2026-09-23T09:54:10+0000

Abschiedsinterview mit Peter Ringhut: „Die Haltung bleibt“

_Zum 30. September 2026 zieht sich Peter Ringhut aus dem operativen Geschäft von WERBAS//KSR zurück. Ein Schritt, der lange vorbereitet wurde. Im Interview spricht er darüber, wie aus einem konkreten Problem in einer Lackierwerkstatt eine Softwarelösung entstand, was sich in mehr als drei Jahrzehnten Werkstattsoftware verändert hat, warum WERBAS und KSR für ihn ein „Perfect Match“ sind und weshalb Anwender und Partner dem Generationswechsel mit Zuversicht begegnen können._ __Herr Ringhut, am 30. September endet Ihre operative Zeit bei WERBAS//KSR. Wie fühlt sich dieser Schritt für Sie an?__ __Peter Ringhut:__ Es ist vor allem ein klarer Abschluss. Wir haben diesen Übergang über mehrere Jahre vorbereitet und meine Aufgaben Schritt für Schritt auf andere Personen übertragen. Irgendwann muss man dann auch wirklich loslassen. Ich habe meine Arbeit immer sehr gerne gemacht. Gerade deshalb war es nicht immer einfach, sich bei Entscheidungen bewusst zurückzunehmen. Aber das gehört zu einer guten Übergabe. Heute weiß ich: Die Verantwortlichkeiten sind verteilt, das Unternehmen ist gut aufgestellt und die nächste Generation kann ihren eigenen Weg gehen. __Wie sind Sie damals überhaupt auf die Idee gekommen, Software für Karosserie und Lackierbetriebe zu entwickeln?__ __Peter Ringhut:__ Eigentlich durch einen konkreten Bedarf aus der Praxis. Rolf König und ich haben 1989 gemeinsam angefangen. Wir kamen aus der Technik und beschäftigten uns zunächst mit Hardware und Dienstleistungen rund um Computer. Eine Werkstattsoftware zu entwickeln, war gar nicht unser Plan. Über einen Kontakt aus einer Meisterausbildung lernten wir einen Lackierbetrieb kennen. Dort zeigte man uns, wie aufwendig die Kalkulation damals war: umfangreiche Schwacke-Listen, Tabellen, Taschenrechner und jede Menge Papier. Die Frage war: Kann man das nicht einfacher am Computer abbilden? Wir haben gesagt: Wir probieren es. So sind wir Schritt für Schritt in die Branche hineingewachsen. Später kam auch Marco Senger als Vertriebsleiter und Geschäftsführer dazu, den ich aus meiner Studienzeit kannte. Wir waren ein kleines Team und mussten vor allem eines lernen: verstehen, wie die Menschen in den Betrieben tatsächlich arbeiten. __Wenn Sie zurückblicken: Wie weit ist die Branche seitdem gekommen?__ __Peter Ringhut:__ Sehr weit. Am Anfang ging es im Grunde darum, eine Rechnung einfacher erstellen zu können. Arbeitszeiten, Teilepreise und Lackierpositionen standen in umfangreichen Tabellen. Vieles wurde mit Papier, Bleistift und Taschenrechner erledigt. Dann kamen grafische Systeme, digitale Schadenfotos, Schnittstellen und später die Vernetzung über das Internet hinzu. Aus einzelnen Funktionen wurden komplette Prozesse. Relativ früh war für uns klar: Es reicht nicht, nur eine Rechnung oder einen Kostenvoranschlag digital abzubilden. Sobald Freigaben, Termine, Schadenbilder oder Auftraggeber ins Spiel kommen, müssen Sie den gesamten Ablauf betrachten. __Gab es einen Moment, an dem Sie bewusst ein größeres technologisches Risiko eingegangen sind?__ __Peter Ringhut:__ Ja, mit dem Wechsel zu Windows 3.1. Unsere erste Lösung basierte noch auf einer textorientierten DOS Umgebung. Als die grafische Windows Oberfläche kam, haben wir uns entschieden, die bestehende Lösung nicht einfach weiterzuführen, sondern komplett neu anzufangen. Das war für ein kleines Unternehmen ein großer Schritt. Aber der Zeitpunkt war richtig. Wir konnten Fahrzeuge und Bauteile grafisch darstellen und Abläufe für den Anwender verständlicher machen. Das hat uns im Markt
sichtbar gemacht und Türen zu Partnern wie Eurotax Schwacke und DAT geöffnet. Für mich war das eine wichtige Erfahrung: Manchmal muss man eine funktionierende Lösung bewusst hinter sich lassen, wenn sich die technischen Möglichkeiten grundlegend verändern. __Ist dieses Denken in Prozessen etwas, das WERBAS//KSR bis heute prägt?__ __Peter Ringhut:__ Absolut. Technik allein interessiert den Anwender am Ende nicht besonders. Er möchte wissen: Hilft mir das bei meiner täglichen Arbeit? Spare ich Zeit? Wird ein Ablauf einfacher? Habe ich die Informationen dann zur Verfügung, wenn ich sie brauche? Das ist für mich bis heute der Maßstab. Wenn eine neue Technologie im Werkstattalltag keinen spürbaren Nutzen bringt oder zu kompliziert ist, wird sie sich nicht durchsetzen. __Was haben Sie dabei von den Werkstätten gelernt?__ __Peter Ringhut:__ Vor allem eines: Es gibt immer Sonderfälle. Am Schreibtisch können Sie einen Prozess noch so logisch durchdenken. Dann gehen Sie in einen Betrieb und stellen fest, dass dort aus guten Gründen etwas ganz anders gemacht wird. Deshalb muss man den Menschen zuhören. Gleichzeitig darf man nicht jede einzelne Anforderung eins zu eins in Software übersetzen. Entscheidend ist, das eigentliche Problem dahinter zu verstehen. Manchmal wird eine bestimmte Funktion verlangt, obwohl eine andere Lösung den Arbeitsalltag viel stärker verbessert. __Bleibt diese Nähe zur Werkstatt auch nach Ihrem Ausscheiden erhalten?__ __Peter Ringhut:__ Davon bin ich überzeugt. Diese Haltung hängt heute nicht mehr an Peter Ringhut oder an einer einzelnen Person. Sie steckt in den Teams, in den Produkten und in der Art, wie wir mit Kunden arbeiten. Was ich aufgebaut und mitgeprägt habe, ist heute fest in der DNA von WERBAS//KSR verankert. Besonders die Frage: Was braucht der Anwender wirklich? Die Person Peter Ringhut zieht sich zurück. Die Haltung bleibt. __Ein wichtiger Schritt der vergangenen Jahre war die Fusion von WERBAS und KSR. Warum hat diese Verbindung aus Ihrer Sicht funktioniert?__ __Peter Ringhut:__ Weil sich beide Unternehmen fachlich hervorragend ergänzt haben. WERBAS hatte seine Stärken vor allem in Service, Mechanik, Nutzfahrzeugen und weiteren Bereichen des Werkstattmarktes. Wir bei KSR kamen sehr stark aus Karosserie und Lackierung, Schadenabwicklung, Schadensteuerung und der Zusammenarbeit mit Versicherungen. Gleichzeitig waren rund 70 bis 80 Prozent unserer grundlegenden Anforderungen vergleichbar. Trotzdem standen wir praktisch nie im direkten Wettbewerb, weil wir unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Für mich war das deshalb ein Perfect Match. Heute kommt dieses Wissen zusammen und wir können Werkstattprozesse umfassender betrachten, als es beide Unternehmen für sich allein konnten. __Was kann WERBAS//KSR heute leisten, das die beiden Unternehmen einzeln so nicht konnten?__ __Peter Ringhut:__ Wir sind breiter aufgestellt. Heute sprechen wir von einem Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitenden. Dadurch können wir Wissen und Verantwortung auf mehr Köpfe verteilen und Spezialisten für Themen einsetzen, die ein kleineres Unternehmen nicht in derselben Tiefe abdecken kann. Das wird immer wichtiger. Software muss stärker vernetzt sein, mobil funktionieren und zunehmend aus der Cloud verfügbar sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an IT-Sicherheit, Infrastruktur und Entwicklung. Hinzu kommt Künstliche Intelligenz. Sie verändert bereits heute, wie Software entwickelt
und künftig genutzt wird. Gerade bei unserer Neuentwicklung NXT arbeiten die Teams teilweise völlig anders als früher. Auch das Know how innerhalb der GENII Software Group hilft uns dabei. Wir können Ressourcen bündeln und müssen bestimmte Dinge nicht mehr zweimal entwickeln. __Steht die Branche damit wieder vor einem technologischen Umbruch?__ __Peter Ringhut:__ Ich glaube schon. Als Windows kam, eröffneten grafische Oberflächen völlig neue Möglichkeiten. Mit dem Internet wurden Anwendungen und Prozesse unabhängig vom einzelnen Arbeitsplatz. Heute verändern Cloud und Künstliche Intelligenz erneut, wie wir Software entwickeln und nutzen. Aber bei aller Technologie bleibt für mich dieselbe Frage entscheidend: Was bringt das dem Anwender? Eine Technologie ist sinnvoll, wenn sie einen Ablauf einfacher macht, Zeit spart oder Informationen besser verfügbar macht. Technologie darf nie Selbstzweck sein. __Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Ihre Übergabe?__ __Peter Ringhut:__ Weil das der Plan war. Nach der Fusion 2022 haben wir einen langfristigen Fahrplan entwickelt. Dazu gehörten die Fusion, die Zusammenführung von Strukturen und Abteilungen, gemeinsame Prozesse und Werkzeuge sowie die Weiterentwicklung unserer Produkte. Ein wichtiger Teil davon war, Wissen und Verantwortung bewusst auf mehrere Köpfe zu verteilen. Produktentwicklung, Produktmanagement und viele andere Bereiche werden längst von Spezialisten und Teams getragen. Auch meine Aufgaben übernimmt nicht einfach eine einzelne Person. Die Verantwortung ist heute auf mehrere Personen verteilt. Das halte ich für wichtig. Ein Unternehmen sollte nicht zu stark von einzelnen Köpfen abhängig sein. Deshalb kann dieser Übergang jetzt aus einer Position der Stärke heraus stattfinden. __Was bedeutet das konkret für Anwender und Partner?__ __Peter Ringhut:__ Vor allem Kontinuität. Die Ansprechpartner bleiben. Das Wissen bleibt. Die Teams bleiben. Und auch die Nähe zum Markt bleibt. Gleichzeitig gibt es neue Verantwortlichkeiten und neue Ideen. WERBAS//KSR beginnt nach meinem Ausscheiden nicht wieder bei null. Das Unternehmen baut auf dem auf, was in den vergangenen Jahren gemeinsam geschaffen wurde. __Was darf die nächste Generation anders machen und was muss bleiben?__ __Peter Ringhut:__ Sie darf sehr viel anders machen. Es wäre falsch, einfach alles genauso weiterzuführen wie früher. Technologien verändern sich und auch die Anforderungen der Betriebe verändern sich. Bleiben müssen die Nähe zu den Kunden, das Verständnis für die Werkstattrealität und der persönliche Umgang miteinander. Wer verstehen will, was ein Betrieb braucht, muss zuhören und die Abläufe kennen. Das kann man nicht vollständig aus einer theoretischen Prozessbeschreibung ableiten. __ Wenn der Blick zurück gleichzeitig ein Blick voraus ist: Worauf schauen Sie bei WERBAS//KSR besonders gespannt?__ __Peter Ringhut:__ Auf die Möglichkeiten, die jetzt entstehen. Wir kommen aus einer Zeit, in der Digitalisierung bedeutete, Papier und Taschenrechner durch einen PC zu ersetzen. Heute sprechen wir über vernetzte Prozesse, mobile Anwendungen, Cloudlösungen und Künstliche Intelligenz. Mit der heutigen Größe und dem Wissen, das auf viele Köpfe verteilt ist, hat WERBAS//KSR gute Voraussetzungen, diesen Wandel mitzugehen. Aber eine Sache verändert sich nicht: Am Ende muss eine Lösung dem Menschen in der Werkstatt helfen. __Und worauf freuen Sie sich persönlich?__ __Peter Ringhut:__ Auf mehr Zeit. Für Familie und Freunde, für Reisen und natürlich auch für mein Boot. Nach vielen Jahren mit hoher operativer Verantwortung ist es ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich mich künftig nicht mehr in jede wichtige Entscheidung einbringen muss. Ich kann jetzt etwas abgeben, das mich sehr lange begleitet hat. Und ich kann das mit einem guten Gefühl tun. Peter Ringhut übergibt die operative Verantwortung. Was bleibt, ist seine Haltung: nah an der Werkstatt, offen für Veränderung und überzeugt davon, dass Technologie immer dem Menschen dienen muss. Eine Haltung, die längst Teil der DNA von WERBAS//KSR geworden ist.