2019-02-27T12:13:04+0000

Girls'Day: Mädels ins Handwerk holen

Bundesweit suchen K&L-Betriebe händeringend nach geeigneten Fachkräften oder motivierten Auszubildenden. Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter verschäfen. Eine Möglichkeit, jungen Mädchen zwischen 5. und 12. Klasse das Berufsbild des Fahrzeuglackierers oder Karosseriebauers vorzustellen, ist der Girls'Day. Den Aktionstag gibt es bereits seit 2001, Partner ist unter anderem der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Die Teilnehmerinnen erleben anhand von praktischen Beispielen direkt vor Ort, wie interessant und spannend "typische Männerberufe" sein können. Der Girls'Day findet in diesem Jahr am 28. März statt. Wer als Betrieb noch teilnehmen möchte, findet alle weiterführenden Informationen links neben diesem Artikel. ## 33 Prozent bewerben sich später um einen Ausbildungsplatz Bereits seit mehreren Jahren in Folge gibt der Betrieb SAS Autoservice in Steigra jungen Mädchen Einblicke die Arbeit eines Fahrzeuglackierers. Petra Hodel, Buchhalterin und Bürokraft in dem Betrieb, sieht im Girls'Day eine gute Möglichkeit, Berührungspunkte zum Handwerk zu schaffen und den Teilnehmerinnen die Angst vor handwerklichen Berufen zu nehmen. "Viele sind zudem erstaunt, wenn sie sehen, dass wir eine weibliche Auszubildende haben", erklärt sie. "Natürlich kostet das alles auch Zeit", räumt sie ein, "aber es ist ja nur ein Tag im Jahr." Und der könne sich lohnen: Nach Angaben der Initiatoren motiviert der Girls'Day rund 40 Prozent der Mädchen für eine spätere Ausbildung. Zudem erhält etwa ein Drittel der Unternehmen Bewerbungen von ehemaligen Teilnehmerinnen – so auch der Betrieb SAS Autotechnik. ## Wie läuft der Girls'Day ab?
Doch wie lässt sich so ein Tag gestalten? "Bei mir lernen die jungen Leute zunächst einmal, welche Arbeiten in meinem Betrieb durchgeführt werden und welche Maschinen welche Funktion erfüllen", erklärt Unternehmer Hubert Falk von Falk Lackiertechnik im Schwarzwald. Am Girls'Day nimmt er erstmalig teil, holt jedoch bereits seit Jahren Schüler für Projekttage in seine Werkstatt. Anschließend zeige er den Teilnehmern verschiedene lackierte Teile, erkläre Fehlstellen und Unterschiede. "Die jungen Leute müssen das Gefühl haben, dass man sich wirklich um sie kümmert", ist Hubert Falk überzeugt. Dazu gehöre es dann auch, dass immer jemand dabei ist, wenn die Schüler sich ihre eigenen T-Shirts mit Airbrush gestalten dürfen oder dass die Teilnehmer auch beim Vespern mit den anderen Kollegen dabei sind. In Steigra erleben die Mädchen beim Girls'Day Schritt für Schritt, wie eine Reparatur abläuft: Fahrzeugteile abbauen, ausbeulen, vorbereiten, Schleifen, dem Lehrling beim Spachteln über die Schulter schauen, Farbe anmischen, dem Lackierer in der Kabine zuschauen. Später am Tag können sie dann selbst aktiv werden und eine Leinwand mit Airbrush gestalten – und zwar inklusive Abkleben, mit Gardinen Muster sprühen und Texte schreiben. "Kurzum: Auf der Leinwand können die Mädchen vieles von dem, was sie über den Tag bei uns erleben, direkt anwenden", fasst Petra Hodel zusammen. ## Worauf sollten Unternehmer achten? In den zurückliegenden Jahren hat Petra Hodel sehr gute Erfahrungen mit der Organisation des Girls'Day gemacht: "Das Ganze wird gut vorbereitet. Außerdem findet man als Betrieb jede [Menge Informations- und Werbematerial auf den Seiten ](https://material.kompetenzz.net/girls-day/unternehmen-institutionen)
[der Girls'Day-Veranstalter](https://material.kompetenzz.net/girls-day/unternehmen-institutionen), darunter auch Tipps, welche Aktivitäten man mit den Mädchen durchführen kann und wie sich bestimmte Themen spielerisch vermitteln lassen." Auch organisatorische Unterlagen wie Anwesenheitslisten und Vordrucke für die Eltern könnten Betriebe dort finden. Petra Hodel schreibt in der Regel fünf Plätze aus, da viele Mädchen gern auch mit einer Freundin teilnehmen möchten. Außerdem lohne sich der Aufwand dann eher, wobei sie auch zu bedenken gibt: "Fünf bis zehn Mädchen auf einmal kann in dem Alter auch schnell ziemlich anstrengend werden. Da ist es sicherer, erstmal mit einer kleineren Gruppe anzufangen." Hubert Falk will (wie bei seinen Projekttagen auch) versuchen, ein kurzes Vorgespräch mit der Teilnehmerin des Girls'Day zu führen: "Ganz einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was sie sich vorstellt und worauf sie Lust hat. Schleifen oder zeichnen? Beides ist bei uns kein Problem. So können wir den Tag noch besser vorbereiten."
Lisa Möckel