2021-02-10T13:35:30+0000

„Originalmarkenersatzteile auch in der Unfallschadenreparatur“

Die Margen-Krise im Ersatzteilgeschäft treibt die Diskussion um den Einsatz von Originalmarkenersatzteilen (Ident-Teile) in der Unfallschadenreparatur an. Denn die Einsparungen bei den Schadenkosten sind enorm, das zeigen Berechnungen, die exklusiv für schaden.news angestellt wurden. Würde demzufolge bei einem Frontschaden an einem VW Golf VII Variant 1.6 TDI Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer, Träger und Kondensator sowie Wasserkühler und Querlenker bei der Unfallinstandsetzung nicht als VW-Originalersatzteil, sondern als gleichwertige Ident-Teile verbaut, wären die Kosten für Ersatzteile um 33 Prozent reduziert. Das haben die Spezialisten von Global Automotive Service (G.A.S.) und Global Automotive Repair (G.A.R.) anhand von gängigen Kalkulationsprogrammen berechnet. ## Scheinwerfer, Kondensatoren, Wasserkühler und Fahrwerksteile 377 Euro günstiger Beträgt der OE-Preis in der Kalkulation 1.137,90 Euro für die Beschaffung der Originalersatzteile, so liegt der IAM-Preis für die Ident-Teile laut der Berechnung nur bei 760,50 Euro. Scheinwerfer, Kondensatoren, Wasserkühler & Co sind also 377,40 Euro günstiger. „Für uns ist diese Erkenntnis nicht neu“, erklärt Andreas Brodhage, Geschäftsführer von G.A.S. und G.A.R., im Gespräch mit der Redaktion. „Wir setzen seit Jahren bei Inspektion, Wartung und Reparatur von Flottenfahrzeugen auf Originalmarkenersatzteile. Die Flottenbetreiber fordern diese Vorgehensweise sogar, um Schadenkosten bei Verschleißteilen zu reduzieren – ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen.“ Der Branchenkenner erwartet angesichts anhaltender Kritik zur Margenkürzungen im Unfallreparaturmarkt nun auch die stärkere Verwendung von Ident-Teilen bei der Instandsetzung von Unfallfahrzeugen. Herausforderung hier sind aus Sicht von G.A.S. sogenannte „Monopolteile“, wie Karosserie-Ersatzteile oder Innenraumteile. Um eine entsprechende Kostenreduzierung bei der Schadenreparatur zu erzielen, gibt es nach Einschätzung von Andreas Brodhage jedoch ausreichend Warengruppen im freien Markt. ## „Kfz-Versicherer sind noch an das OE-Teil gebunden“ Für den G.A.S.-Geschäftsführer ist die Verwendung von Ident-Teilen in der Unfallschadenreparatur kein Problem. „Rechtlich ist das Thema längst durch die EU-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) geregelt“, unterstreicht Andreas Brodhage. Das gelte auch für Mechanik-Arbeiten bei der Unfallinstandsetzung. „Wir stellen durch unsere IT-gestützten Bestellprozesse sicher, dass eine exakte Zuordnung der OE-Teilenummer zur entsprechenden Ident-Teilenummer erfolgt und dass die GVO-Bescheinigung des Teilelieferanten vorliegt. Dass sind die Herausforderungen für die korrekte Belieferung von Originalmarkenersatzteilen, die G.A.S. und G.A.R. jedoch seit Jahren beherrschen.“ Aus seiner Sicht werden die Kfz-Versicherer selbst aufgrund des Marktdrucks nicht um den flächendeckenden Einstieg bei der Verwendung von Originalmarkenersatzteilen in der Unfallschadenreparatur herumkommen. ## Bewegung bei Kfz-Versicherern und Schadensteuerern Diese Sichtweise scheint sich durch die aktuelle Diskussion um Margenkürzungen und vor dem Hintergrund der weiter rasant steigenden Ersatzteilpreise bei Kfz-Versicherern allerdings
langsam zu verändern. [Thomas Geck, Leiter Schadenprozessmanagement betonte Ende Januar gegenüber schaden.news: „Bisher gibt es zu wenig Möglichkeiten, Aftermarkt-Teile zu verwenden.“](https://www.schaden.news/de/article/link/42118/ersatzteile-rabattierung-huk-reagiert) Auch der [Vorstandsvorsitzenden von Innovation Group Matthew Whittall hatte im Interview erklärt, dass man die Verwendung von Aftermarkt-Teile im Unfallreparaturgeschäft bisher nicht als ernsthafte Option gesehen habe.](https://www.schaden.news/de/article/link/42117/innovation-group-analysiert-auswirkung-der-margen-krise) „Das könnte sich jetzt ändern.“ Auch der deutliche Anstieg des Durchschnittalters des deutschen Fahrzeugbestandes könnte das bisher zögerliche Verhalten von Kfz-Versicherern weiter verändern. ## „Alles geht in Richtung Originalmarkenersatzteile“ Andreas Brodhage schätzt die Entwicklung deshalb derzeit so ein, dass der Trend zum Originalmarkenersatzteil mittelfristig auch in der Unfallschadenreparatur kaum aufzuhalten sei. „Schon vor zehn Jahren hat Europe Assistance mit uns jährlich bei 20.000 Unfallinstandsetzungen Ident-Teile verbaut“, hebt der G.A.S.-Geschäftsführer hervor. „Das war für uns als G.A.S. Ansporn genug, um unsere IT-Prozesse bis heute gemeinsam mit den Werkstätten zu installieren. Es steht hiermit heute schon eine flächendeckende bundesweite Versorgung mit Originalmarkenersatzteilen zur Verfügung. In unserem System kommen nur Ersatzteile mit der GVO-Bescheinigung zum Einsatz. Damit bewegen wir uns in dem rechtlichen Rahmen.“ Die jetzigen Gespräche die G.A.S. und G.A.R. nach eigenen Angaben mit Kfz-Versicherern führen gehen „in Richtung Originalmarkenersatzteil“.
Christian Simmert