2021-07-21T11:50:48+0000

Mobilität weiter auf Vorkrisenniveau – mit zwei Ausnahmen

Aktuelle Auswertungen des Statistischen Bundesamts bestätigen den anhaltenden Erholungstrend der bundesweiten Mobilität. War diese im April noch 7 % und im Mai noch 4 % unter dem Wert des Vergleichsmonats 2019 gelegen, bewegten sich die Zahlen im Juni wieder auf Höhe des Referenzmonats vor zwei Jahren. ## Eingeschränkte Mobilität während der Nachtstunden und in Großstädten Interessante Unterschiede lassen sich hinsichtlich der Größe der analysierten Regionen sowie in Bezug auf die Tageszeit erkennen. Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto geringer ausgeprägt ist auch das dort vorhandene Mobilitätsaufkommen. Während in ländlicheren und weniger dicht besiedelten Kreisen die Mobilität im Juni 2021 teilweise ein Plus von 8 % erreichte, lag diese in kreisfreien Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern noch deutlich (-10 %) unter dem Vorkrisenniveau. Die stärker verstädterten Kreise wiesen in den letzten Monaten zudem bei der nächtlichen Mobilität zwischen 22 und 6 Uhr einen stärkeren Mobilitätsrückgang auf. So hatte dieser im Mai 2021 noch 36 % betragen, während er in städtischen Kreisen (-29 %) und ländlichen Kreisen (-20%) kleiner ausfiel. Im Juni sind diese Abstände nun deutlich geringer geworden. Zwar war der Rückgang der nächtlichen Mobilität im Juni in Großstädten mit -20 % am stärksten, in den anderen Kreistypen lag die Mobilität jedoch auf ähnlichem Niveau (-16 % in städtischen Kreisen und -15 % in ländlichen Kreisen). ## Bundesweit derzeit 7 Prozent mehr Mobilität gegenüber 2019 Im direkten Vergleich der einzelnen Bundesländer führt im Juli (Stand Destatis: 06.07.2021) Sachsen-Anhalt mit einem Plus von 19 % die Liste an. Thüringen, Rheinland-Pfalz und das Saarland folgen gleichauf mit jeweils 17 %. Ebenfalls zweistellige Zugewinne verzeichnen Niedersachsen (14 %), Hessen und Brandenburg (je 13 %). Deutlich normalisiert hat sich dagegen der Mobilitätswert in Mecklenburg-Vorpommern. Anfang Juli wurden hier 9 % registriert – zum 30.06.2021 lag diese Zahl aber noch bei 25 %. Geschuldet dürfte dieser Mobilitätsboom dem Ferienbeginn zum 21.06. in mehreren nördlichen Bundesländern gewesen sein. Wie auf der Website von Destatis zu lesen ist, hat die Behörde mittlerweile ihre Datengrundlage geändert, um solche Sondereffekte in touristisch geprägten Regionen während der Sommermonate künftig herausrechnen zu können. Unterhalb des bundesweiten Durchschnitts von 7 % liegen Schleswig-Holstein (6 %) sowie Baden-Württemberg und Bayern (je 4 %). Als einziger Flächenstaat weist Nordrhein-Westfalen einen negativen Wert (-1 %) auf. Bei den Stadtstaaten liegt allein die Hansestadt Bremen (12 %) im Plus. Berlin (-2 %) und Hamburg (-7 %) weisen hingegen negative Werte auf. Noch unklar ist derzeit, wie stark sich die Überflutungen im Westen Deutschlands auf den weiteren Verlauf der Mobilitätszahlen auswirken werden. ## Google: Einzelhandel holt auf, Home-Office-Effekt weiter spürbar In wöchentlichen Abständen veröffentlicht der US-amerikanische Suchmaschinenbetreiber Google nach Region und in verschiedene Ortskategorien unterteilte Bewegungstrends. Hieraus lässt sich ablesen, dass im Vergleich zum Vormonat insbesondere die Bereiche Einzelhandel und Freizeit deutlich stärker aufgesucht werden. Mit -3% wird hier nur noch ein leichter Rückgang gegenüber dem
Medianwert der fünf Wochen vom 3. Januar bis 6. Februar 2020 registriert. Seit April / Mai 2021 wurden hier über 20 Prozent aufgeholt. Stärker ausgeprägt sind hingegen die Beharrungskräfte beim Aufsuchen der Arbeitsstätten. Nach wie vor macht sich hier die Home-Office-Regelung vieler Unternehmen bemerkbar. Trotz zuletzt in Kraft getretener Lockerungen bleibt der Wert mit aktuell -19 % nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat. Im unmittelbaren Umfeld der Wohnorte nähert sich die Mobilität allerdings immer weiter dem Vorkrisenniveau an und liegt nun bei +4 %. Abgebaut werden auch zunehmend die Mobilitätsdefizite im Umfeld von Bahnhöfen und Haltestellen. Nach -26 % in den beiden Vormonaten liegt der Wert nun bei -14 %. ## Leicht- und Schwerverkehr weiter mit Zugewinnen Weiterhin positive Werte werden auch bei den automatischen Zählstellen auf Bundesautobahnen und Bundestraßen registriert. Nachdem der mit zweimonatiger Verzögerung bereitgestellte Index für den Leichtverkehr bereits im März den Abwärtstrend des Vorjahresmonats durchbrochen hatte, lag dieser auch im April 2021 deutlich darüber, stieg jedoch nicht mehr so rasant wie in den ersten drei Monaten. Wie das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) und das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilen, ist die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen im Juni 2021 saison- und kalenderbereinigt gegenüber Mai 2021 um 0,7 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni 2020, als der kalenderbereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex noch von der Corona-Krise beeinträchtigt war, lag der Index damit um 7,7 % höher. Im Vergleich zur Situation vor der Krise lag er saison- und kalenderbereinigt 3,8 % höher, nimmt man den Jahresdurchschnitt vor der Krise (März 2019 bis Februar 2020) als Maßstab.
Christoph Hendel