000
# Was kostet das Teil? Anfang Mai 2017 titelte die Bildzeitung: „Schluss mit dem Ersatzteilwucher!“ Die Meinungsmacher aus Hamburg thematisierten in ihrer Story die starken Unterschiede zwischen Ersatzteilpreisen von OE-Teilen des Automobilherstellers und Originalmarkenersatzteilen, die direkt vom Teilehersteller stammen. ## Tabuthema Ersatzteilpreise Tatsächlich driften die Teilepreise immer weiter auseinander. Gemeinsam mit dem Kfz-Teile-Spezialisten Coparts hat colornews.de | schaden.news ausgesuchte OE-Teile mit Originalmarkenersatzteilen verglichen und Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent festgestellt. In der Branche halten sich die Verbände dazu bedeckt. Das Statement vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) fällt auf Anfrage von colornews.de diplomatisch aus: „Autohäuser und Werkstätten sind in der Regel eigenständige Unternehmen, die ihre Preisgestaltung auch auf Basis der eigenen betrieblichen Kostenstrukturen vornehmen. Darüber hinaus müssen sie sich an den Preisvorgaben der Automobil- bzw. Teilehersteller orientieren.“ Der Gesamtverband Autoteile-Handel gab trotz Nachfrage keine Stellungnahme ab. ## Versicherer geben bei der Ersatzteilbeschaffung Gas In der Welt der Kfz-Versicherer feilt man derweil an eigenen Konzepten. Im Unfallschadenmarkt hat die Axa Versicherung seit einigen Wochen mit dem Ersatzteilvertrieb in Eigenregie über einen nordrhein-westfälischen Teilelieferanten begonnen.
Betriebe sollen hier über die Teileplattform Alpha Scale Germany bestellen, die erst im vergangenen September gegründet wurde und den Firmensitz unter der gleichen Adresse hat wie die Axa Versicherung. Mit der Freigabe der Kalkulation sendet die Axa im Schadenfall das entsprechende „Ersatzteil-Angebot“ an die Partnerwerkstatt. Die Bestellung sei „freiwillig“, wie Betriebe berichten. „Dennoch sieht die Axa es natürlich gerne, wenn über Alpha Scale Teile bezogen werden“, heißt es. Und weiter: Noch würden ausschließlich OE-Teile vertrieben. Wenn der Versicherer Identteile im Schadenfall verbauen lassen würde, müssten hierzu wohl zunächst nach Meinung von Experten die Policen entsprechend angepasst werden. Reparaturbetriebe sehen diese Entwicklung eher kritisch: „Wir glauben nicht, dass die Lieferung durch Versicherern so zeitnah erfolgen kann, wie sie in bei der Unfallschadenreparatur benötigt wird“, lautet die Einschätzung in den Betrieben. Zudem sei die zusätzliche Ersatzteilquelle mit weiterem unbezahltem Aufwand verbunden, der ohnehin immer stärker steige. ## Teilemarge in Gefahr? Der Preisanstieg von OE-Teilen schlägt bei Betrieben, trotz teilweise hoher Rabatte, offenbar auch auf den Umsatz durch. Ein Betriebsinhaber hat colornews.de in die Bücher schauen lassen. Dabei wird deutlich: Der Lohnanteil am Umsatz schrumpfte in den vergangenen Jahren immer stärker. Betrug der Umsatz durch verkaufte Stunden im Jahr 2010 noch 53 Prozent, so ist er im vergangenen Jahr auf 43 Prozent zurückgegangen. Materialeinsatz und Ersatzteilkosten kletterten auf einen Anteil von 57 Prozent. ## Der freie Markt ist näher dran
Der Kfz-Teile-Spezialist Coparts sieht die aktuelle Entwicklung im Teilemarkt gelassen. „Wir beobachten die Preisentwicklung natürlich genau, vor allem die hohen Rabatte, die bei OE-Verschleißteilen gegeben werden“, erklärt Andreas Brodhage, Geschäftsführer Global Automotive Service G.A.S., und ergänzt: „Den Einstieg von Versicherern in den Teilevertrieb werden sich die Automobilhersteller sicher nicht ohne weiteres gefallen lassen.“ Der freie Teilemarkt entwickelt sich sehr positiv. „Der freie Markt legt zu“, erklärt Andreas Brodhage. Entscheidender als die Preise sei aber vor allem der Service. „Heute kommt es vor allem auf die Liefergeschwindigkeit an. Der Preis steht eigentlich zu sehr im Fokus.“
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