2026-10-07T09:30:54+0000

Purmann Karosseriebau: Zwei Brüder in dritter Generation

Über 50 Jahre Familiengeschichte, drei Generationen und ein klares Bekenntnis zur Zukunft: Die Purmann Karosseriebau GmbH in Haibach bei Aschaffenburg entwickelt ihren Betrieb seit fünf Jahrzehnten konsequent weiter. Heute führen die Brüder Johannes und Lucas Purmann das Unternehmen Schritt für Schritt in die nächste Generation – mit klar verteilten Aufgaben, kontinuierlichen Investitionen und einem starken Netzwerk im Rücken. ## Von der ehemaligen Scheune zum Full-Service-Betrieb Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Unternehmens vor mehr als 50 Jahren. Anfang der 70er-Jahre eröffnete Karosseriebaumeister Emil Purmann in einer ehemaligen Scheune einen Fachbetrieb für Karosseriearbeiten. Mit wachsendem Kundenstamm folgte 1980 nicht nur der Neubau im Gewerbegebiet Haibach, sondern auch die Überführung in die heutige GmbH und die Erweiterung der Serviceleistungen auf Lackierarbeiten. 1995 übernahm Sohn Klaus Purmann den Betrieb und führte den eingeschlagenen Weg fort. Ausbildung spielte dabei von Anfang an eine zentrale Rolle. Zahlreiche Auszubildende schlossen ihre Lehre mit Spitzenleistungen ab, viele blieben dem Unternehmen bis heute treu. ## Die dritte Generation übernimmt Verantwortung Mit Johannes Purmann stieg 2015 die dritte Generation in den Familienbetrieb ein. Der Karosseriebaumeister und ehemalige Bundessieger verantwortet heute den Werkstattbereich. Sein Bruder Lucas kam einige Jahre später dazu und kümmert sich um Organisation, Administration und betriebswirtschaftliche Themen. Die Rollen sind klar verteilt: „Mein Bruder konzentriert sich auf Karosserie und Lackierung. Ich halte ihm im Büro den Rücken frei“, beschreibt Lucas Purmann im Gespräch mit schaden.news das Zusammenspiel. Von Terminplanung über Versicherungen bis zu Stellungnahmen gegenüber Schadensteuerern übernimmt er die administrativen Aufgaben, damit sich Johannes auf das Werkstattgeschäft konzentrieren kann. ## Loslassen gehört zur Nachfolge dazu Für Mutter Monika Purmann bedeutet der Generationenwechsel vor allem eines: Vertrauen. Gemeinsam mit ihrem Mann zieht sie sich Schritt für Schritt zurück. „Planung und Investitionen überlassen wir den Jungs“, sagt sie. Die Eltern unterstützen noch dort, wo Hilfe gebraucht wird – in der Buchhaltung, am Telefon oder wenn kurzfristig ein Fahrdienst übernommen werden muss. Die Entscheidungen treffen inzwischen Johannes und Lucas. Dass eine Unternehmensnachfolge Zeit braucht, erleben die Purmanns seit mehreren Jahren. Gesellschaftsrecht, Steuerfragen und der laufende Betrieb machen den Prozess komplex. Trotzdem steht für alle Beteiligten fest, wohin die Reise geht: Der Familienbetrieb soll auch in Zukunft unabhängig bleiben. ## Zukunft entsteht Schritt für Schritt Große Erweiterungsflächen gibt es am Standort nicht mehr. Deshalb setzen die Purmann-Brüder auf kontinuierliche Modernisierung. „Wir müssen mit dem arbeiten,
was wir haben. Also modernisieren und austauschen, wo es sinnvoll ist“, beschreibt Lucas Purmann den Weg. Seit 2015 investierte der Betrieb daher unter anderem in zusätzliche Hebebühnen, 3D-Karosserievermessung, moderne Sozialräume, LED-Beleuchtung. Die Umstellung auf die Basislackreihe 100 von Glasurit im letzten Jahr soll zudem auch die Prozesse in der Lackiererei beschleunigen und gleichzeitig für mehr Nachhaltigkeit und weniger Materialeinsatz sorgen. Weitere Projekte sind bereits geplant – von einer KI-gestützten Werkstattplanung bis zu einem Batteriespeicher zur Absicherung der Energieversorgung. ## Ein Netzwerk, das Generationen verbindet Impulse für Veränderungen erhält der Familienbetrieb dabei seit vielen Jahren auch innerhalb des Werkstattnetzwerks ColorMotion von Lacklieferant von Glasurit. Seit über 20 Jahren sind die Purmanns bereits Mitglied. Schon Mutter Monika Purmann nutzte den Austausch intensiv – Seminare, Unternehmertreffen oder kleine Arbeitsgruppen gehörten für sie zum festen Bestandteil der Unternehmensentwicklung. „Wir haben dort viel gelernt, ein deutschlandweites Netzwerk aufgebaut und vor allem auch gemerkt: Andere Betriebe stehen vor den gleichen Herausforderungen wie wir“, erinnert sie sich. Die Gespräche mit anderen Unternehmerfamilien und „der Blick über den Tellerrand“ seien daher immer besonders wertvoll gewesen. Mit dem Generationenwechsel verändert sich auch das Netzwerk. Heute übernimmt Johannes Purmann diese Rolle. Er engagiert sich im Jungunternehmerkreis von ColorMotion und baut dort seine eigenen Kontakte auf. „Sobald sich etwas anbietet, fahre ich mit“, betont Johannes Purmann gegenüber schaden.news. Besonders schätzt er den direkten Austausch. „Über die WhatsApp-Gruppe der Jungunternehmer bekommt man unheimlich viel mit. Jeder hat andere Herausforderungen. Man hilft sich gegenseitig und findet gemeinsam Lösungen.“ Für die Familie Purmann ist das Netzwerk deshalb weit mehr als ein Weiterbildungsformat. Es ist ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Unternehmensführung. ## Handwerk mit Haltung Heute beschäftigt die Purmann Karosseriebau GmbH 16 Mitarbeitende. Monatlich durchlaufen rund 60 bis 80 Fahrzeuge den Betrieb. Etwa 80 Prozent des Geschäfts entfallen auf Versicherungsschäden, gleichzeitig setzt das Unternehmen bewusst auf den direkten Kontakt zu seinen langjährigen Privatkunden. Besonders wichtig bleibt für die Familie Purmann die Ausbildung und das familiäre Miteinander. Aktuell lernen fünf Auszubildende in den Bereichen Karosserie- und Fahrzeugbautechnik, Fahrzeuglackierung sowie Kfz-Mechatronik ihr Handwerk. Viele ehemalige Auszubildende sind dem Betrieb über Jahre treu geblieben, manche kehrten nach Stationen in anderen Unternehmen sogar zurück. „Wir können Gott sei Dank unsere Leute halten“, sagt Lucas Purmann. Für ihn ist das ein Zeichen, dass sich die Mitarbeitenden im Betrieb wohlfühlen. Wie in vielen Betrieben deutschlandweit beschäftigen der Fachkräftemangel, die steigende Bürokratie und wachsender Kostendruck auch den Familienbetrieb in Haibach. Trotzdem blicken Johannes und Lucas Purmann nach vorn. Sie setzen nicht auf schnelles Wachstum, sondern auf qualifizierte Mitarbeiter, kontinuierliche Investitionen und klare Prozesse. Mehr als 50 Jahre nach der Gründung steht Purmann damit für einen Familienbetrieb, der seine Wurzeln kennt, Verantwortung weitergibt und Zukunft als täglichen Auftrag versteht.
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