2026-08-19T09:20:48+0000

E-Autos: Boom im Privat- und Gebrauchtwagenmarkt

Stromer kommen im Bestand an. 29,3 Prozent der Pkw-Neuzulassungen waren im Juli batterieelektrisch, gleichzeitig erreicht der Umstieg privater Halter neue Höchstwerte. Der Trend, der sich seit Jahresbeginn verstetigt, dürfte damit auch für den Unfallreparaturmarkt zunehmend relevant werden. ## Trend verstetigt sich Die aktuellen Zahlen sind vor allem eine Bestätigung der Entwicklung, die sich bereits seit Jahresbeginn verstetigt. Nach den vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veröffentlichten Zulassungszahlen wurden in Deutschland von Januar bis Juli 2026 insgesamt 446.615 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 50,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Juli kamen 78.609 BEV hinzu. Im Juli erreichte der Anteil reiner Elektroautos an den Pkw-Neuzulassungen nach KBA-Angaben 29,3 Prozent. Damit lag der BEV-Anteil auf einem Rekordniveau für einen Juli. Die Zahl wird sowohl von Dataforce als auch vom Center of Automotive Management (CAM) in den aktuellen Auswertungen verwendet. Dataforce spricht für Juli vom höchsten Elektro-Marktanteil, den das Unternehmen für diesen Monat bislang registriert hat. ## CAM prognostiziert bis zu 850.000 neu zugelassene BEV in 2026 CAM beobachtet und analysiert die Entwicklung der Elektromobilität nicht nur in Deutschland, sondern auch in wichtigen internationalen Automobilmärkten. Auf Basis der aktuellen Markt- und Absatzzahlen erstellt das Institut von Prof. Dr. Stefan Bratzel Hochrechnungen für die weitere Entwicklung. Für Deutschland korrigiert CAM seine Prognose für 2026 nun nach oben. Das Institut erwartet 825.000 bis 850.000 neu zugelassene BEV, was einem Anteil von rund 28 Prozent am deutschen Pkw-Neuzulassungsmarkt entsprechen würde. Als Gründe für die aktuelle Dynamik nennt CAM unter anderem die größere Auswahl an Elektromodellen, die neue Förderkulisse und die hohen Kraftstoffpreise. Damit bestätigt auch die Prognose des Instituts: Die Entwicklung ist nicht auf einzelne starke Zulassungsmonate begrenzt, sondern hat sich über das bisherige Jahr verfestigt. ## Privatmarkt: Jeder Achte sattelt auf E-Auto um Noch deutlicher wird die Dynamik beim Blick auf die tatsächlichen Fahrzeugwechsel privater Halter. Das aktuelle HUK-E-Barometer für das zweite Quartal 2026 weist hier einen neuen Höchstwert aus: 12 Prozent aller Fahrzeugwechsel im HUK-Bestand führten von einem Verbrenner auf ein reines Elektroauto. Zu Jahresbeginn, im Januar und Februar, hatte die Quote noch bei 6,3 Prozent gelegen. Damit hat sich der Anteil innerhalb weniger Monate nahezu verdoppelt. HUK führt die Entwicklung unter anderem auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise sowie die seit Mai beantragbare staatliche E-Auto-Förderung zurück. Eine repräsentative Befragung
im Rahmen des E-Barometers liefert dazu einen weiteren Hinweis: 24 Prozent der Führerscheinbesitzer geben an, aufgrund der Entwicklung der Kraftstoffpreise seit Beginn des Iran-Krieges erstmals über die Anschaffung eines reinen Elektroautos nachgedacht oder einen geplanten Kauf vorgezogen zu haben. Besonders stark ist die Dynamik bei Vielfahrern. Bei Autofahrern mit einer Jahresfahrleistung von mehr als 12.000 Kilometern liegt die Umstiegsquote laut HUK bei 14,7 Prozent, bei Fahrern mit bis zu 6.000 Kilometern bei 8 Prozent. ## Gebrauchte Stromer gewinnen an Bedeutung Eine weitere Erkenntnis des aktuellen HUK-E-Barometers ist für die Entwicklung des Fahrzeugbestands besonders relevant: Die Umstiege auf gebrauchte Elektroautos nahmen im zweiten Quartal stärker zu als die Wechsel auf elektrische Neuwagen. Bei den Vielfahrern lag die Umstiegsquote auf einen gebrauchten Stromer bei 10,7 Prozent, bei Fahrern mit geringerer Jahresfahrleistung bei 4,5 Prozent. Damit gewinnt der Gebrauchtwagenmarkt für den E-Hochlauf an Bedeutung. Ein möglicher Grund: Gebrauchte E-Autos sind kurzfristig verfügbar, während bei Neuwagen Bestell- und Lieferzeiten eine Rolle spielen können. Die HUK-Daten zeigen allerdings zunächst die Entwicklung der Wechselquoten; einen eindeutigen kausalen Zusammenhang mit den Kraftstoffpreisen belegen sie nicht. ## Eigenzulassungen der Händler legen zu, Absatz deutscher Konzerne sinkt Auch im Fahrzeughandel verschiebt sich die Zusammensetzung der Zulassungen. Laut Dataforce erhöhte sich der Anteil von E-Autos an den Eigenzulassungen der Händler im Juli auf 20,4 Prozent. Im bisherigen Jahresdurchschnitt waren es 14,1 Prozent. Dataforce sieht darin einen Hinweis darauf, dass sich auch die Fahrzeugportfolios des Handels verändern könnten. Hinzu kommt eine größere Vielfalt bei den Anbietern. Laut CAM sank der gemeinsame BEV-Marktanteil der deutschen Konzernmarken im ersten Halbjahr von 63,5 auf 54,2 Prozent. Tesla, Stellantis-Marken und insbesondere chinesische Hersteller konnten dagegen bei den batterieelektrischen Neuzulassungen zulegen. Über alle Antriebe hinweg erreichten chinesische Hersteller in den ersten sieben Monaten einen Marktanteil von 6,2 Prozent. ## Was bedeutet das für K&L-Betriebe? Für Karosserie- und Lackierbetriebe ist weniger die einzelne Zulassungszahl entscheidend als die daraus wachsende Fahrzeugbasis. Je mehr Elektroautos im privaten Bestand unterwegs sind, desto häufiger werden sie perspektivisch auch nach einem Unfall in einem K&L-Betrieb stehen. Damit gewinnen auch E-spezifische Anforderungen im Reparaturprozess an Bedeutung – etwa Herstellervorgaben, Qualifikationen für Arbeiten an Hochvoltsystemen, der Umgang mit beschädigten Batteriekomponenten sowie notwendige Prüf- und Freigabeprozesse.