2021-12-01T13:07:24+0000

Mit Zusammenhalt und Leidenschaft erfolgreich durch Jahrzehnte

Alles begann im Jahr 1959. Damals kam Cemil Bayer aus der Türkei nach Deutschland. Als Einwanderer, noch bevor zahlreiche seiner Landsleute als Gastarbeiter in den 60er-Jahren mithalfen die Republik aufzubauen. Der heute 82-Jährige erinnert sich beim Redaktionsbesuch von schaden.news im Oktober in Göttingen: „Es war keine einfache Zeit alles in der Heimat hinter sich zu lassen. Aber ich wollte viel erreichen, habe viel gelernt und mich angepasst.“ Keine Frage, heute kann Cemil Bayer auf sehr erfolgreiche Jahrzehnte als Unternehmer zurückblicken. Den Grundstein dafür hat er früh gelegt. Schon zehn Jahre nach seiner Einwanderung und der Meisterprüfung – mit Auszeichnung zum Karosseriebaumeister im Jahr 1966 und Technikerschule im Jahr 1967 – führte er seit 1979 einen Lackierbetrieb mit 4 Mitarbeitern. Zuvor erfolgte die Ausbildung zum Lackierermeister im Jahr 1973. Für die Weiterbildungen lernte er in der Abendschule. Tagsüber arbeitete Cemil Bayer vor seinem Leben als Unternehmer in der Karosseriefabrik Emmelmann in Hannover, als Vorarbeiter in der Arbeitsvorbereitung im Busbau. Schnell wuchs sein Lackierbetrieb und es folgte der Umzug an den heutigen Standort im Norden Göttingens, mit damals schon 14 Mitarbeitern. ## Einer der größten K&L-Betriebe in Südniedersachsen und Nordhessen Nun führen seine Söhne Attila und Berkan Bayer die Geschäfte, die schon von Kindesbeinen an jeden Winkel des K&L-Betriebs kennen. Beide Söhne sind gelernte Kfz-Mechaniker, haben erfolgreich Maschinenbau studiert und sich als Kfz-Service-Techniker weitergebildet. Als Diplom Ingenieure sammelten sie in vielen renommierten Unternehmen wie Binz (Rettungsfahrzeuge), Kögel (LKW Aufbauten), Ernst Auwärter und MAN (Bushersteller), Mercedes Benz (Entwicklung und Konstruktion) Erfahrung – bevor Attila und Berkan Bayer in das Familienunternehmen eingestiegen sind. Mit dieser Erfahrung haben sie den Betrieb sehr zielstrebig weiterentwickelt. Der Reparaturfachbetrieb zählt heute mit nahezu 100 Mitarbeitern in Göttingen und am Standort Kassel zu den größten Unternehmen in der Region. Bayer arbeitet mit allen namhaften Kfz-Versicherern zusammen, ist als Partnerwerkstatt auch fest im Flottengeschäft etabliert. Karosserie, Lack und Mechanik, LKW- und Caravan-Reparatur sowie der Sonderfahrzeugbau gehören zu den Geschäftsfeldern. Seit 2015 ist das Unternehmen Bosch Car Service Partner und seit 2019 HUK Autoservice Partner. Doch auch wenn die Söhne von Cemil Bayer schon längst aus dem Schatten ihres Vaters herausgetreten sind, ist er nach wie vor bei richtungsweisenden Entscheidungen beteiligt. ## 6 Millionen Euro in moderne Betriebserweiterung investiert Die Familienbande in Göttingen sind stark und haben dazu geführt, dass sich das Unternehmen fortlaufend positiv weiterentwickelt hat und über die Jahrzehnte kräftig gewachsen ist. „Wir haben auch manche Krise erlebt. Doch der Zusammenhalt und die Leidenschaft für unser Unternehmen, die Loyalität unserer Mitarbeiter und die Begeisterung für unser Handwerk haben uns immer gestärkt.“ Hinzu kommt sicher auch strategische Weitsicht der Unternehmerfamilie. Schon vor Jahren hatte Cemil Bayer ein Nachbargrundstück gekauft, auf dem nun ein
Erweiterungsbau steht. Im Oktober dieses Jahres wurde die neue Werkstatthalle fertiggestellt. „Wir haben sechs Millionen Euro investiert, um mit der Entwicklung des Marktes schritthalten zu können und uns mit der Kapazitätserweiterung bei unseren Kunden noch stärker zu etablieren“, betont Attila Bayer nicht ohne Stolz, wenn er durch das neue, beeindruckende Gebäude geht. Sehr hell, geräumig und mit modernster Technik ausgestattet. Dazu kommt die unmittelbare Nähe zur grünen Leinaue, die ein Arbeiten in der Natur vermittelt. Schon vor der Pandemie, im Jahr 2017, wurde die Betriebserweiterung geplant. „Natürlich haben wir auch während der Corona-Krise den Einbruch des Reparaturvolumens gespürt. Dank unserer sehr breiten Aufstellung und unserer engagierten Mitarbeiter haben wir die negative Entwicklung aber schnell hinter uns gelassen.“ Der erste Lockdown war ein Schock für das Familienunternehmen, doch die Betriebserweiterung stand nie zur Diskussion. In Göttingen ist man überzeugt von dem, was man anpackt. ## Moderne Werkstattausstattung und jahrzehntelange Erfahrung Die neue Werkstatthalle ist gewaltig – und trägt auch die Handschrift von Unternehmensgründer Cemil Bayer. „Mein Vater plant bis heute für sein Leben gerne die Erweiterungen des Betriebes selbst“, erklärt Sohn Attila. Beteiligt an der Ausstattung der neuen Werkstatthalle war auch der Kabinenhersteller WOLF aus Geisenfeld. „Wir haben uns sehr eng mit dem Unternehmen abgestimmt und gerade bei den Terminals für die Multifunktionsarbeitsplätze individuelle technische Lösungen realisiert“, erklärt Jürgen Sterzik, Vertriebsleiter bei WOLF Anlagentechnik. Gemeinsam mit Projektleiter Stefan Wrede planten die Geisenfelder 22 Multi-Arbeitsplätze, einen separaten Füllerstand, zwei Lackierkabinen mit je einem separaten Trockner und sieben Finishplätze – in Deutschland findet man kaum einen freien Betrieb in dieser Größenordnung. Das Reparaturvolumen für die neu geschaffenen Kapazitäten ist vorhanden, zeigt sich Attila Bayer überzeugt. „Wir vertrauen auf die enge Partnerschaft mit unseren Kunden und bieten nun eines der modernsten Reparaturzentren, welches auch auf die Instandsetzung künftiger Fahrzeuggenerationen ausgelegt ist.“ So sieht Zukunft aus. Vater Cemil Bayer war eng in die Planungen eingebunden und bestand aufgrund seiner Erfahrung auf den separaten Füllerarbeitsplatz. „Erst war ich dagegen“, räumt Attila Bayer ein. „Doch nun hat sich gezeigt, dass wir den Grad der Verschmutzung deutlich reduzieren können.“ Das perfekte Zusammenspiel aus moderner Technik und Erfahrung aus Jahrzehnten. ## Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern Für Vater Cemil ist der Erfolg des Unternehmens vor allem ein Ergebnis des familiären Zusammenhaltes und der starken Kundenorientierung. „Wir haben immer alles gegeben, selbst angepackt, die Veränderungen vorangetrieben und frühzeitig geplant“, betont der 82-Jährige mit berechtigtem Stolz. Auch wenn sich die Zeiten stark verändert haben, hektischer und unberechenbarer geworden sind, glaubt der erfahrene Unternehmer nach wie vor an die Zukunft von Karosserie- und Lackierbetrieben – weil „das Handwerk auch künftig gebraucht wird.“ Die nächste Generation steht dafür auch bereits in den Startlöchern. „Mein 15-jähriger Neffe ist hier bei uns sehr häufig in den Ferien in der
Werkstatt unterwegs. Mein 10-jähriger Sohn schnuppert nach der Schule auch schon rein. Beide sind sehr autoaffin“, lächelt Attila Bayer. In der alten Lackiererei werden neue Arbeitsplätze entstehen. Hier sollen der Sonderfahrzeugbau und die Karosserieinstandsetzung sowie eine Waschanlage „einziehen“. Die frühere WOLF Kabine wird in Göttingen ab- und am Standort Kassel wieder aufgebaut. Cemil Bayer und seine Söhne projektieren hier derzeit schon einen weiteren Hallenneubau.
Christian Simmert