2026-10-28T10:35:02+0000

„Keine Panik“: Bayerischer Landesverbandstag zeigt Chancen für kleine und große Betriebe

Betriebsübergabe, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und vielfältige Geschäftsfelder im Karosserie- und Fahrzeugbau: Beim Landesverbandstag Bayern am 16. und 17. Oktober in Mainleus zeigte der Landesinnungsverband für Karosserie- und Fahrzeugbauer Bayern, wie unterschiedlich Betriebe ihre Zukunft gestalten können. Im Fokus standen Praxisbeispiele, neue Technologien und individuelle Wege zum unternehmerischen Erfolg. Die zentrale Botschaft lautete: „Keine Panik“. Statt allgemeiner Krisenstimmung setzte der Verband auf konkrete Beispiele aus der Branche. Sie zeigten, dass sowohl kleine Familienbetriebe als auch größere, stark industrialisierte Unternehmen ihre Chancen nutzen können – wenn sie ihre Stärken kennen, sich weiterentwickeln und ihren eigenen Weg finden. „Es gibt für jede Ausgangssituation eine Lösung“, fasste Robert Paintinger, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands, im Gespräch mit schaden.news einen der zentralen Gedanken der Veranstaltung zusammen. ## Mitgliederversammlung: Betriebsübergabe im Fokus Bereits die Mitgliederversammlung am Freitag setzte wichtige Impulse. Zum Auftakt hielt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein mitreißendes Plädoyer für das Handwerk und dessen Zukunftsperspektiven. Anschließend berichteten Arndt Hürther über seine Arbeit als Präsident im Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) und Landesinnungsmeister Thomas Schneider über landesspezifische und übergeordnete Verbandsthemen. Ein Schwerpunkt des Programms war die Betriebsübergabe. Vier Unternehmer berichteten, wie sie unterschiedliche Nachfolgesituationen gelöst hatten. Die Beispiele reichten von der Übernahme durch einen langjährigen Mitarbeiter, der nicht über ausreichend Kapital für einen klassischen Unternehmenskauf verfügte. Für Robert Paintinger war vor allem die Bandbreite der vorgestellten Lösungen entscheidend. Nicht jede Betriebsübergabe müsse nach demselben Schema ablaufen. Wichtig sei vielmehr, die passende Konstruktion für die jeweilige Ausgangssituation zu finden. Zugleich unterstrich er die Bedeutung fachkundiger Beratung. ## Landesverbandstag zu Gast bei Hofmann Fahrzeugbau Beim Landesverbandstag am Samstag rückten die wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen der Branche in den Mittelpunkt. Die Hofmann Fahrzeugbau GmbH in Mainleus bot dafür den perfekten Rahmen Das Unternehmen von Peter und Monika Hoffmann ist auf individuelle Fahrzeuglösungen spezialisiert – von Sonderfahrzeugen bis
hin zu aufwendigen Motorsport-Aufbauten. Beide engagierten sich mit großem Einsatz für die Ausrichtung der Veranstaltung, wie auch Robert Paintinger hervorhebt: „Ein besonderer Dank gilt Peter und Monika Hofmann, die den Landesverbandstag mit einem unglaublichen Engagement begleitet haben.“ ## Expertenrunden zu Markt, Nachhaltigkeit und Energie Zwei einstündige Panelrunden bildeten den fachlichen Kern des Programms. Dazwischen blieb ausreichend Zeit für den Besuch der begleitenden Fachmesse, auf der sich rund 40 Aussteller präsentierten. Im ersten Panel stand die Entwicklung des Reparaturmarkts, Nachhaltigkeit, Energieversorgung und die Perspektiven im Nutzfahrzeuggeschäft im Fokus. Thorsten Stünkel von der HUK-Coburg sprach über die Marktentwicklung und die Zusammenarbeit mit Reparaturbetrieben. Dabei betonte er das Potenzial für gut aufgestellte und digitalisierte Unternehmen. Dominik Hertel von net.casion brachte das Thema Nachhaltigkeit und den auf der Automechanika in Frankfurt erstmals vorgestellten Nachhaltigkeitsstandard Zyrcle in die Diskussion ein. Dabei ging es um die Frage, welchen Stellenwert Nachhaltigkeitszertifizierungen künftig in der Kfz-Reparatur einnehmen. Günther Karp von E. Optimum beleuchtete die Entwicklung der Energieversorgung. Seine Einschätzung: Die Elektrifizierung werde sowohl im Verkehr als auch bei Gebäuden weiter voranschreiten. Wie sich Betriebe im Nutzfahrzeugbau behaupten können, erläuterte Dierk Conrad, Geschäftsführer Nutzfahrzeuge beim ZKF. Die Margen seien in diesem Bereich häufig gering. Chancen entstünden jedoch dort, wo Unternehmen sich auf spezielle Leistungen konzentrierten und einen Wettbewerbsvorsprung aufbauten. ## Vom kleinen Familienbetrieb bis zur industriellen Lackierstraße Besonders anschaulich wurde das Motto „Keine Panik“ in der anschließenden Praxisrunde. Unter dem Titel „Aus der Praxis für die Praxis“ berichteten diesmal Betriebe, die außerhalb Bayerns ansässig sind, von ihren Erfahrungen und Geschäftsmodellen. Den Anfang machen Lea und Stefan Rinas von der Firma Hänssler. Sie zeigten, dass Innovation keine Frage der Betriebsgröße sein muss. Der traditionsreiche Familienbetrieb mit neun Mitarbeitern hat früh auf neue Technologien gesetzt und [als einer der ersten Betriebe in Deutschland einen Lackierroboter eingesetzt. ](https://schaden.news/de/article/link/44901/erster-lackierroboter-in-deutschem-betrieb-haenssler-rinas) Einen deutlich anderen Weg stellte Maximilian Mälzer, Geschäftsführer des Leipziger Fullservice-Betriebes isicar vor. [In seiner 2025 in Betrieb genommenen Lackierhalle setzt er auf automatisierte und industrialisierte Reparaturprozesse, geht dabei teils außergewöhnliche Wege und setzt außerdem stark auf KI. ](https://schaden.news/de/article/link/45154/zusammenfassung-web-tv-sendung-juli) Der dritte Praxisbeitrag führte in den spezialisierten Nutzfahrzeugbau. Hendrik Scheppler, Geschäftsführer der Carl Friederichs GmbH, berichtete über den Bau gepanzerter Fahrzeuge und individuelle Fahrzeuglösungen für internationale Märkte. Das
Unternehmen fertigt unter anderem speziell geschützte Geländewagen und Einsatzfahrzeuge, die auf besondere Anforderungen zugeschnitten sind. Die Geschäftsentwicklung kann dabei stark schwanken. Entscheidend sei, solche Zyklen zu kennen und auszuhalten. Die drei Beispiele machten deutlich, wie unterschiedlich unternehmerischer Erfolg aussehen kann: durch technische Innovation im kleinen Betrieb, durch konsequente Prozessindustrialisierung oder durch die Spezialisierung auf anspruchsvolle Nischenmärkte. ## Fachmesse und Leistungsschau vervollständigten das Programm Neben den Vorträgen und Diskussionsrunden bot der Landesverbandstag eine Fachmesse mit rund 40 Ausstellern aus den Bereichen Karosserie, Lack und Fahrzeugbau. Eine besondere Rolle spielte dabei die Leistungsschau im Fahrzeugbau. Die Firma Hoffmann zeigte, wie breit das Spektrum des Gewerks ist – von aufwendigen Spezialfahrzeugen bis zu komplexen Aufbauten für den Motorsport. Auch die Carl Friederichs GmbH gab Einblicke in den Bau gepanzerter Fahrzeuge. Anhand von Anschauungsobjekten und Filmmaterial wurde deutlich, welchen Belastungen solche Fahrzeuge bei Beschuss- und Sprengtests standhalten müssen. Für den Landesinnungs-Geschäftsführer Robert Paintinger ist gerade dieser Blick über das klassische Unfallreparaturgeschäft hinaus wichtig. Fahrzeugbau zeige, wie viel technisches Know-how und handwerkliche Präzision im Gewerbe stecken – und welche Geschäftsmöglichkeiten entstehen, wenn Betriebe besondere Kompetenzen aufbauen. ## „Eine der innovativsten und informativsten Veranstaltungen im süddeutschen Raum“ Für Robert Paintinger liegt die Stärke des Landesverbandstags darin, unterschiedliche Wege für die Zukunft aufzuzeigen, statt eine Strategie für alle vorzugeben. Die Beispiele aus Mainleus machten deutlich: Nicht jeder Betrieb muss industrialisieren oder wachsen. Entscheidend ist, die eigenen Stärken zu kennen, Veränderungen aktiv anzugehen und Chancen zu nutzen. Damit war „Keine Panik“ mehr als ein Motto – die Veranstaltung zeigte, wie Betriebe von der Nachfolge über Digitalisierung und Nachhaltigkeit bis hin zu spezialisierten Geschäftsfeldern ihren eigenen Weg finden können. Rückblickend war der Landesverbandstag aus Sicht des Geschäftsführers ein voller Erfolg und „eine der innovativsten und informativsten Veranstaltungen im süddeutschen Raum.“ Damit das auch künftig so bleibt, tüfteln die Veranstalter bereits jetzt an Konzepten und Ideen für 2027.
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