2021-02-10T13:34:00+0000

Lackiervorbereitung: Was bringt das „Blowern“ in der Praxis?

Der Schleifvorgang innerhalb des Instandsetzungsprozesses ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch fehleranfällig – ein Kostenfaktor, der sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit der K&L-Betriebe auswirkt. Eben dem will der Technologiehersteller Cartec mit dem sogenannten Big Box Blower entgegenwirken. Doch wie bewährt sich die Technologie in der Praxis? schaden.news hat nachgefragt. ## „Gold wert“ Die Karosserie- und Lackexperten IDENTICA Keilhau im nordrhein-westfälischen Wesseling arbeiten seit einem Jahr mit dem Big Box Blower. Auf die Technologie sei man bei der Automechanika 2018 aufmerksam geworden, erklärt der Lackierermeister Moritz Disselhoff im Gespräch mit schaden.news. Geeignet sei eigentlich alles, was handlich genug ist, um in die 3,8m breite und 3m tiefe Kabine zu passen. Auch Motorhauben stellten kein Problem dar, erklärt Disselhoff. Bei Reparaturlackierungen an Stoßstangen und Felgen sei das Gerät geradezu „Gold wert“, lobt Disselhoff. Besonders überzeugend sei die Qualitätssteigerung bei neu zu lackierenden Felgen. Ecken und Kanten, die man sonst mit der Hand niemals erreichen würde, ließen sich problemlos bearbeiten – etwa im Bereich der Vertiefungen der Radmuttern: „Da geht der Blower kompromisslos rein und gewährleistet einen sauberen Schliff. Das gleiche gilt auch für Stoßstangen oder Interieurleisten, bei denen sich ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen lassen“, berichtet der Werkstattleiter. Nur bei der Vorbehandlung von Neuteilen setzt IDENTICA Keilhau weiterhin auf den bewährten Anschliff über ein 800er Pad. ## Deutliche Zeitersparnis gegenüber Schleifen per Hand Die von Cartec angegebene Zeitersparnis, die sich mit dem BigBoxBlower erzielen lassen, kann Disselhoff voll bestätigen: „Besonders deutlich ist das bei den Felgen. Dort benötige ich für das Schleifen per Hand im günstigsten Fall ca. eine halbe Stunde pro Felge, mit dem Blower aber nur fünf Minuten“, berichtet er. Bei der Instandsetzung von Stoßstangen mit vorhandener Altlackierung gehe es im Vergleich zum Schleifen mit dem Exzenter ebenfalls „rasend schnell“ und man erhalte einen schön mattierten Klarlack ohne durchgeschliffene Ecken und Kanten. Zwischen drei und fünf Teile wanderten derzeit täglich in die Strahlkabine, berichtet Disselhoff. ## Substrat-Verbrauch richtet sich nach Härte der Oberflächen Auch beim BigBoxBlower kommt man um den Zukauf von Verbrauchsmaterial nicht herum. Die Dauer der Wiederverwendbarkeit des Strahlsubstrats sei abhängig von den bearbeiteten Oberflächen, weiß der Spezialist: „Es strahlt sich nicht alles gleich. Bei kratzfesten Mercedes-Klarlacken benötigt man schon etwas mehr Zeit und Material als bei weicheren Oberflächen.“ Mit der neuen Befüllung sei das Gerät nun bereits ein halbes Jahr im Einsatz, berichtet Disselhoff. Auch wenn ihm noch keine genauen Zahlen vorliegen, schätzt er die Materialkosten als niedriger ein als bei anderen feinkörnigen Schleifmitteln. „Aber Material an sich ist eher uninteressant, heutzutage zählt die Zeit“, betont der Experte. ## „Wir sparen 80 Prozent gegenüber der Handarbeit“ Das bestätigt auch René Stange, Centerleiter des neuen Lackierzentrums der Autohaus Peter Gruppe in Heilbad Heiligenstadt in Thüringen. In Mitteldeutschlands größtem Lackierzentrum gehört der BixBoxBlower seit September 2020 zum festen Bestand.
In dem 3.000 Quadratmeter großem Neubau ist der gesamte Prozess – von der Annahme bis zur Abgabe des Fahrzeuges – bestens getaktet. Nach der Eröffnung im Mai 2020 zeigte sich dennoch, dass innerhalb der Lackiervorbereitung noch Möglichkeiten der Optimierung bestehen. „Deswegen“, so René Stange, „haben wir im Herbst den BigBoxBlower angeschafft. Verbunden mit dem Ziel, die Produktivität zu erhöhen – vor allem in Kombination mit der Felgenaufbereitung.“ Die Mitarbeiter des Lackierzentrums seien „begeistert“, resümiert der Centerleiter den Einsatz des Gerätes. Je nach Auftragslage ließe sich der Blower auch mit mehreren Teilen gleichzeitig bestücken. Auf das „aufwendige Schleifen per Hand“ greife man nur noch bei instandgesetzten Teilen zurück, bei denen gespachtelt wurde. In Summe ließe sich die Zeitersparnis gegenüber dem Schleifen von Hand auf circa 80 Prozent beziffern, verriet René Stange gegenüber schaden.news. Arbeitszeit, die nun anderweitig produktiv genutzt werden kann. ## Motivation der Mitarbeiter wesentlich für erfolgreiche Nutzung Dennoch, so mahnt Moritz Disselhoff: „Man sollte nicht an die Technologie mit der Einstellung herangehen, dass alles von alleine läuft.“ Entscheidend seien Mitarbeiter, die mit Begeisterung und der nötigen Weitsicht für die Reparaturabläufe handelten. Das zeige sich sowohl bei der nötigen Vorsicht im Umgang mit empfindlichen Oberflächen als auch beim Thema Reinigung: „Wenn einer nicht gut reinigt, dann bekommt man die Quittung beim Finish“, betont er. Da das Strahlsubstrat mit zunehmender Nutzungsdauer immer feiner werde, sollte man hierauf ein Auge haben, rät er Betrieben die sich für das Gerät interessieren.
Christoph Hendel