2014-09-16T15:41:53+0000
# Unterschiedliche Werkstoffe: Herausforderungen steigen "Hat Stahl im Automobilbau in Zukunft noch eine Chance?" Unter diesem Motto fand am Dienstag ein Expertenmeeting im Rahmen der Automechanika statt. Aluminium, Carbon, Verbundsstoffe und höchstfester Stahl: Karosseriefachbetriebe bekommen es bei der Unfallschadenreparatur immer häufiger mit einem Mix aus verschiedenen Werkstoffen zu tun. Wie können sich die Werkstätten auf die neuen Herausforderungen einstellen? ## Anteil an Stahl-Mix-Konstruktionen nimmt zu Mit dieser Frage setzte sich Lars Böhmer, Referatsleiter und Geschäftsführer Nutzfahrzeuge vom Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF), in seinem Vortrag auseinander. Er schilderte den Ist-Zustand im modernen Fahrzeugbau: Der Anteil homogener Stahlkarosserien ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Vor allem handelt es sich dabei um ältere Fahrzeuge, die durch die Erfahrung der Fachkräfte einfach repariert werden können. Gleichzeitig nimmt jedoch der Anteil an Stahl-Mix-Karosserien immer mehr zu. Außerdem werden vor allem im industriellen Fahrzeugbau komplett neue Materialien verbaut. Dazu gehören zum Beispiel Composite, Stahllegierungen und bionische Verbundstoffe. Durch die neuen Materialien kommen Fügeverfahren verstärkt zum Einsatz. "Insbesondere sind Kleben und Laserschweißen als geeignete Fügeverfahren auf dem Vormarsch", erklärte der Experte. ## Herstellervorgaben einhalten Mehr als zwei Drittel aller Unfallschäden in Deutschland werden durch freie Karosserie-Fachbetriebe repariert. Diese müssen auf die Verwendung neuer Werkstoffe im Fahrzeugbau eingestellt sein.
Die Verwendung verschiedener Werkstoffe bringt Herausforderungen für den Instandsetzer mit sich. So müssen Materialarten und -güten erkannt und zugeordnet werden können. In unterschiedlichen Stahlsorten verwendete Fügetechnik ist nur durch Zerstörung trennbar. Unfälle mit auf den ersten Blick leichten Schäden können dennoch Verformungen der Karosserie verursacht haben. Eine Vermessung des Fahrzeugs ist hier somit zwingend erforderlich. Weiterhin sind Investitionen in modernste Werkstattausrüstung und Werkzeuge für den Karosseriebetrieb unerlässlich. ## Unterstützung durch ZKF Bei der Reparatur moderner Fahrzeuge gilt deshalb: "Die Einhaltung der Herstellervorgaben ist unerlässlich. Dies gilt auch für die ausschließliche Verwendung von zugelassenen Werkzeugen. Die Kommunikation mit den Herstellern ist enorm wichtig." Der ZKF unterstützt Karosseriebauer regelmäßig mit [Reparaturtipps](http://colornews.de/profitipps/zkf-tipps/) und einer technischen Hotline. [Darüber hinaus bietet der Verband in Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern zielgerichtet Lehrgänge für die Unfallinstandsetzung an.](http://www.zkf.de/Fahrzeugspezifische-Lehrgaenge.307.0.html) Ein weiteres Thema während des Experten-Meetings war die fügetechnische Weiterverarbeitung moderner Stahlwerkstoffe, beleuchtet durch Professor Wilko Flügge, Leiter Fügetechnik bei der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH. Dr. Björn Strecker, Leiter Produktentwicklung der Henkel AG & CO. KGaA, beschäftigte sich mit der Fage, ob durch die Verwendung höchstfester Stähle künftig bei der Reparatur vermehrt geklebt werden muss. Frank Raspe, Verkaufsleiter Karosserie-Reparatursysteme bei der GYS GmbH, stellte neue Fügetechniken vor und beleuchtete den Einsatz von Schweiß- und Lötgeräten.
Ina Otto
Lesens Wert

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